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© dpa / Stefan Rampfel

Rathaus Göttingen

Sechs Rathäuser wurden deutschlandweit wegen Drohmails evakuiert. Betroffen waren nach ersten Erkenntnissen neben Augsburg auch Göttingen, Kaiserslautern, Chemnitz, Neunkirchen im Saarland und Rendsburg in Schleswig-Holstein. Wie es heißt, gingen hier in der Nacht Drohmails direkt an die E-Mail-Adressen der Rathäuser ein. Die Polizei geht von einem Zusammenhang der heutigen Fälle aus.

Zusammenhang zu anderen Drohschreiben offen

Noch ist offen, ob die Fälle auch im Zusammenhang mit einer anderen deutschlandweiten Serie von Drohschreiben stehen. Diese wurden in den letzten Monaten von mutmaßlichen Rechtsextremen an Politiker, Behörden oder Gerichte verschickt. Die Berliner Staatsanwaltschaft, die federführend ermittelt, spricht hier inzwischen von deutschlandweit mehr als 100 Fällen. Das sagte ein Sprecher am Dienstag auf Anfrage.

Vor zwei Wochen, nach Bekanntwerden der bundesweiten Serie, hatte die Ermittlungsbehörde noch von 78 Fällen gesprochen. Die Täter drohen mit Bomben oder - wie im Fall der Bundestagsabgeordneten Martina Renner (Linke) - damit, "Bürger auf offener Straße zu exekutieren". Schon mehrfach wurden Gebäude daraufhin evakuiert, Sprengkörper wurden aber bislang nicht gefunden.

Drohungen gegen Finanzämter, Anwaltskanzleien, Verlage

Die Drohschreiben gehen möglicherweise auf das Konto von Rechtsextremen. Sie gingen an verschiedenste Institutionen in Deutschland, darunter auch Finanzämter, Rathäuser, Anwaltskanzleien oder Verlage.

Ob es Zusammenhänge zwischen den heutigen Drohungen gegen mehrere Rathäuser und der bundesweiten Serie womöglich rechtsmotivierter Drohschreiben gibt, konnte die Behörde am Morgen noch nicht sagen. Auch ob es sich um einen Einzeltäter oder mehrere Personen handelt, war zunächst unklar.

Großeinsatz der Polizei in Augsburg

In Augsburg kam es wegen der Drohmail heute zu einem Großeinsatz der Polizei. Neben dem Rathaus wurden auch die Bürgerbüros der Stadt geräumt. Insgesamt seien rund 500 Menschen von der Evakuierung betroffen, teilte ein Stadtsprecher mit. Von offizieller Seite hieß es, es gebe keinen Hinweis auf einen terroristischen Hintergrund. Inzwischen wurde die Evakuierung wieder aufgehoben.

Sprengstoffspürhunde in Göttingen

In Göttingen war das Rathaus gegen neun Uhr komplett geräumt. Eine Sprecherin sagte: "Alles ist abgesperrt, der Plan ist, das Gebäude mit Sprengstoffspürhunden zu durchsuchen." Nach ihren Worten war eine anonyme Bombendrohung eingegangen. Die Straßen um das Rathaus wurden gesperrt, der öffentliche Personennahverkehr wurde weitläufig umgeleitet. Kurz nach zehn Uhr hieß es dann, es sei nichts Gefährliches gefunden worden.

Polizeieinsatz in Kaiserslautern

Auch in Kaiserslautern und im saarländischen Neunkirchen lief am Morgen ein Polizeieinsatz nach einer Bombendrohung. In Kaiserslautern ist die Polizei mit Sprengstoffspürhunden am Einsatzort. Der Bereich rund um das Rathaus sei weiträumig abgesperrt worden, so ein Sprecher. Es gebe derzeit keine konkrete Bedrohungslage.

Der Absender der Mail "ist nicht nachvollziehbar", sagte ein leitender Beamter der Polizei in Saarbrücken. Die Mail trage keine Unterschrift. Auch die Ermittler im Fall Rendsburg sprachen von einer anonymen Drohbotschaft.

BR-Reporter Andreas Herz

BR-Reporter Andreas Herz