Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

"Direkte Ansprache": Israels Wahlkampf in den Medien | BR24

Audio nicht mehr verfügbar

Dieses Audio konnte leider nicht geladen werden, da es nicht mehr verfügbar ist.

Weitere Information zur Verweildauer

© dpa-Bildfunk/Oded Balilty

Ein Mann bringt ein Wahlplakat mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und zwei weiteren Kandidaten an.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

"Direkte Ansprache": Israels Wahlkampf in den Medien

Am Dienstag wählt Israel ein neues Parlament. Dann endet ein Wahlkampf, der von den Parteien stark über die sozialen Medien geführt wurde. Auch Israels Premier Netanjahu setzt statt auf klassische Interviews lieber auf die direkte Ansprache.

Per Mail sharen

Vor einigen Monaten startete in Israel ein ganz besonderes Programm. Der Moderator von Likud-TV begrüßte die Zuschauer. Israels national-konservative Regierungspartei sendet mit dem eigenen Kanal nur über Facebook und zum Start kam Partei- und Regierungschef Netanjahu gleich persönlich ins Studio.

Netanjahus Likud sendet aus eigenem TV-Studio

"Das Studio gefällt mir gut", sagt Netanjahu. Der Moderator freut sich und entgegnet "Es gibt Leute, die sagen, dass es Nordkorea ist." Netanjahu antwortet ohne Zögern. "Natürlich werden sie das sagen. Vergleichbar mit Nordkorea ist ja, dass ganz Israel auf Kanal 11, 12 oder 13 immer das Gleiche zu hören bekommt: die Linie der Linken. Es fällt ihnen einfach schwer zu verdauen, dass wir nicht in Nordkorea leben. Hier gibt es etwas, was es in Nord Korea nicht gibt – Facebook!"

Netanjahu gibt kaum klassische Interviews

Benjamin Netanjahu nutzt Facebook, Youtube und Twitter schon seit Jahren, um sich direkt ans Volk zu wenden. Exklusive Interviews für Israels größte Tageszeitungen oder die wichtigsten Fernsehsender gibt der Regierungschef nur selten. Netanjahus Verhältnis zu den meisten Medien ist nicht das Beste. Er unterstellt vielen Journalisten politisch links zu stehen und ihm gegenüber nicht neutral zu sein.

Korruptionsvorwürfe: Berichterstattung gekauft?

Die Korruptionsvorwürfe gegen ihn, wegen denen er angeklagt werden soll, stellt er als Verschwörung dar und wirft Teilen der Presse vor, sich an einer Hexenjagd gegen ihn zu beteiligen. Netanjahu wird unter anderem vorgeworfen, dass er versucht haben soll, positive Berichterstattung regelrecht zu kaufen, durch Absprachen mit einem Zeitungsverleger und einem Telekommunikationsunternehmer. Netanjahu wies das zurück und hob die Bedeutung der Pressefreiheit hervor.

"Die Presse ist und bleibt frei. Ich wünsche mir mehr Wettbewerb und Pluralismus." Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu

Die Vielfalt, die die sozialen Medien bieten, nutzt Netanjahu. So könne die Stimme des Likud ertönen, ohne die Filter der Medien passieren zu müssen, sagt der Premierminister. Natürlich haben direkte Botschaften über Facebook und Youtube auch den Vorteil, dass keine möglicherweise unangenehmen Fragen gestellt werden.

Social-Bots als Wahlhelfer

Die Bedeutung des Internets zum Transport politischer Botschaften ist groß im israelischen Wahlkampf. Alle wichtigen Parteien nutzen Facebook, Youtube, Twitter und Instagram. Und auch in Israel gibt es den Vorwurf, dass das Netz zu Manipulationsversuchen genutzt wird.

Wissenschaftler erklärten, ein Netzwerk von sogenannten Social-Bots entdeckt zu haben. Die Social-Media-Profile dieses Netzwerks würden positive Botschaften über Netanjahu verbreiten und negative über seine Gegner. Yuval Adam von der Organisation Big Bots Project ist einer der Autoren der Studie.

"Das nun entdeckte Netzwerk wurde von Leuten betrieben, die dem Likud nahestehen", so Adam. Die Profile würden teils von echten Personen betrieben, aber es gebe auch hunderte von Profilen, die als fiktiv anzusehen seien. Es sei auch möglich, dass eine Person zehn oder sogar hunderte unterschiedliche Profile gleichzeitig betreibe.

Netanjahu beschuldigt den Gegner

Eine direkte Verbindung zwischen dem Likud und den fiktiven Nutzerprofilen auf Twitter fanden die Experten nicht, der Likud bestritt jede Verbindung zu den Bots. Benjamin Netanjahu sagte, hinter der Studie stünden Linke, deren Plan nicht aufgehen werde.