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Durch Fridays for Future finden Klimaforscher Gehör | BR24

© BR/Maximilian Schecker

Die Zugspitze – Klimaforschung auf Deutschlands höchstem Berg

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    Durch Fridays for Future finden Klimaforscher Gehör

    Greta Thunberg hat durch Fridays for Future eine Bewegung losgetreten, die sich vor einem Jahr kaum jemand hätte ausmalen können: Die Klimaproteste bestimmten politische Debatten. Auch Klimawissenschaftler staunen, was sich verändert hat.

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    "Ein Jahr Greta" war das Motto der letzten Freitags-Demo in München – die Aktivisten sind stolz auf ihre Bewegung: Im Alltag, sagt Organisatorin Antonia Messerschmitt, merke sie, dass sich das gesellschaftliche Klima verändert. Veganismus an sich etwa sei viel mehr in der Gesellschaft angekommen. "Oder auch, dass man nicht fliegen sollte."

    Klimaökonomen finden durch Fridays for Future mehr Gehör

    Wie sehr sich die Koordinaten in der politischen Diskussion verschoben haben, stellt zum Beispiel auch Professor Ottmar Edenhofer fest. Der gebürtige Niederbayer ist Direktor des renommierten Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung und fordert seit Jahren: CO2 muss einen Preis bekommen, sonst gelinge der Wirtschaft der Ausstieg aus den fossilen Energien nicht schnell genug.

    Lange, so Edenhofer, habe er das ohne viel Widerhall in der Politik gesagt. Dieses Jahr aber lud ihn das Klimakabinett zu dieser Frage ein: "Das war vor einem Jahr nicht denkbar", sagt er. Fridays for Future habe klar gemacht, dass viele Menschen die Geduld an der aktuellen Klimapolitik verlieren. Darüber ist Edenhofer froh: "Ich bin in einer besseren Verfassung als noch vor einem Jahr, weil ich finde, dass wir jetzt die richtige Debatte führen."

    Ähnliches berichtet auch Professorin Karen Pittel, Umweltökonomin am Münchner ifo-Institut. Das Interesse an ihren Analysen sei in letzter Zeit größer geworden. Die Fridays for Future-Bewegung habe die Bereitschaft zum Dialog erhöht: "Dabei werden Maßnahmen diskutiert, die noch vor einem Jahr wesentlich stärker auf Ablehnung gestoßen sind."

    Schüler als Sprachrohr für wissenschaftliche Erkenntnisse

    Viele Wissenschaftler sind froh, dass Klimaschutz endlich auf der großen Bühne der Politik angekommen ist – und zollen der Fridays for Future-Bewegung dafür Respekt. Auch Professorin Julia Pongratz, die an der Universität München zu Klimawandel und Landnutzung forscht: "Der erste Weltklimaratsbericht kam 1990 heraus, und seitdem hat sich nicht viel getan. Erst jetzt kommt es mit Fridays for Future ins breite Bild der Öffentlichkeit, dass das Klimaproblem sehr breite und umfassende Maßnahmen erfordert." Die Wissenschaftlerin betont: "Greta Thunberg und alle anderen verdienen unsere Anerkennung."

    Mit den "Scientists for Future" gibt es auch ein Netzwerk von Wissenschaftlern, das die Schülerinnen und Studenten unterstützt, sie mit Informationen versorgt – oder sogar mitdemonstriert, wie zum Beispiel der Physiker Markus Vossbürger: "Letztlich machen die Schüler nichts anderes, als die Botschaft, die die Wissenschaft seit Jahrzehnten der Öffentlichkeit vermitteln will, einfach lauter von sich zu geben. "

    Vorsichtiger Optimismus

    Julia Pongratz ist bei den Demos nicht dabei, sie konzentriert sich darauf, zu lehren und zu forschen. Doch: "Wenn ich mir Fridays for Future anschaue, dann kriege ich Zuversicht, dass wir das Klimaproblem langfristig in den Griff bekommen." Allerdings liegt die Betonung auf langfristig: "Das Klimasystem an sich ist träge. Wir brauchen jetzt sehr schnell und sehr umfassende Änderungen in allen Bereichen." Abkehr von fossilen Energien, Runterfahren des Energiebedarfs, weniger Verkehr nennt sie als Beispiele.