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Digitalisierung bedroht Jobs von Blinden | BR24

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Die Digitalisierung - das Tor zur Welt. Eine Gruppe wird dabei offenbar vergessen. Sehbehinderte und Blinde fürchten, im Job abgehängt zu werden, weil Barrierefreiheit nicht mitgedacht wird. Amerikanische Firmen sind da weiter.

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Digitalisierung bedroht Jobs von Blinden

Die Digitalisierung - das Tor zur Welt. Eine Gruppe wird dabei offenbar vergessen. Sehbehinderte und Blinde fürchten, im Job abgehängt zu werden, weil Barrierefreiheit nicht mitgedacht wird. Amerikanische Firmen sind da weiter.

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Stefan ist von Geburt blind, seit 20 Jahren arbeitet er. Er kann ohne Probleme mit seinem Handy und Blindenstock durch die Stadt navigieren. Wo es aber immer schwieriger wird für ihn: Bei seiner Arbeit in einer Behörde. Eigentlich würde er gerne mehr leisten, beruflich weiterkommen.

"Man bleibt einfach stehen. Das ist wie ein Schmetterling der eine schöne Blume sieht und nicht kapiert, dass eine Glasscheibe dazwischen ist. Man rennt immer gegen eine unsichtbare Wand." Stefan, sehbehinderter Arbeitnehmer

Die unsichtbare Wand ist in seinem Fall die Software. Sie wird immer komplexer und es wird kaum darauf geachtet, dass auch Sehbehinderte mit der Software arbeiten können.

Digitale Barrierefreiheit: Blinde brauchen geeignete Software

Barrierefreiheit heißt das Zauberwort. Es bedeutet nicht nur, dass Rollstuhlfahrer Aufzüge brauchen oder Blinde wegweisende Linien am Boden. Nein, die Barrierefreiheit zieht sich auch ins digitale Leben: auf den Computer, auf den Arbeitsplatz.

Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund beobachtet seit langem, dass bei der Digitalisierung die Anforderungen von Blinden und Sehbehinderten nicht mitgedacht werden.

"Wir haben Hinweise darauf, dass gerade bei der öffentlichen Hand Software eingekauft wird, die nicht von vornherein barrierefrei ist." Steffen Erzgraber, Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund

Arbeitswelt 4.0: Digitalisierung bedroht Jobs von Blinden

Steffen Erzgraber kennt wie viele andere Blinde die Angst, von der schnellen Digitalisierung beruflich abgehängt zu werden. Daran ändert offenbar auch das soeben novellierte Behindertengleichstellungsgesetz nichts.

Es schreibt unter anderem vor, dass spätestens bis zum 23. Juni 2021 Webseiten, Apps, Intranet und elektronische Abläufe in den öffentlichen Stellen des Bundes barrierefrei sein sollen.

Kritik am neuen Behindertengleichstellungsgesetz

Doch für die Vertreter der Sehbehinderten geht die Richtlinie nicht weit genug und es fehlt die Verpflichtung privater Unternehmen. Dabei machen laut Erzgraber amerikanische Unternehmen vor, dass es geht.

"Sowohl Apple als auch Microsoft haben Vorkehrung für Barrierefreiheit standardmäßig eingebaut." Steffen Erzgraber, Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund

Den Stellenwert der digitalen Barrierefreiheit in der Politik kann man auch an einem Detail ablesen: Das PDF-Dokument des Behindertengleichstellungsgesetzes stand auf der Seite des Bundesrats zum Herunterladen, aber: es war nicht barrierefrei gestaltet. Die Menschen, die es betrifft, konnten es nicht lesen.