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"Doppelmasken" gegen Corona: Empfehlenswert mit Einschränkungen | BR24

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Präsentation einer Sicherheitsmaske in den USA

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    "Doppelmasken" gegen Corona: Empfehlenswert mit Einschränkungen

    Joe Biden hat vorgemacht, wie ein Gesichtsschutz aussehen könnte: eine OP-Maske und darüber eine Stoffmaske. Über den Sinn der Doppelmaske wird seitdem diskutiert - auch in Deutschland. Wissenschaftlich betrachtet ist sie aber nur bedingt sinnvoll.

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    Von
    • Moritz Pompl

    Auf den ersten Blick sind die Zahlen der amerikanischen Seuchenschutzbehörde CDC eindrücklich. Das Center for Disease Control hat untersucht, wie viele Aerosol-Partikel noch durch die Masken kommen, wenn jemand hustet - und zwar wenn jemand entweder eine OP-Maske auf hat oder eine OP-Maske und darüber zusätzlich eine Stoffmaske trägt.

    Signifikant weniger Aerosole

    Das Ergebnis: Bei der OP-Maske schafften es mehr als 40 Prozent der Tröpfchen in den Raum. Mit der Stoffmaske drüber waren es nur noch 15 Prozent. "Das heißt, man kann den Schutzmechanismus deutlich verbessern", so die Infektiologin Maria Vehreschild vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung, "Ohne dass man zwingend eine FFP-2-Maske tragen muss. Ich denke, das ist gerade für den Alltag eine ganz sinnvolle Ergänzung."

    Weniger Durchlässigkeit - vor allem aufgrund von engerem Anliegen

    Dass die Filterleistung der Doppelmaske besser ist, hat weniger mit dem Plus an Stoffschichten zu tun. Sondern vor allem damit, dass die Stoffmaske die drunterliegende OP-Maske besser ans Gesicht drückt. Dadurch kommen an den Seiten und am Nasenrücken weniger Partikel durch. Das CDC hat die Kombination deshalb empfohlen, allerdings wirklich nur für das Tragen von OP- und Stoffmaske - und auch nur für Alltagssituationen. Explizit gilt dies nicht für Krankenhäuser oder Pflegeheime, sondern nur für das Einkaufen.

    RKI für Doppelmasken-Untersuchung nicht zuständig

    Maria Vehreschild würde sich wünschen, dass sich auch deutsche Behörden mit der Doppelmaske befassen. Doch das Robert-Koch-Institut schreibt auf Anfrage des BR: "Das RKI untersucht generell nicht selbst die Wirksamkeit von Masken. Vielleicht können die Fachgesellschaften weiterhelfen." Die Deutschen Gesellschaften für Hygiene und Krankenhaushygiene aber sagen: Die OP-Maske schützt gut genug vor Corona, genauso wie es die Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigt.

    Richtiges Tragen von FFP2-Masken macht Doppelmasken überflüssig

    Es bleibt die Befürchtung, dass mit der Doppelmaske das Atmen schwerer fällt. Das könne dazu führen, dass weniger Menschen konsequent Masken tragen. Genau diese Sorge gab es auch Ende Januar, als Bayern die FFP2-Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen beschlossen hat. Die Virologin Ulrike Protzer von der TU München kritisierte, dass damit zum Beispiel das Treppensteigen zu anstrengend wird.

    "Wenn die Menschen stattdessen wieder anfangen, Aufzug zu fahren, dann ist der ganze Effekt weg. Weil in Aufzügen eindeutig eine erhöhte Infektionsgefahr besteht." Ulrike Protzer, Virologin der TU München

    Das könnte auch mit der Doppelmaske drohen. Der Infektiologe Christoph Spinner von der TU München verweist auf ältere Studien zur Grippe, die zeigen, wenn OP-Masken richtig getragen werden, schützen sie genauso gut vor einer Übertragung wie FFP2-Masken. Eine zweite Stoffschicht darüber sei unnötig. "Doppelmasken werden aus meiner Sicht definitiv keine Verbesserung der Situation für uns in Deutschland bringen. Sowohl OP-Masken wie auch FFP2-Masken sind ausreichend verfügbar. Die Menschen wissen inzwischen, wie sie zu tragen sind, und sofern das getan wird, schützen sie." Das bestätigt auch ein genauer Blick auf die Daten des CDC. Sitzt die OP-Maske richtig, dann ist sie der Doppelmaske so gut wie ebenbürtig.

    Mehr Tragekomfort für Brillenträger

    Die Infektiologin Maria Vehreschild hat in der Doppellösung trotzdem einen individuellen Nutzen entdeckt. Sie ist Brillenträgerin und hat es ausprobiert. "Es reduziert das Problem beschlagener Brillen signifikant. Ich finde vor allem, dass es den Tragekomfort erhöht- neben dem zusätzlichen Schutzeffekt."

    Vielleicht ist das eine pragmatische Lösung: Wer die Doppelmaske für gut befindet, kann sie tragen. Für alle anderen reicht es, die OP- oder FFP-2-Maske richtig, also eng genug, aufzusetzen.

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