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E-Scooter als Stolperfalle: Sozialverbände fordern Konsequenzen | BR24

© B5 aktuell/Linda Sundmäker

Behindertenvertreter und Sozialverbände warnen vor Gefahren und fordern unter anderem strengere Kontrollen und höhere Bußgelder.

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E-Scooter als Stolperfalle: Sozialverbände fordern Konsequenzen

Sie sollen Radwege oder Straßen nutzen, doch vielen Fahrern von E-Rollern sind die Regeln egal. Behindertenvertreter und Sozialverbände warnen nun vor Gefahren für schwächere Verkehrsteilnehmer und fordern mehr Kontrollen sowie höhere Bußgelder.

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Sie fahren auf Gehwegen, manchmal auch betrunken, missachten jegliche Regeln und lassen die Roller mitten auf Bürgersteigen stehen oder liegen: Manche Fahrer von E-Tretrollern gefährden nicht nur sich selbst, sondern auch andere.

E-Scooter als Gefahr für Kinder, Ältere und Behinderte

Gerade für kleine Kinder, Ältere und Menschen mit Behinderung sei das Risiko am höchsten, erklärt die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele. Sie könnten nicht so schnell reagieren und zur Seite springen, wie es notwendig wäre. Dass die Roller derart schnell und in einem so großen Umfang eingeführt wurden, ist aus ihrer Sicht "unbedacht". Es müsse besser kontrolliert werden, wer wo mit den Rollern fahre.

"Wir fordern auch eine 0,0-Promille-Grenze für alle, die E-Roller fahren." Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK

"Bußgelder sind keine wirklichen Strafen"

Stephan Heinke, Leiter des Gemeinsamen Fachausschusses Umwelt- und Verkehr beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, sieht auch das Ordnungsamt und die Polizei in der Pflicht. Sie sollten konsequentere Kontrollen durchführen. Gleichzeitig müsse das Strafmaß für Missachtung der Regelungen deutlich höher sein.

Bei Verstößen sind unterschiedliche Bußgelder fällig. Nach ADAC-Angaben kostet etwa das Fahren mit einem E-Tretroller auf dem Gehweg bis zu 30 Euro. Das Fahren ohne eine Betriebserlaubnis kostet 70 Euro. "Die jetzigen Bußgelder sind keine wirklichen Strafen", sagt Heinke.

Besonders für Blinde sind E-Roller ein Problem

Dass sie herannahende E-Tretroller nicht sehen und rechtzeitig aus dem Weg gehen können, sei besonders für Blinde ein großes Problem. "Ein junges Mädchen aus unserem Verband wurde bereits von einer Rollerfahrerin in Berlin angerempelt und auch noch beschimpft, weil es nicht ausgewichen ist", berichtet Heinke.

Praxis-Stunden und höhere Altersgrenze?

"Auch Rollstuhlfahrer können nicht so schnell ausweichen", ergänzt Dominik Peter, Vorsitzender des Berliner Behindertenverbands. Die Mitglieder seines Verbands fühlten sich inzwischen sehr unsicher in der Stadt, "weil die E-Roller sehr schnell unterwegs sind", so Peter. Er fordert verpflichtende Kurse für alle Fahrer.

"Man kann echt viel mit den Rollern anstellen. Ich verstehe nicht, warum man nicht sagt: Bevor die Nutzung erlaubt ist, muss man vier praktische Stunden absolvieren, in denen auf die Gefahren hingewiesen wird." Dominik Peter, Vorsitzender des Berliner Behindertenverbands

Im Prinzip müsse der öffentliche Raum komplett neu eingeteilt werden. "Wir haben jetzt eine neue Gruppe von Menschen, die im Verkehr unterwegs ist", so Peter. Da müsse man klären, wie man diese Gruppe einbinden könne. Aus seiner Sicht ist auch die Altersgrenze zu niedrig angesetzt. Sie liegt für E-Tretroller bei 14 Jahren.

Forderung nach gegenseitiger Rücksichtnahme

Angelina Herwig vom Vorstand der Bundesvereinigung Eltern blinder und sehbehinderter Kinder sagt, sie sei nicht gegen E-Tretroller: "Die sind aus meiner Sicht nicht gefährlicher als Fahrräder." Es sei vor allem eine Sache der gegenseitigen Rücksichtnahme. "Blinde sind einfach darauf angewiesen, dass andere Rücksicht nehmen", sagt Herwig. Dafür müssten E-Tretrollerfahrer sensibilisiert werden.

Verkehrsminister Scheuer nimmt die Kommunen in die Pflicht

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat die Kommunen schon vor Wochen zu einem härteren Durchgreifen aufgerufen. Sie müssten "den Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer jederzeit gewährleisten", heißt es in einem Brief des CSU-Politikers an den Präsidenten des Deutschen Städtetags, den Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Doch Städte und Gemeinden verweisen darauf, dass sie gar nicht genug Personal haben, um zusätzliche Kontrollen zu stemmen.