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Atlantiküberquerung: Greta Thunberg segelt zum UN-Klimagipfel | BR24

© picture alliance/Piovanotto Marco/ABACA

Greta Thunbergs Skipper und Kapitän ist der Segelprofi Boris Herrmann

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    Atlantiküberquerung: Greta Thunberg segelt zum UN-Klimagipfel

    Greta Thurnberg segelt zum UN-Klimagipfel nach New York - von Schweden über den Atlantik, zwei Wochen lang. Ihr Skipper und Kapitän ist der norddeutsche Segelprofi Boris Herrmann. Und die Reise wird alles andere als komfortabel.

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    Seine Wassersportwiege ist das ostfriesische Wattenmeer, sein Arbeitsplatz sind die Weltmeere: Der Oldenburger Segelprofi Boris Herrmann strebt dem Gipfel seiner Karriere entgegen, er will als erster Deutscher an der härtesten Regatta der Welt teilnehmen. Die Vendée Globe führt ihre Herausforderer unter Segeln solo, nonstop und ohne Hilfe von außen in unter 80 Tagen um die Welt.

    Greta Thunberg kommt mit dem Segelboot zum UN-Klimagipfel

    Herrmann und sein Co-Skipper, Segelfreund und Förderer Pierre Casiraghi, werden die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg voraussichtlich ab dem kommenden Mittwoch von einem Hafen im Süden Englands aus über den Atlantik bringen.

    Greta, der Segelprofi, der Filmemacher und Papa Svante

    Der genaue Start hängt vom Wetter ab. An Bord werden sich neben Herrmann, Casiraghi und Thunberg auch ihr Vater Svante sowie der Filmemacher Nathan Grossman befinden, der die große Reise über den großen Teich dokumentieren will. Etwa zwei Wochen lang werden sie mit der "Malizia" unterwegs sein. In Übersee warten auf die Schwedin dann unter anderem der UN-Klimagipfel in New York im September sowie die Weltklimakonferenz in Chile im Dezember.

    Greta Thunbergs erster Segeltörn: Keine Angst vor der Atlantik-Überquerung

    Was nach großem Abenteuer klingt, ist für Herrmann auch eine große Verantwortung. Für Thunberg ist es der erste Segeltörn ihres Lebens - ein krasserer Einstieg als der Transatlantik-Törn auf Herrmanns 18 Meter langem Kohlefaser-Geschoss ist kaum vorstellbar. Doch der deutsche Segelprofi hat schon drei Weltumseglungen mit Profi-Crews absolviert und mehr als eine Viertelmillion Seemeilen Erfahrung im Kielwasser. Angst vor der Verantwortung für seinen prominenten Passagier hat Herrmann deshalb nicht, wie er sagt. "Ich habe sie gefragt, ob sie Angst hat. Sie hat mit klarem Nein geantwortet."

    Kaum Platz unter Deck – aber Solarpaneelen und Unterwasserturbinen

    Thunberg fliegt nicht, weil Flugreisen immense Mengen an Treibhausgasen ausstoßen. Deshalb hatte sie länger nach einer klimaschonenderen Alternative für die Reise nach Amerika Ausschau gehalten. Bei der "Malizia" wurde sie fündig, wie sie Ende Juli bekanntgab. Die High-Tech-Jacht ist mit Solarpaneelen und Unterwasserturbinen ausgestattet, mit denen der an Bord benötigte Strom erzeugt wird. Viel Komfort bietet sie dagegen nicht - letztlich ist sie für Hochseerennen ausgestattet. Unter Deck ist kaum Platz. "Eine Rennjacht ist nie komfortabel, sondern bietet im Bestreben um Leichtigkeit nur die minimalste Ausstattung", erzählt Herrmann.

    Keine Toiletten, keine Betten und bei Sturm wird es ruppig

    Toiletten gebe es an Bord keine, statt Betten nur zwei Rohrkojen. Es wird laut und unbequem für Thunberg, bei Sturm auch ruppiger. Ob die junge Schwedin aktiv mitsegelt, ließ Herrmann offen: "Ich werde ihr gerne alles zeigen und erklären und sehen, inwieweit sie Lust hat zu lernen." Er könne sich vorstellen, dass sie wegen ihres Klimabewusstseins eine starke Neugier für Wetter und Navigation mitbringe.

    Thunbergs Kapitän war schon als Baby auf dem Segelboot

    Anders als Thunberg saß Herrmann schon als Baby auf einem Segelboot: Im Alter von sechs Wochen nahmen ihn seine Eltern mit auf ihre kleine Familien-Fahrtenjacht. Später erkundete der Vater mit ihm erst das Wattenmeer hinter den Ostfriesischen Inseln, dann die Nordsee und in den Schulferien auch skandinavische Gefilde. Das Seemannsherz habe er von Zuhause mitbekommen, sagt er. Deutschlands erfolgreichster Segler Jochen Schümann urteilt über ihn: "Boris weiß, was er will."

    Boris Hermann ist Segelprofi und Umweltschützer

    Selbst steuern lernte Herrmann klassisch in der Kinderjolle Optimist. Bei seiner Mini-Transat-Premiere als jüngster und einziger deutscher Regattateilnehmer machte ihm kurz nach der Jahrtausendwende und dem bestandenen Abitur Platz elf Lust auf mehr Meer. Parallel studierte er Wirtschaftswissenschaften. Seine Diplomarbeit schrieb er über "Nachhaltiges Management", obwohl "das damals noch nicht so hoffähig war und einen alle ausgelacht haben".

    America's-Cup-Gewinner Schümann hat Hermann gefördert

    Doch Herrmann blieb beharrlich, im Umweltinteresse wie im Segelsport. Auch der dreimalige Olympiasieger und zweimalige America's-Cup-Gewinner Schümann half, indem er den jungen Herrmann vor Jahren als Nachwuchs-Navigator in seine Crew holte. "Boris sollte damals lernen, lernen, lernen. Er begriff zügig, setzte das Gelernte gut um und kam auch in den Genuss süßer Siege."

    Hermann: „Das zeigt, wie weit Greta für ihre Botschaft bereit ist, zu gehen“

    Nun folgt also der Törn mit Thunberg. "Sie ist bereit, das Unbekannte und ein Stück weit auch Unkontrollierbare für ihre Mission in Kauf zu nehmen. Das zeigt, wie weit Greta für ihre Botschaft bereit ist, zu gehen", sagt Herrmann. Gefahr bestehe für sie keine, sagt auch die Britin Dee Caffari, die die Welt als erste Frau in beiden Richtungen nonstop und solo umsegelt hat. In einer Botschaft an Thunberg schrieb sie: "Du bist bei Boris in guten Händen, also genieße die Reise."

    Fridays for Future

    Das Engagement der Klimaktivistin Greta Thunberg hat in der ganzen Welt ein Echo gefunden. So gibt es bei uns die Aktion Fridays for Future. Schüler streiken für den Klimawandel und gehen demonstrieren.