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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Vijay Pandey

In Indien spitzt sich die Corona-Lage mehr und mehr zu. Überall im Land fehlt dringend benötigter medizinischer Sauerstoff. Hilfe kommt auch aus Deutschland.

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Indiens bitterer Rekord: Mehr als 400.000 Corona-Neuinfektionen

Seit Ende Februar wütet das Coronavirus in Indien in einer zweiten Welle scheinbar ungebremst. Allein am Samstag meldeten die Gesundheitsbehörden mehr als 400.000 Neuinfektionen. In Neu-Delhi wird der Lockdown deswegen jetzt verlängert.

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Von
  • Markus Wolf

In Indien spitzt sich die Corona-Lage mehr und mehr zu - und ein Ende der steigenden Neuinfektionen ist weiter nicht in Sicht. Diesen Samstag hat das Land mit seinen rund 1,3 Milliarden Einwohnern wieder einen traurigen Höhepunkt erreicht: Es wurden rund 402.000 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert. Damit hat Indien als erstes Land weltweit die Marke von 400.000 Neuinfektionen an einem Tag erreicht. Zudem seien mehr als 3.500 Menschen innerhalb eines Tages gestorben, berichtet das Portal "Times of India".

Gesundheitssystem kurz vor dem Kollaps

Seit Ende Februar wird das Land nun schon von einer zweiten Welle mit mehreren Virus-Varianten heimgesucht. Die Folge: Das Virus breitet sich immer rasanter aus. Insgesamt haben sich laut offiziellen Angaben seit dem Ausbruch der Pandemie dort rund 19 Millionen Menschen infiziert. In vielen Krankenhäuser können Patienten aufgrund des großen Andrangs nicht mehr behandelt werden. Überall im Land fehlt dringend benötigter Sauerstoff. Beatmungsgeräte, Medikamente und freie Betten sind Mangelware. Auch die Krematorien sind der Zahl der Sterbefälle nicht gewachsen. Leichen werden rund um die Uhr und auf freiem Feld oder auf Parkplätzen verbrannt.

Dramatische Lage in Neu-Delhi

Besonders schlimm ist die Situation aber in der Hauptstadt Neu-Delhi. Dort steht das Gesundheitssystem weiter kurz vor dem Zusammenbruch. In einem Krankenhaus in Neu-Delhi starben acht Menschen, nachdem die Sauerstoffvorräte knapp geworden waren, wie die Nachrichtenagentur PTI berichtete. Ein Anwalt des Batra-Krankenhauses sagte laut einem Fernsehsender vor Gericht, das Hospital habe 80 Minuten keinen Sauerstoff gehabt, bevor die Vorräte wieder aufgefüllt worden seien. Viele Krankenhäuser in Indien beklagen sich, dass sie während der gegenwärtigen Corona-Welle nur unregelmäßig mit Sauerstoff beliefert werden.

18 Tote bei Brand in Klinik

Neben schlechter Versorgung sind auch die maroden Krankenhäuser ein Problem für die Hilfskräfte. Immer wieder ereignen sich aufgrund veralteter Sicherheitsstandards in Einrichtungen schwere Brände. Auch am Samstag kamen 18 Corona-Patienten beim Ausbruch eines Feuers in einem Krankenhaus in Indien ums Leben. Weitere 31 Patienten des Krankenhauses in Bharuch im Unionsstaat Gujarat im Westen des Landes wurden von Mitarbeitern und Feuerwehrleuten gerettet. Ihr Zustand sei stabil, sagte Polizeisprecher B.M Parmar. Erst vor gut einer Woche waren bei einem Brand auf einer Intensivstation außerhalb von Mumbai 13 Corona-Patienten getötet worden.

Lockdown in der Hauptstadt wird verlängert

Angesichts der dramatischen Corona-Situation haben die Behörden den Lockdown in Neu-Delhi deshalb nun um eine Woche verlängert. Regional-Regierungschef Arvind Kejriwal verkündete die Maßnahme am Samstag auf Twitter. Ursprünglich hätte der Lockdown in der 20-Millionen-Einwohner-Stadt am Montag auslaufen sollen. Zudem kündigte die Regierung in Neu Delhi an, dass sich alle Erwachsenen gegen das Coronavirus impfen lassen könnten.

Deutschland schickt mehrere Beatmungsgeräte

Deutschland hat indes Unterstützung für das stark gebeutelte Indien angekündigt. Am Abend landete in Neu-Delhi ein Flugzeug der Deutsche Luftwaffe mit verschiedenen Hilfsgütern, darunter auch 120 Beatmungsgeräte aus dem Bestand des Bundesgesundheitsministeriums. Mit an Bord der Maschine, die sonst auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Mitglieder der Regierung fliegt, waren auch 13 Sanitätssoldatinnen und Sanitätssoldaten.

Die Soldatinnen und Soldaten sollen eine mobile Sauerstoffgewinnungsanlage der Bundeswehr in Indien aufbauen, Personal des örtlichen Roten Kreuzes einweisen und dazu 14 Tage im Land bleiben, sagte ein Luftwaffensprecher. Die sehr große Sauerstoffgewinnungsanlage soll am Mittwoch und Donnerstag mit zwei Transportflugzeugen geliefert werden.

Impfungen sollen ausgeweitet werden

Ministerpräsident Narendra Modi bezeichnete die Entwicklung während einer Kabinettssitzung als Jahrhundertkrise. Die Minister diskutierten am Freitag über Schritte, die das Gesundheitssystem vor dem vollständigen Zusammenbruch bewahren sollen, wie zusätzliche Krankenhausbetten, eine bessere Versorgung der Kliniken mit Sauerstoff und die Beschaffung notwendiger Medikamente.

Mehr Impfungen sollen nach dem Willen der Regierung die Krise eindämmen. Seit Januar haben fast zehn Prozent der Menschen in Indien eine Dosis erhalten, aber nur 1,5 Prozent haben den vollständigen Impfschutz nach zwei Spritzen. Einige Unionsstaaten haben bereits mitgeteilt, sie hätten nicht ausreichend Wirkstoff, um alle Impfwilligen zu behandeln.

Virusmutationen und Massenveranstaltungen sollen schuld sein

Als Grund für die drastische Lage in Indien sehen Experten vor allem die Ausbreitung neuer Virus-Mutanten, die als ansteckender gelten. Viele Wissenschaftler führen die hohen Fallzahlen aber auch auf religiöse Massenveranstaltungen zurück. Im April waren etwa 30 Millionen Hindus zur Kumbh Mela nach Haridwar gekommen, um ein rituelles Bad im Ganges zu nehmen. Das "Fest des Kruges" ist das wichtigste religiöse Fest der Hindus.

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Die Bundeswehr hat eine erste Hilfslieferung aus Deutschland nach Indien geflogen. An Bord des Airbus waren Beatmungsgeräte, Schutzmasken und Medikamente für Corona-Behandlungen. Indien ist momentan besonders stark von der Pandemie betroffen.

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