Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Diplomatische Bemühungen und Erklärung im Fall Khashoggi | BR24

© dpa-Bildfunk

Türkische Polizisten durchsuchen das saudi-arabische Konsulat in Istanbul

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Diplomatische Bemühungen und Erklärung im Fall Khashoggi

US-Außenminister Pompeo spricht in Riad mit König Salman über den Fall des verschwundenen Journalisten Khashoggi. Berichten zufolge bereitet Saudi-Arabien eine Erklärung vor. Darin soll der Tod Khashoggis im Konsulat in Istanbul eingeräumt werden.

Per Mail sharen

US-Außenminister Mike Pompeo hat in Riad mit dem saudi-arabischen König Salman über den Fall des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi gesprochen. Pompeo war von US-Präsident Donald Trump zu dem Gespräch mit dem Monarchen entsandt worden, das Reportern zufolge rund 20 Minuten dauerte. Für den Abend war eine Unterredung zwischen Pompeo und dem Kronprinzen Mohammed bin Salman vorgesehen, der als Saudi-Arabiens starker Mann gilt. Einzelheiten wurden nicht bekannt.

Erklärung: Vernehmung aus dem Ruder gelaufen?

In dem Fall deutet sich inzwischen eine dramatische Wendung an: Nach einem Bericht des US-Senders CNN will Saudi-Arabien die Tötung Khashoggis einräumen. Eine Erklärung sei in Vorbereitung, laut der der Journalist bei einer aus dem Ruder gelaufenen Vernehmung in dem Konsulat in Istanbul gestorben sei, meldete der Nachrichtensender unter Berufung auf zwei nicht näher genannte Quellen. Gleichwohl wolle Riad aber bestreiten, dass König Salman oder Kronprinz Mohammed bin Salman die Tötung des Journalisten angeordnet hätten. Laut einem Bericht der "New York Times" will der Königshof bald die Darstellung verbreiten, dass ein Beamter der Geheimdienste - ein Freund von Kronprinz Mohammed - den Reporter getötet habe. Demnach habe der Prinz eine Befragung oder Überstellung Kashoggis nach Saudi-Arabien genehmigt, doch habe sich der Beamte beweisen wollen und sich tragischerweise als inkompetent erwiesen.

Residenz des Konsuls in Istanbul durchsucht

Unterdessen wurde bekannt, dass die türkische Polizei auch die Residenz des saudischen Konsuls in Istanbul durchsuchen wird. Wie der Staatssender TRT und der private TV-Sender NTV melden, sollen die Ermittler das Haus im Lauf des Tages betreten dürfen. In der Nacht hatten türkische Ermittler zusammen mit saudi-arabischen Kollegen in einem neunstündigen Einsatz bereits das Konsulat selbst durchkämmt. Nach Medienberichten hatten sie unter anderem Proben aus dem Garten des Konsulats mitgenommen. Die regierungsnahe Zeitung "Sabah" berichtete, das Gelände sei zudem mit Hunden abgesucht worden.

UN fordert Aufhebung der Immunität

UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet forderte derweil die sofortige Aufhebung der diplomatischen Immunität jener Vertreter Saudi-Arabiens, die mit dem Verschwinden des Journalisten in Zusammenhang stehen. Ein solcher Schritt sei "angesichts des Ernsts der Lage" nötig, sagte Bachelet in Genf.

Familie verlangt internationale Untersuchung

Die Familie des Journalisten verlangte eine internationale Untersuchung. Ein unabhängiges und objektives Team müsse die Umstände zum Verschwinden und die Berichte zur Tötung des Kolumnisten der "Washington Post" aufklären, schrieb die Familie in einer Stellungnahme.

Der in den USA lebende saudi-arabische Journalist Khashoggi hatte am 2. Oktober das Konsulat seines Landes in Istanbul aufgesucht. Er wollte Papiere für die Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten im Konsulat abholen. Seitdem fehlt von ihm jede Spur. Die türkischen Behörden gehen nach Medienberichten davon aus, dass er von einem aus Saudi-Arabien angereisten Sonderkommando getötet wurde.

Khashoggi schrieb unter anderem in der "Washington Post" kritische Artikel über sein Land. Trump hatte Saudi-Arabien mit einer "schweren Strafe" gedroht, sollte das Land für Khashoggis Tod verantwortlich sein. Washington und Riad sind traditionell eigentlich enge Verbündete.