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Diplomatin aus Bayern soll die OSZE aus der Krise führen | BR24

© picture alliance / AA | Erkin Keci

Helga Maria Schmid wird OSZE-Generalsekretärin

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    Diplomatin aus Bayern soll die OSZE aus der Krise führen

    Mit Helga Maria Schmid wird erstmals in der Geschichte der OSZE eine Frau die Organisation als Generalsekretärin leiten. Auf die deutsche Diplomatin, die aus Dachau stammt und weltweit vernetzt ist, warten schwierige Aufgaben.

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    Von
    • Hilde Stadler

    Ihr Titel Generalsekretärin bleibt gleich, doch die Organisation und die Stadt, in der sie arbeitet, ändern sich: Vom Europäischen Auswärtigen Dienst in Brüssel wechselt Helga Maria Schmid zur OSZE nach Wien.

    Nach monatelangen Verhandlungen hinter verschlossenen Türen, die manche an die Papstwahl erinnerten, verkündeten die 57 OSZE-Teilnehmerstaaten zum Abschluss ihres Ministerratstreffens heute die Berufung ihres neuen Führungsquartetts. Neben Schmid sind das: Kairat Abdrakhmanov, früherer Außenminister Kasachstans, der zum Hohen Kommissar für Nationale Minderheiten ernannt wurde; Maria Teresa Ribeiro, die ehemalige portugiesische Außenministerin, die das Amt der OSZE-Medienbeauftragten übernimmt; und Matteo Mecacci aus Italien, der künftig (als Direktor) das Büro für Demokratische Institutionen und Menschenrechte leitet.

    Hoffnung auf ein Ende der Führungskrise

    Mit ihnen, so hofft man nicht nur in der OSZE, werde die monatelange Führungskrise der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit ein Ende haben. Der Name der Organisation ist eigentlich ihr Programm. Doch sowohl die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsländern als auch die Sicherheit in den einzelnen Staaten zu gewährleisten, erwies sich in diesem Jahr der Corona-Pandemie als besonders schwierig und ist auch mancherorts gescheitert.

    Vor der neuen OSZE-Generalsekretärin liegen schwierige Aufgaben, allein im Hinblick auf die politische Lage in Berg-Karabach, in Belarus und in der Ukraine.

    "Natürlich machen die Konflikte und Krisen, die ja zum Teil im Herzen Europas liegen, meine neue Aufgabe zu einer Herausforderung", so Schmid. "Es geht aber auch darum, den Blick zu schärfen, damit wir auch die Entstehung neuer Krisen verhindern. Dafür hat die OSZE viele sehr gute Instrumente, die wir gemeinsam nutzen können. Ich will den jeweiligen Vorsitz dabei tatkräftig unterstützen."

    Diplomatischer Drahtseilakt und viele potentielle Fallstricke

    Nach Einschätzung der Wiener Journalistin Stephanie Liechtenstein, die sieben Jahre in der OSZE arbeitete, auch im Generalsekretariat, wollen viele OSZE-Staaten vor allem eine gute Verwalterin im Wiener OSZE-Sitz haben und weniger eine Persönlichkeit, die politisch zu aktiv wird. Für die OSZE-Generalsekretärin bedeute das einen diplomatischen Drahtseilakt mit vielen potentiellen Fallstricken.

    "Oft kommt es einfach darauf an, wie man etwas sagt, und nicht, ob man es sagt", meint Liechtenstein. "Hier bringt Helga Schmid mit ihrer enormen Erfahrung sicher viel Fingerspitzengefühl mit, wie sie auch bei den intensiven Verhandlungen mit dem Iran um den Atomdeal bewiesen hat. Derartige Verhandlungen sind nur mit viel politischem Verständnis, Durchsetzungsvermögen und sehr viel Geduld zu meistern."

    Für Außenminister Heiko Maas ist Helga Schmid für den Posten der OSZE-Generalsekretärin "bestens geeignet". "Mit ihrer langjährigen Führungserfahrung, ihrem außerordentlichen Verhandlungsgeschick und ihren tatkräftigen Beiträgen zur internationalen Krisenprävention gestaltet sie seit Jahren multilaterales Handeln in Europa - und darüber hinaus", so Maas

    Die Hartnäckigkeit der "Tüpfelhyäne"

    Helga Schmid, die in vier Tagen ihren 60. Geburtstag feiert, ist gebürtige Dachauerin. Sie studierte in München und Paris die Fächer Anglistik, Romanistik und Literatur sowie Geschichte und Politik. Als Diplomatin im Auswärtigen Amt war sie unter anderem tätig für die damaligen Außenminister Klaus Kinkel und Joschka Fischer.

    Fischer nannte einst seine politische Beraterin Helga Schmid "Tüpfelhyäne" – im positiven Sinn – da beide sich durch Hartnäckigkeit auszeichnen würden.

    "Er hat das damals nett gemeint – und ich bin in der Tat sehr hartnäckig, wenn es um die Durchsetzung von Positionen oder die Interessen meiner Mitarbeiter geht", meint Schmid. "Um aber am Ende zu einem Konsens zu kommen braucht man neben Hartnäckigkeit immer auch ein gutes Gespür und ein Grundverständnis für die Perzeption der anderen. Das bringe ich mit, ebenso wie ein sehr großes Netzwerk von Kontakten. Das hilft ungemein."

    Ihre guten Kontakte werden Helga Schmid als OSZE-Generalsekretärin sehr von Vorteil sein. Dass die OSZE heute mehr denn je gebraucht werde, davon sind sowohl Helga Schmid als auch die Teilnehmerländer überzeugt, wie zumindest die offiziellen Reden beim Ministerratstreffen verdeutlichten. In der Corona-Pandemie sei offensichtlich geworden, dass es keine nationalen Lösungen gebe, sondern, dass alle betroffen sind und nur durch Zusammenarbeit gewinnen könnten.

    Näher an der bayerischen Heimat

    Auf ihr neues Amt als OSZE-Generalsekretärin mit Sitz in Wien freut sich Helga Schmid sehr, wie sie sagt, denn: "Das ist einer der Vorteile an meiner neuen Aufgabe: Ich werde näher an der Heimat sein. Ich bin und bleibe Bayerin – aber ich freue mich auch auf Wien, eine der schönsten Städte, die ich kenne."

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