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Drogenpolitik ist am effektivsten vor Ort – deshalb sucht die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), den Kontakt zu den Kommunen. Dass diese sich manchmal überlastet fühlen, kann Ludwig nachvollziehen.

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Drogen-Konferenz: "Totschweigen hilft nichts!"

Drogenpolitik ist am effektivsten vor Ort – deshalb sucht die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), den Kontakt zu den Kommunen. Dass diese sich manchmal überlastet fühlen, kann Ludwig nachvollziehen.

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Vernetzen, miteinander reden, sich über Fehler und funktionierende Ansätze austauschen – das wünscht sich die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, von den Kommunen.

Bei einer Jahrestagung zum Thema Sucht in Berlin sagte die CSU-Politikerin, in manchen Kommunen sei die Absprache selbstverständlich. In anderen jedoch arbeite jeder getrennt vor sich hin und die Polizei wisse nicht, was die Suchthilfe mache. Das müsse sich ändern. Die CSU-Politikerin aus Rosenheim betonte dabei, sie sei selbst Kommunalpolitikerin und wisse um die Probleme. Totschweigen sei keine Lösung, sie setze auf Dialog.

Mehr Drogenkonsumräume

Ludwig stimmt dabei Töne an, die in ihrer Partei, der CSU, nicht allzu oft gehört werden. Sie hält es für den falschen Ansatz, suchtkranke Menschen unbedingt zur Abstinenz bringen zu wollen. Sie rät den Kommunen, die Betroffenen zurückzuholen in die Mitte der Gesellschaft und zum Beispiel mehr geschützte Räume für den Drogenkonsum bereitzustellen. Bei aller Skepsis in vielen Kommunen, in Bayern bewege sich gerade etwas:

"Augsburg macht sich auf den Weg, auch die Junge Union in Nürnberg spricht jetzt für Drogenkonsumräume. Das ist sehr wichtig." Daniela Ludwig, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Ärztemangel auf dem Land

Ein zweites Problem sieht Ludwig beim Thema Substitution - wenn es also darum geht, dass Suchtkranke mit Methadon schrittweise von Heroin entwöhnt werden. In den Ballungsräumen in Bayern sei das "einigermaßen gut" geregelt. Anders sehe es aber in der Fläche aus: "Wo ein Substitutionsarzt in Rente geht, haben wir einen weißen Fleck. Die Süchtigen wissen nicht mehr, wohin sie sich hinwenden sollen." Hier gegenzusteuern, das ist nach Ansicht der Drogenbeauftragten für einen Flächenstaat wie Bayern eine "riesige Aufgabe".

Ludwig gegen Werbung für Tabak und Alkohol

Bei ihrer Jahrestagung in Berlin schaut Daniela Ludwig als Drogenbeauftragte der Bundesregierung aber nicht nur auf Bayern, sondern auf ganz Deutschland. Zu den so genannten legalen Drogen hat die CSU-Politikerin dabei klare Vorstellungen. Werbung für Alkohol im Fernsehen sieht sie sehr kritisch. Sie nennt dabei konkret die Übertragung von Championsleague-Spielen, vor denen "das Bier ins Glas plätschere". Ludwig ist dafür, Tabakaußenwerbung ganz zu verbieten, und zwar nicht nur für herkömmliche Zigaretten, sondern auch für E-Zigaretten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht das ähnlich, sagt bei seinem Grußwort auf der Veranstaltung, er hoffe, dass es noch vor dem Jahreswechsel eine entsprechende Einigung gebe.

Warnen vor dem Kiffen: Testimonials statt Handzettel

Ludwig sieht auch noch bei der Aufklärung über Cannabis viel Luft nach oben – Handzettel und Plakate seien da oft der falsche Ansatz. Sie findet, dass viel mehr über die sozialen Medien passieren muss. Am besten mit so genannten "Testimonials", also bei den Zielgruppen bekannte Persönlichkeiten. Die müssten den jungen Leuten sagen: "Finger weg! Zu früher, zu häufiger Konsum schadet Deinem Gehirn, schadet Deiner persönlichen Entwicklung!" Ludwig schlägt auch vor, gezielter Menschen unterstützen, zu denen junge Leute aufschauen, Übungsleiter in den Sportvereinen etwa.

Städtetag: Wir können nicht alles stemmen

Das Problem, das die stellvertretende Präsidentin des Deutschen Städtetages Katja Wolf dabei sieht: zu wenig Geld, zu wenig Ressourcen. Der Oberbürgermeisterin von Eisenach zufolge haben die Kommunen mit so vielen Baustellen zu tun, dass das Thema Drogen und Suchtprävention oft hinten runterfalle. Auch weil es für viele Kommunalpolitiker sicher auch leichter sei, etwas weniger Kompliziertes anzuschieben. Kommunale Netzwerke seien zwar vorhanden, aber "brüchig", weil vieles an den Menschen hänge. Wenn dann ein Modellprojekt auslaufe, eine Stelle nicht verlängert wird oder die Einrichtung mit befristeten Stellen auskommen müsse, dann "geht vieles sehr schnell den Bach runter".

Fördern vor Ort

Als Beispiel nennt Wolf "Familien mit Suchtproblematik", also die Frage, was mit den Kindern von suchtkranken Eltern passiert. Jugendämter hätten oft nur Zeit für die schlimmsten Fälle. Die stellvertretende Städtetags-Präsidentin wünscht sich mehr Unterstützung vom Bund und von den Ländern. Breit "mit der Gießkanne" Förderprogramme aufzulegen, davon hält sie aber nichts. Wolf zufolge sind nur die Kommunen nah genug an den Menschen und deren Problemen, um entscheiden zu können, wofür das Geld ausgegeben werden sollte und wo es auch wirklich gebraucht werde.