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E-Scooter
© dpa-Bildfunk/Herbert Neubauer
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E-Scooter

In Frankreich, Spanien, Österreich oder Skandinavien düsen die E-Scooter längst durch die Straßen und entlasten so vor allem Metropolen beim Verkehr und bei der Luftbelastung. Jetzt kommen die elektrisch betriebenen Tretroller auch in Deutschland. Die Bundesregierung hat den Weg dafür geebnet. Dazu erließ das Kabinett die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV). Der Bundesrat muss allerdings noch zustimmen. Das könnte bereits am 17. Mai geschehen.

Weniger Staus

Wenn es nach Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geht, kann das nicht schnell genug passieren. Scheuer erhofft sich von E-Tretrollern weniger Staus und bessere Luft in den Städten - als Alternative zum Auto und Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr.

So könnten Pendler etwa die letzte Strecke von der U-Bahn bis zur Arbeit mit einem E-Scooter zurücklegen - entweder mit gemieteten Geräten oder mit eigenen. Die E-Scooter wiegen nicht viel und können zusammengeklappt auch in Bus und Bahn mitgenommen werden.

Wo dürfen E-Scooter fahren?

Die E-Scooter sollen rechtlich wie Fahrräder behandelt werden. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h sollen sie auf Radwegen fahren - wenn es keine gibt, darf auch die Fahrbahn genutzt werden. Bei weniger als 12 km/h gehören die Gefährte auf Gehwege und gemeinsame Geh- und Radwege, nur innerorts geht notfalls auch die Fahrbahn.

Je nach Geschwindigkeit dürften schon Jugendliche ab 12 beziehungsweise 14 Jahren E-Scooter fahren. Eine Helmpflicht ist nicht geplant, das Tragen eines Helms wird aber empfohlen. Verpflichtend sind ein Versicherungsaufkleber, Licht, Klingel und zwei Bremsen.

Große Verletzungsgefahr?

Kritiker mahnen, dass die E-Scooter eine große Verletzungsgefahr bergen - für die Fahrer, aber auch für Passanten. In Städten wie Kopenhagen, wo sich E-Tretroller großer Beliebtheit erfreuen, gibt es breite, gut asphaltierte Radwege. Die sucht man in Deutschland meist vergeblich. Radwege hierzulande sind oft eine holprige Angelegenheit. Dazu kommen Kopfsteinpflaster in Innenstädten und Straßenbahngleise. Das heißt: Sturzgefahr.

Auch auf Gehwegen könnte es eng werden, wenn die motorisierten Tretroller zwischen Fußgängern Slalom fahren müssen. Vor allem um Kinder und ältere Menschen macht sich etwa der Sozialverbands VdK Sorgen. Auch Unfallforscher warnen. Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft: "Die Freigabe der Gehweg-Nutzung für Kraftfahrzeuge wäre ein hochriskanter Dammbruch."

Verleih von E-Scootern in vielen Metropolen Europas

Die Risiken können die trendigen E-Scooter aber wohl kaum ausbremsen. Mittlerweile kann man die kleinen Fahrzeuge in Dutzenden europäischen Städten mieten. Dabei konkurrieren z.B. das Berliner Start-up Tier Mobility, das Stockholmer Unternehmen Voi sowie die kalifornischen Firmen Bird und Lime. Der deutsche Anbieter Tier will bis zum Jahresende in 50 bis 100 Städten aktiv sein.

E-Scooter-Test in Bamberg

In Deutschland läuft derzeit ein erster Test mit E-Tretrollern in Bamberg. Seit Mitte März sind Probefahrer auf 15 Fahrzeugen der Firma Bird unterwegs. Die Stadtwerke wollen ausloten, ob und wie Bürger dadurch auf das Auto verzichten können - und wollen. Ab Sommer will man 100 Fahrzeuge per App zur Miete anbieten. Kosten soll das im Stadtgebiet einen Euro Grundpreis und 15 Cent je genutzter Minute.

E-Scooter-Test in Bamberg

E-Scooter-Test in Bamberg