| BR24

 
 

Bild

Katrin Suder
© dpa-Bildfunk

Autoren

Achim Wendler
© dpa-Bildfunk

Katrin Suder

Katrin Suder war Direktorin bei einer Unternehmensberatung, bis Ursula von der Leyen sie 2014 ins Verteidigungsministerium holte. Vier Jahre war Suder dort Staatssekretärin. Im vergangenen Mai schied sie aus, auf eigenen Wunsch, hoch gelobt und ausgezeichnet mit dem Ehrenkreuz in Gold. Jetzt hat Suder wieder eine mehr oder weniger politische Aufgabe übernommen: Sie wird Vorsitzende des Digitalrats, den das Bundeskabinett heute einsetzt.

Deutschland hat bei der Digitalisierung Handlungsbedarf

Die 46-jährige Suder teilt den digitalen Wandel in zwei Stränge: Es gebe zwangsläufige Veränderungen, die im Sinne der Menschen gesteuert werden müssten. Und es gebe Bereiche, "in denen wir noch sehr aktiv gestalten können". Das kann man als Hinweis darauf verstehen, dass Suder die Lage ähnlich sieht wie die Politiker, die sie beraten soll. Dass Deutschland beim digitalen Wandel international hinterher hinkt, bestreitet kaum jemand. Man wisse, dass Vorhaben schneller umgesetzt und Ergebnisse erzielt werden müssten, heißt es in der Regierung.

Es hapert an der Umsetzung

Dorothee Bär, die für Digitalisierung zuständige Staatsministerin im Kanzleramt, beschrieb die Lage kürzlich mit den Worten, Deutschland habe kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Kanzlerin Merkel sagte nun bei der Ankündigung des Digitalrats: "Wir brauchen nicht nur Rat und Tat, sondern wir brauchen auch Menschen, die uns antreiben, die uns unbequeme Fragen stellen." Dass sie mit der Geschwindigkeit des digitalen Wandels nicht zufrieden ist, hatte Merkel in den vergangenen Jahren öfters durchblicken lassen.

Hochkarätige Besetzung des Digitalrats

Deshalb besteht der Digitalrat, wie es in der Regierung heißt, aus "Machern". Aus Leuten wie Katrin Suder. Da ist zum Beispiel der Schweizer Urs Gasser, Professor in Harvard und Gastprofessor unter anderem in Japan. Oder Stephanie Kaiser, Gründerin und Geschäftsführerin von "Heartbeat Labs", einer Berliner Firma, die Digital-Unternehmen im Bereich Gesundheit entwickelt. Oder der Österreicher Viktor Mayer-Schönberger, Professor in Oxford. Oder Beth Simone Novack, Professorin in New York und seinerzeit Beraterin von Barack Obama. Insgesamt besteht der Digitalrat aus vier Frauen und sechs Männern.

Sie werden nach der heutigen Kabinettssitzung erstmals zusammenkommen und sich Fahrplan sowie Arbeitsweise überlegen. Auftrag ist es, der Regierung in den nächsten Jahren in wesentlichen Bereichen des digitalen Wandels zu helfen: Beim Ausbau der digitalen Infrastruktur, bei der digitalen Bildung, beim Aufbau eines Bürgerportals und einer Strategie für die Künstliche Intelligenz.

Kritik von der FDP: Weiteres Gremium nur "Ablenkungsmanöver"

Ein Monopol auf Beratungsdienste hat der Digitalrat nicht. Es gibt bereits den IT-Rat der Bundesregierung, den IT-Planungsrat, das Digitalkabinett, die Daten-Ethikkommission. Deshalb hat der Digitalisierungsexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Manuel Höferlin, nur Spott übrig für das neue Gremium: Er sieht im Digitalrat nur ein "weiteres Ablenkungsmanöver". Die Regierung wolle der Öffentlichkeit "vorgaukeln", dass die Digitalisierung mit Hochdruck gestaltet würde.