BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Drosten und weitere Virologen fordern harten Lockdown | BR24

© picture alliance/dpa/Reuters Pool | Fabrizio Bensch
Bildrechte: picture alliance/dpa/Reuters Pool | Fabrizio Bensch

Der Virologe Christian Drosten

167
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Drosten und weitere Virologen fordern harten Lockdown

Christian Drosten hält wegen der steigenden Inzidenzen einen neuen harten Lockdown für unausweichlich. Dass nicht früher auf die Warnungen der Wissenschaft reagiert worden sei, mache sie wütend, kritisiert die Virologin Melanie Brinkmann.

167
Per Mail sharen
Von
  • B5 aktuell
  • BR24 Redaktion

Immer mehr Virologen fordern angesichts der steigenden Corona-Zahlen einen harten Lockdown. So sagte der Chefvirologe der Berliner Charité, Christian Drosten, dem "Spiegel", dass gegen die aggressivere Variante des Virus ein Teil-Lockdown nicht greife, habe man in Paris und London gesehen. Dort seien die Inzidenzen sowie die Zahl schwerer und oft auch tödlicher Krankheitsverläufe immer weiter gestiegen. Noch besteht nach den Worten Drostens die Chance, eine solche Entwicklung in deutschen Großstädten abzuwenden. Dazu seien jetzt aber politisches Handeln und auch die Unterstützung möglichst vieler Menschen notwendig.

Die Virologin Melanie Brinkmann vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum warnte, wenn alles so weiterlaufe wie bisher, "wird jeder in seinem ganz direkten Umfeld Menschen kennen, die im Krankenhaus waren, gestorben sind, unter Langzeitschäden leiden". Sie sei wütend, dass nicht früher reagiert wurde auf die Warnungen der Wissenschaft, sagte sie dem "Spiegel".

Brinkmann: "Könnten schon bei Zehner-Inzidenz sein"

"Wir könnten jetzt schon bei Zehner-Inzidenzen sein, wenn die Politiker bei der Bund-Länder-Konferenz im Januar ernst genommen hätten, was wir ihnen gesagt haben", beklagte Brinkmann. Dass die Ministerpräsidenten stattdessen auf Lockerungen setzten, mache sie fassungslos. "Innerhalb von vier Wochen kriegen wir die Zahlen massiv runter, wenn die Menschen kaum Kontakte haben", sagte Brinkmann. "Je stärker alle auf die Bremse treten, desto kürzer währt der Lockdown."

Auch Intensivmediziner fordern harten Lockdown

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin, Christian Karagiannidis, forderte ebenfalls einen sofortigen Lockdown. Er verwies im "Spiegel" auf die Lage in Paris, wo er mit Kollegen in Kontakt stehe. Dort gebe es inzwischen so viele Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen, dass Personal eingesetzt werden müsse, welches gar nicht dafür ausgebildet sei. Der normale OP-Betrieb sei weitgehend eingestellt. "Und die Ärzte bereiten sich ernsthaft auf eine Triage vor", sagte Karagiannidis.

Optimistischer äußerte sich der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß. "Eine totale Überlastung unseres Gesundheitssystems oder gar Triage wird es in den kommenden Wochen absehbar nicht geben. Es droht auch kein Ende der Versorgung", sagte er der "Bild"-Zeitung (Samstagsausgabe). "Jeder Schwerkranke - egal ob Covid oder nicht - wird eine angemessene Versorgung in den Kliniken erhalten."

mit dpa-Material

© BR
Bildrechte: BR

Während die Politiker noch über Lockerungen oder strikten Lockdown streiten, hat sich die Mehrheit der Deutschen offenbar bereits entschieden. Zwei Drittel wollen einen härteren Lockdown.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!