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E-Bikes (Symbolbild)
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Hans Hinterberger
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E-Bikes (Symbolbild)

E-Bikes werden immer beliebter, vor allem die Pedelecs, bei denen der Elektromotor den Fahrer bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h unterstützt. So sollte es zumindest laut Vorschrift sein. Doch durch Tuning sind spielend Geschwindigkeiten jenseits der 60 km/h möglich, theoretisch noch weit höher.

Schätzung: Jedes dritte E-Bike getunt

Solch ein Gefährt im Straßenverkehr zu bewegen, ist allerdings verboten. Und trotzdem: Nach ARD-Informationen ist inzwischen jedes dritte E-Bike frisiert.

Anders als bei frisierten Mofas etwa ist das Tuning beim E-Bike auch für Laien einfach zu bewerkstelligen. Mittels Gratis-App aus dem Internet lässt sich die Software des E-Bikes spielend einfach manipulieren "Technikaffin bin ich nicht, aber sogar ich habe das in ein paar Minuten geschafft. Auf Anhieb. Kostet nichts und ist sehr leicht", berichtet ein Münchner, der sein E-Bike selbst getunt hat, da ihm die vorgegebene Geschwindigkeit mit 25 km/h zu langsam war.

Tuning-Software aus dem Internet

Tuning mithilfe von Software ist dabei nur eine Möglichkeit. Die gängigen Verkaufsplattformen im Internet bieten auch Tuningsets an, die sich an die Elektronik anschließen lassen. Ganz legal mit dem Hinweis, dass dann die Benutzung im Straßenverkehr verboten sei.

"Frisieren" von E-Bikes strafbar

Dass sich daran kaum jemand hält, ist der Polizei bewusst. Verkehrsrechtlich ist ein Pedelec mit mehr als 25 km/h allerdings kein Fahrrad mehr, sondern ein Kraftfahrzeug, ein sogenanntes S-Pedelec. Es hat auf einem Fahrradweg nichts zu suchen. Wer keine spezielle Fahrerlaubnis und keine Versicherung hat, kann schnell in Schwierigkeiten geraten. "Da sind wir schnell im Straftatenbereich unterwegs", erklärt Polizeihauptkommissar Ulrich Meyer-Arend.

Für die Polizei ist es jedoch im Alltag äußerst schwierig, frisierte E-Bikes zu erkennen. Um das Tuning stichfest zu beweisen, muss ein Gutachten erstellt werden. Unter anderem in Prüflabors lässt sich genau feststellen, ob der Hilfsmotor vorschriftsmäßig abschaltet oder ob er manipuliert wurde.

"Die Anzahl der Gutachten bezüglich Tuning hat enorm zugenommen", bestätigt Pedelec-Gutachter Carsten Bielmeier vom Schweinfurter Prüflabor Velotech.

Gefahr für E-Biker und andere Verkehrsteilnehmer

Die hohen Geschwindigkeiten der getunten E-Bikes können sowohl der Lenker als auch der Rahmen des Rads auf Dauer nicht aushalten. Auch die Bremsen sind nicht auf höhere Geschwindigkeiten ausgelegt.

Es kann für den Fahrer also gefährlich werden. Noch größer aber ist die Gefahr im Zusammenspiel mit anderen Verkehrsteilnehmern. Getunte E-Bikes sind schwer einzuschätzen: Sie sehen aus wie Fahrräder, sind aber oft bis zu 70 km/h schnell. Bayernweit stiegen die E-Bike Unfälle im letzten Jahr um 54 Prozent, in München sogar um 79 Prozent.

Hersteller von E-Bike-Motoren haben es zu leicht

"Für viele Hersteller ist es in der Tat viel zu leicht, die Motorleistung und damit die Endgeschwindigkeit hochzusetzen", sagt Pedelec-Gutachter Carsten Bielmeier.

Erst ab Juli 2019 kommen E-Bike-Motoren auf den Markt, die nicht mehr manipulierbar sind. Doch es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch diese Systeme geknackt werden.