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Dürre tief im Boden: Die Wälder leiden unter Trockenheit | BR24

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Alte Buchen

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Dürre tief im Boden: Die Wälder leiden unter Trockenheit

Den Wäldern in Deutschland droht erneut ein Dürrejahr. Obwohl es im Winter gut geregnet hat, ist laut Experten der Boden in tieferen Schichten – dort, wo vor allem die Bäume wurzeln - zu trocken. Der Klimawandel macht sich erneut bemerkbar.

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Von
  • Birgit Schmeitzner
  • Claudia Plaß

220 Milliliter Regenwasser sind im Plastiktrichter unter der Kiefer auf der Waldforschungsfläche im brandenburgischen Britz. "Immerhin", sagt Tanja Sanders vom Thünen-Institut für Waldökosysteme. Die Forscherin, die es aus Würzburg nach Brandenburg verschlagen hat, leitet das europaweit einzigartige Projekt: Vor fünfzig Jahren wurden gängige Baumarten wie Kiefer, Buche und Douglasie in Lysimetern angepflanzt. Das sind 100 Quadratmeter große Flächen, ausgeschachtet und gut abgedichtet, eigentlich überdimensionierte Pflanzkübel. Im Ablauf lässt sich bestimmen, wie viel Grundwasser sich unter den verschiedenen Baumarten bildet.

Auch "Bernd, die Buche" steht hier. Forscher haben demn Baum, der als @TW-_Britz täglich twittert, wie es ihm so geht, diesen Spitznamen gegeben. Sanders und ihre Kollegen schauen sich an, wie die Bäume wachsen, wie viel Wasser sie wann brauchen. Es interessiert sie auch, wann sich die Blätter und Nadeln entfalten – bei steigenden Temperaturen kann es immer früher im Jahr soweit sein. Die Bäume brauchen dann früher Wasser und, so Sanders, "dann reicht es halt hinten raus oft nicht mehr, auch wenn sie mittlerweile sehr gut sparen können". Die eine Baumart besser, die andere schlechter.

Der Wald der Zukunft ist "bunt"

Sanders ist sich sicher: Der Wald der Zukunft muss "bunt" sein - keine Monokultur mehr, sondern ein Mix aus mindestens vier, fünf Arten, die gut miteinander klarkommen. Baumarten, die Grundwasser produzieren, den Klimawandel aushalten und weniger anfällig für Schädlinge wie etwa den Borkenkäfer sind. Denn nur ein gesunder Wald, sagt auch Bundeswaldministerin Julia Klöckner, kann weiter seine Aufgaben erfüllen: die Luft und das Wasser reinigen, Kohlendioxid speichern. Klöckner bezeichnet den Wald als einen "unserer wichtigsten Klimaschützer". Und damit er das bleiben kann, stehen 1,5 Milliarden Euro bereit: Anreize dafür, Flächen wieder aufzuforsten und Wälder zu schaffen, die besser mit Trockenstress umgehen können.

Dürremonitor: Viele Stellen in Alarmfarbe Rot

Dass es für die Bäume auch in diesem Jahr wieder knapp wird mit dem Wasser, zeigen Daten des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung. Andreas Marx betreut dort den Dürremonitor, ein Modell, das die Bodenfeuchte berechnet. Laut Marx fehlen in tieferen Schichten örtlich mehr als hundert Liter Wasser pro Quadratmeter. Die roten Stellen auf den Karten sind über ganz Deutschland verteilt, viele rote Stellen sieht man in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, im Rhein-Main-Gebiet und in Unterfranken. Das Alpenvorland dagegen muss sich wenig Sorgen machen. Marx sagt mit Blick auf die tieferen Bodenschichten: Nach dem trockenen Jahr 2018 und den beiden Jahren danach sei 2021 jetzt "die vierte Vegetationsperiode in Folge, in der zu wenig Wasser im Boden ist".

Die Wasserknappheit dort unten werde im Sommer wohl anhalten, sagt Marx, und nennt zwei Gründe dafür: Ein großer Teil des Niederschlags werde verdunsten, und bei Gewittern komme zwar schnell viel Regenwasser zusammen, das könne aber schlecht in den Boden eindringen und laufe deshalb zum großen Teil zu den Flüssen ab. Ein trockener Boden leite nun mal das Wasser nicht gut weiter. Das sei wie beim Backen, erklärt Marx: "Wenn man eine Schüssel mit Mehl hat und Milch dazu kippt", verbinde sich das erst mal schlecht. Das werde erst besser mit kräftigem Umrühren. Weil das mit dem Boden nicht geht, muss man also warten, bis das Wasser von allein weiter nach unten durchsickert. Im Extremfall auch mal "nur einen Zentimeter am Tag".

Klimaschäden in Wäldern deutlich sichtbar

Der Klimaforscher befürchtet also, dass den Wäldern der vierte Dürresommer in Folge droht. Und damit Probleme für naturnahe Ökosysteme und für das Auffüllen der Grundwasserstände einhergehen. Die Klima-Schäden im Wald sind sehr deutlich sichtbar, Dürre betrifft aber auch andere Bereiche. Zum Beispiel die Energieerzeugung, die Binnenschifffahrt, den Tourismus und die Landwirtschaft – auch wenn für sie das Wasser im tiefen Erdboden nicht so entscheidend ist wie für den Wald. Andreas Marx findet, dass Deutschland Antworten braucht auf die Frage: "Wer darf wann zu welchem Zweck welches und wie viel Wasser nutzen?"

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat eine entsprechende Strategie angestoßen. Schulze sagte dem ARD-Hauptstadtstudio, "dass Deutschland ein wasserreiches Land ist, ist leider keine Selbstverständlichkeit mehr". Im Juni will das Bundesumweltministerium die Strategie vorlegen, wie Deutschland im Jahr 2050 die Wasserversorgung für Mensch und Umwelt sichern kann. Rechtzeitig vorbeugen, sagt Schulze, "damit wir erst gar nicht in die Situation kommen, irgendwem den Hahn abdrehen zu müssen." Es werde zum Beispiel ums Wasserspeichern und Wassersparen gehen. Neben der Forstwirtschaft werde sich auch die Landwirtschaft Gedanken machen müssen, was sie zu einer nachhaltigen Wassernutzung beitragen könne.

"Deutschland muss über Wassermanagement nachdenken"

Auch das Bundeslandwirtschaftsministerium ist der Ansicht, dass Deutschland die Ressource Wasser so effizient wie möglich einsetzen muss, weil sonst Verteilungskonflikte drohen. Das Ministerium weist aber auch darauf hin, dass die Landwirtschaft für die Bewässerung nur 1,4 Prozent der jährlichen Frischwassermenge nutze. Die Agrarwissenschaftlerin Regina Birner von der Universität Hohenheim sagt, weltweit sehe das ganz anders aus, da liege der Anteil bei 70 Prozent. Umso besser, dass sich das bisher von der Natur "so verwöhnte" Deutschland jetzt vorausschauend Gedanken mache, wie künftig ein nachhaltiges Wassermanagement aussehen könne.

Birner hat Projekte in Afrika und Indien betreut und berät die Bundesregierung als Mitglied des Bioökonomierates. Ein guter Weg ist der Forscherin zufolge sparsame Tröpfchenbewässerung, am besten digital gesteuert. Da gebe es aber einige Herausforderungen: die Technik sei nicht billig. Und brauche dann "eben auch bessere Infrastruktur gerade auch im ländlichen Raum, was also Internetabdeckung angeht". Auch müsse man in die Ausbildung investieren, damit die Landwirte die Systeme gut anwenden können.

© BR
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Ein ARD alpha Gespräch zu Flut und Dürre

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