Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Egon Krenz: "Es hat keine Vereinigung auf Augenhöhe gegeben" | BR24

© BR

Für Egon Krenz war der 9. November 1989 kein Tag der Wiedervereinigung. "Es ging damals noch um eine veränderte DDR." Er als neuer Staatsratsvorsitzender habe geglaubt, die DDR müsse sich als eigenständiger Staat reformieren.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Egon Krenz: "Es hat keine Vereinigung auf Augenhöhe gegeben"

Für Egon Krenz war der 9. November 1989 kein Tag der Wiedervereinigung. "Es ging damals noch um eine veränderte DDR." Er als neuer Staatsratsvorsitzender habe geglaubt, die DDR müsse sich als eigenständiger Staat reformieren.

Per Mail sharen
Teilen

Am 9. November 1989 öffnete sich die Mauer zwischen der Bundesrepublik und der DDR. Der damalige Staatsratsvorsitzende der DDR, Egon Krenz, hat jetzt mit der radioWelt auf Bayern 2 über seine Wahrnehmung der Ereignisse in dieser Nacht gesprochen.

"Ich habe es anders erlebt als das heute dargestellt wird. Ich habe zum Beispiel keinen Sturm auf die Mauer erlebt, denn an jenem Abend ist von der Ostseite nicht einer mit Hacke und Spaten an die Mauer gegangen, um sie einzureißen." Egon Krenz, ehemaliger Staatsratsvorsitzende der DDR

Im November 1989 sei es noch nicht um die Wiedervereinigung gegangen, so Krenz. "Es ging damals noch um eine veränderte DDR." Er selbst habe als neu ins Amt berufener Staatsratsvorsitzender geglaubt, die DDR müsse sich als eigenständiger und nicht als wiedervereinigter Staat reformieren.

"Ich war nicht für eine Abschaffung der DDR, sondern für eine Reformierung." Egon Krenz, ehemaliger Staatsratsvorsitzender der DDR

"Grenzer sind die Helden des Tages"

In der Nacht des 9. Novembers sei es ihm gelungen, eine Eskalation an der Grenze zu verhindern, betonte Krenz. Schon Tage vorher habe er ein absolutes Schießverbot erlassen.

"Die Grenzer sind die eigentlichen Helden des Tages", so Krenz. "Dass es zu einer friedlichen Grenzöffnung kam, das sollte man nicht verniedlichen."

"Einheit sehr einseitig geschlossen"

Über die sich anschließende Wiedervereinigung sagte er: "Es hat keine Vereinigung auf Augenhöhe gegeben, sondern der eine Staat hat sich dem anderen angeschlossen und der andere bestimmt die Regeln." Deshalb gebe es noch heute viele Probleme, die ungeklärt seien.

"Es gibt eine große Unzufriedenheit gerade in Ostdeutschland mit den Folgen der Deutschen Einheit, weil man davon ausgeht, dass die Einheit sehr einseitig geschlossen ist." Egon Krenz

Zur Person:

Egon Krenz hat in der DDR eine Bilderbuchkarriere hingelegt - eine Karriere, die den gelernten Lehrer vom Kreissekretär der Freien Deutschen Jugend (FDJ) bis an die Spitze von Staat und Partei führte. Im Oktober 1989, kurz vor dem Mauerfall, wurde Egon Krenz nach Honeckers Entmachtung Staatsratsvorsitzender. Gleichzeitig stieg er zum Chef der SED-Einheitspartei auf. Er blieb gerade einmal sieben Wochen an der Spitze. Dann verweigerte ihm die Basis der Partei die Gefolgschaft.

In den Jahren danach musste sich Egon Krenz wegen der Todesschüsse an der innerdeutschen Grenze verantworten. Das Landgericht Berlin verurteilt den überzeugten Kommunisten 1997 wegen Totschlags in vier Fällen zu einer Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren. Ein Urteil, das auch vor den höchsten deutschen und europäischen Richtern stand hielt.