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Drei Deutsche unter Opfern bei Flugzeugabsturz im Iran? | BR24

© picture-alliance/dpa

Absturzstelle nahe Teheran

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    Drei Deutsche unter Opfern bei Flugzeugabsturz im Iran?

    Beim Absturz der ukrainischen Passagiermaschine im Iran sind laut ukrainischem Außenministerium 176 Menschen ums Leben gekommen. Erste Meldungen, wonach auch drei Deutsche an Bord gewesen sein sollen, kann das Auswärtige Amt bislang nicht bestätigen.

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    "Wir haben derzeit keine Erkenntnisse, nach denen sich deutsche Staatsangehörige unter den Opfern des Flugzeugabsturzes in Iran befinden", hieß es am Nachmittag vom Auswärtigen Amt. "Unsere Botschaft in Teheran bemüht sich mit Hochdruck um Aufklärung." Laut Deutscher Presse-Agentur sollen drei Menschen an Bord gewesen sein, die in Deutschland als Schutzsuchende registriert waren.

    An Bord der Maschine sollen 82 Menschen aus dem Iran gewesen sein, 63 aus Kanada, elf aus der Ukraine, zehn aus Schweden, vier aus Afghanistan und drei aus Großbritannien. Die Behörden in Kiew kündigten an, die Passagierliste zu veröffentlichen. Sprecher der Fluggesellschaft Ukraine International Airlines sagten, viele Reisende hätten Kiew als Transitpunkt zu anderen Zielen nutzen wollen.

    Die Bundesregierung hat nach dem Flugzeugabsturz im Iran ihre Anteilnahme bekundet. Die Nachrichten seien erschütternd, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch bei Twitter. "Wir nehmen Anteil an der Trauer um die Menschen an Bord." Ihren Angehörigen gelte tiefes Mitgefühl.

    Die ukrainische Maschine war kurz nach dem Start in der Nähe des Flughafens von Teheran aus einer Höhe von 2.400 Metern abgestürzt. Iranische Einsatzkräfte fanden die beiden Flugdatenschreiber der Boeing-Maschine. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Mehr zufolge will die iranische Luftfahrtbehörde die Blackboxen allerdings "nicht dem Hersteller und den USA" übergeben.

    Ukraine will eigene Ermittlungen durchführen

    Die Ukraine will nach dem Absturz der Passagiermaschine eigene Ermittlungen einleiten. "Ich habe den Generalstaatsanwalt angewiesen, ein Strafverfahren zu eröffnen", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Kommission, die den Absturz untersuchen soll, wird demnach aus Vertretern der staatlichen Ermittlungsbehörden und den Experten für zivile Luftfahrt bestehen. "Wir müssen allen möglichen Versionen nachgehen", so Selenskyj.

    Von ihrer anfänglichen Erklärung zur Absturzursache distanzierte sich die Ukraine. Die ukrainische Botschaft im Iran teile in einer zweiten Stellungnahme mit, die Ursachen des Absturzes seien nicht ermittelt. Frühere Einschätzungen dazu seien nicht offiziell gewesen. In der ersten Stellungnahme war noch von Triebwerksversagen die Rede gewesen und "Terrorismus" als Ursache ausgeschlossen worden.

    Der Fluggesellschaft Ukraine International zufolge war die Maschine vom Typ Boeing 737 wenige Jahre alt und wurde erst vor zwei Tagen technisch überprüft. Das Flugzeug des Baujahres 2016 sei direkt beim Hersteller erworben worden. Die Maschine habe erst am Montag die reguläre technische Überprüfung durchlaufen.

    Ursachenforschung: Russland warnt vor voreiligen Schlüssen

    Der russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow hat vor voreiligen Schlüssen zur Unglücksursache gewarnt. Es sollten die Ermittlungen abgewartet werden, schrieb er am Mittwochmorgen bei Facebook. Nur die könnten klären, ob zum Beispiel ein Pilotenfehler, eine technische Störung oder ein Angriff für den Absturz verantwortlich seien.

    Der Außenpolitiker Leonid Sluzki warnte der Agentur Interfax zufolge davor, den Absturz für politische Zwecke gegen den Iran zu nutzen. Er äußerte sich vor dem Hintergrund des Atomkonflikt des Irans mit den USA. Russland hatte wiederholt zum Dialog mit Teheran aufgerufen.

    Iran: Triebwerk von Unglücksmaschine fing Feuer

    Die iranische Luftfahrtbehörde führte das Unglück auf einen technischen Defekt zurück, wie der iranische Nachrichtensender Chabar unter Berufung auf einen Sprecher der Behörde berichtete. Eines der Triebwerke des Jets habe Feuer gefangen, sagte Kassem Binias, ein Sprecher des Straßen- und Verkehrsministeriums, nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Irna. Daraufhin habe der Pilot die Kontrolle über das Flugzeug verloren. Laut iranischen Medien stürzte die Boeing-Maschine kurz nach dem Start am internationalen Flughafen von Teheran in der Gegend der Stadt Parand ab. Die Maschine sei in Flammen aufgegangen. Der Leiter des Ermittlerteams, Hassan Rasaeifar, sagte, in den letzten Augenblicken des Fluges sei offenbar die Kommunikation zwischen Pilot und Fluglotsen am Flughafen abgebrochen.

    Absturz nur wenige Stunden nach Raketenangriff auf Militärstützpunkt

    Der Flugzeugabsturz ereignete sich wenige Stunden nach iranischen Raketenangriffen auf zwei internationale Militärstützpunkte im Irak. Der oberste geistliche Führer des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, bezeichnete die Raketenangriffe als "Schlag ins Gesicht" der Vereinigten Staaten. Teheran hatte nach der gezielten Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani "Vergeltung" angekündigt.