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Ehemaliger KZ-Wächter nach Deutschland ausgeliefert | BR24

© pa/dpa/Christian Charisius

Ehemaliger KZ-Wächter nach Deutschland ausgeliefert

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Ehemaliger KZ-Wächter nach Deutschland ausgeliefert

Die USA haben einen früheren KZ-Wächter nach Deutschland ausgeliefert. Der 95-Jährige ist am Samstag am Frankfurter Flughafen gelandet. Ob das Verfahren gegen ihn wegen Beihilfe zum Mord weitergeführt wird, ist noch unklar.

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  • BR24 Redaktion

Die USA haben einen ehemaligen KZ-Wächter nach Deutschland ausgeliefert. Der 95 Jahre alte Friedrich Karl B. landete am Samstag auf dem Frankfurter Flughafen, so ein Sprecher der Bundespolizei. Zuvor hatte der "Spiegel" über die bevorstehende Ankunft berichtet. Der Mann ist offenbar seinem Alter entsprechend bei guter Gesundheit.

Vorwurf: Beihilfe zum Mord

B. kam den Angaben zufolge am späten Vormittag mit einem Ambulanzflugzeug in Frankfurt an. Die Bundespolizei übergab ihn dem hessischen Landeskriminalamt (LKA). Ein LKA-Sprecher sagte, es liege ein Vernehmungsauftrag der Generalstaatsanwaltschaft Celle vor. Der Vorwurf laute auf Beihilfe zum Mord.

Nach Angaben von US-Behörden hat B. gestanden, als Wachmann in einem Außenlager des Hamburger Konzentrationslagers Neuengamme nahe dem niedersächsischen Meppen Gefangene bewacht zu haben. Über Misshandlungen von Gefangenen oder Todesfällen unter den Häftlingen sei ihm aber nichts bekannt gewesen, sagte er. Er lebte zuletzt im Bundesstaat Tennessee.

USA: Abschiebung angeordnet

Im Februar 2020 hatte ein Richter in den USA die Abschiebung angeordnet, im November 2020 lehnte eine Berufungsinstanz den Einwand des Betroffenen ab. Der Mann sei "aktiver Teilnehmer in einem der dunkelsten Kapitel der Geschichte der Menschheit" gewesen, erklärte ein Vertreter der Einwanderungsbehörde. Die USA böten "Kriegsverbrechern" keinen Schutz.

In der Begründung des Urteils vom Februar hieß es, in dem Außenlager seien unter anderem Juden, Polen, Russen, Dänen, Niederländer, Franzosen und politische Gefangene inhaftiert gewesen. Sie seien im Winter 1945 unter "grauenhaften" Bedingungen interniert gewesen und hätten "bis zur Erschöpfung und zum Tod" arbeiten müssen. Dabei seien "unter unmenschlichen Bedingungen" rund 70 Häftlinge ums Leben gekommen, hieß es weiter.

Generalstaatsanwaltschaft: Verfahren eingestellt

Im September 2020 hatte die Generalstaatsanwaltschaft Celle die Ermittlungen gegen den Mann übernommen, im Dezember aber "mangels hinreichenden Tatverdachts" wieder eingestellt. Die eingeräumte Bewachung von Gefangenen in einem Konzentrationslager, das nicht der systematischen Tötung der Gefangenen diente, reicht als solche für einen Tatnachweis nicht aus, hieß es damals zur Begründung. Die Ermittlungen hätten den Mann "nicht mit einer konkreten Tötungshandlung in Verbindung gebracht".

Verfahren könnte wieder aufgerollt werden

Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Celle sagte der Nachrichtenagentur dpa, es gehe zunächst darum, die Aussagebereitschaft des Mannes zu klären. Die Verfahrenseinstellung sei "nicht in Stein gemeißelt": Sollte B. bereit sein, sich zu äußern, könne das Verfahren jederzeit wieder aufgenommen werden.

Fund in Ostsee führt zum Verdächtigen

Laut "Spiegel" war B. 1959 nach Tennessee gezogen und hatte dort viele Jahre unerkannt gelebt. Erst der Fund von Karteikarten aus der Nazi-Zeit in einem gesunkenen Schiff in der Ostsee führte die Ermittler auf seine Spur. B. habe seine Rolle als Wächter in seiner Zeit in den USA zwar eingeräumt, allerdings habe er damals nur die Befehle seiner Vorgesetzten ausgeführt.

Mehr als 42.000 Tote in Neuengamme und 85 Außenlagern

Das KZ Neuengamme war 1938 zunächst als Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen gegründet worden. Nach Angaben der KZ-Gedenkstätte Neuengamme wurde es dann 1940 zu einem eigenständigen Konzentrationslager. Es war demnach bis 1945 das zentrale KZ Nordwestdeutschlands und hatte mehr als 85 Außenlager.

Die Häftlinge wurden als Zwangsarbeiter für die Kriegswirtschaft eingesetzt. Mehr als 42.000 Menschen kamen in den Lagern, während der Zwangsarbeit, bei Todesmärschen oder dem Bombardement von KZ-Schiffen, ums Leben.

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