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EU-Parlament stimmt für Ende der Zeitumstellung ab 2021 | BR24

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Das EU-Parlament hat für die Abschaffung der Zeitumstellung ab dem Jahr 2021 gestimmt. Ob in Deutschland künftig die Sommer- oder die Winterzeit gilt, wird wahrscheinlich erst im Herbst beschlossen. Kritiker befürchten ein "Zeitzonen-Chaos".

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EU-Parlament stimmt für Ende der Zeitumstellung ab 2021

Das EU-Parlament hat für die Abschaffung der Zeitumstellung ab dem Jahr 2021 gestimmt. Ob in Deutschland künftig die Sommer- oder die Winterzeit gilt, wird wahrscheinlich erst im Herbst beschlossen. Kritiker befürchten ein "Zeitzonen-Chaos".

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Die Gegner der Zeitumstellung können aufatmen: Zukünftig muss niemand mehr an der Uhr drehen. Dafür hat sich das Europäische Parlament in Straßburg ausgesprochen. Was bedeutet das Ende der Zeitumstellung für Deutschland? Für immer Sommer- oder ewige Winterzeit?

Lange Dunkelheit oder Ende der langen Sommerabende

Die in Deutschland geltende normale Mitteleuropäische Zeit (MEZ) wird häufig "Winterzeit" genannt. Eine "Winterzeit" im engeren Sinne gibt es nicht: Wenn die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) endet, herrscht einfach wieder die Normalzeit, die MEZ. Diese galt als einzige Zeit in Deutschland bis zur Einführung der Sommerzeit im Jahr 1980. Die Europäische Union vereinheitlichte die Sommerzeit im Jahr 1996.

Würde schon dieses Jahr die ewige Sommerzeit gelten, ginge zum Beispiel in Frankfurt am kürzesten Tag des Jahres, am 22. Dezember, die Sonne erst um etwa 9.20 Uhr auf. Davor: Dunkelheit und Schummerlicht.

Bei einer ewigen Winterzeit hingegen verschwände die Sonne am längsten Tag des Jahres, am 21. Juni, schon etwa um 20.40 Uhr hinterm Horizont, statt um zwanzig vor zehn. Das würde bedeuten: Schluss mit den scheinbar langen lauen Sommerabenden.

Abstimmung ist nur erster Schritt

Die Abstimmung im EU-Parlament ist ein erster Zwischenschritt auf dem langen Weg zu einem möglichen Kompromiss. In Mitteleuropa gibt es im Moment nur eine große Zeitzone von Polen bis Spanien, zu der Deutschland und 16 weitere EU-Länder gehören. Würde für alle 17 Staaten die dauerhafte Sommerzeit gelten, hieße das für den Westen Spaniens Dunkelheit bis kurz nach 10 Uhr. Bei einer dauerhaften Winterzeit würde in Warschau im Sommer die Sonne schon gegen 3.15 Uhr aufgehen.

Sorge vor Zeiten-Chaos in EU

Einige EU-Parlamentarier befürchten deshalb einen Flickenteppich an verschiedenen Zeitzonen in Europa. "Es wäre misslich, wenn man bei einer Fahrt von Norddeutschland über die Niederlande und Belgien nach Frankreich dreimal die Uhr umstellen muss", erklärten vor kurzem die CDU-Abgeordneten Peter Liese und Dieter Koch. Beide sprechen sich dennoch für ein Ende der Zeitumstellung aus.

Auch Vertreter der deutschen Industrie warnten unmittelbar vor der Abstimmung des Europaparlaments vor einem Chaos von Zeitzonen in Europa. "Das Vorhaben birgt erhebliche Risiken für die vernetzten wirtschaftlichen Abläufe auf unserem Kontinent", teilte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) am Dienstag mit. Davon betroffen wären vor allem Teile der Logistikbranche und der Luftfahrt. Unternehmen seien auf EU-weit einheitliche Regelungen angewiesen, so der BDI. Für viele Unternehmen ist die Zeitumstellung auch mit einem hohen Aufwand verbunden - beispielsweise bei Verkehrsbetrieben, die ihren Fahrplan zweimal im Jahr anpassen müssen.

Dauerhaftes Ende der Zeitumstellung frühestens 2021

Die EU-Verkehrsminister wollen kein zu schnelles Ende der Zeitumstellung. Frühestens 2021 sollen in Europa dauerhaft Sommer- oder Winterzeit gelten. Um den gefürchteten Flickenteppich zu vermeiden, will der Verkehrs-Ausschuss einen «Koordinierungsmechanismus» mit Vertretern von Kommission und Mitgliedsstaaten einrichten. Sie sollen eine möglichst einheitliche Regelung für die Mitgliedstaaten erarbeiten.

Das nächste Treffen zwischen den Ministern zu diesem Thema soll nach den Europawahlen im Juni stattfinden. Am Ende müssen die Politiker jedoch einen Kompromiss für alle EU-Länder finden. Damit wird nicht vor Herbst 2019 gerechnet - bevor es zu Verhandlungen kommt, muss sich nach den Wahlen erst das neue EU-Parlament konstituieren.

Zeitumstellung wurde eingeführt, um Energie zu sparen

Von der Zeitumstellung erhoffte man sich bei ihrer Einführung 1996 ursprünglich eine bessere Ausnutzung des Tageslichts - und somit das Einsparen von Energie. Das gilt heute als umstritten. Zudem weisen wissenschaftliche Erkenntnisse darauf hin, dass manche Menschen und sogar Tiere, gesundheitlich unter dem Wechsel des geänderten Tagesrhythmus leiden.

Online-Befragung: 84 Prozent stimmten 2018 für Abschaffung

Weil das Hin- und Her zwischen den Uhrzeiten immer wieder viele Gegner auf den Plan gerufen hat, startete die EU-Kommission im vergangenen Jahr eine europaweite Online-Befragung zur Zeitumstellung. 4,6 Millionen Menschen nahmen teil, darunter rund 3 Millionen aus Deutschland. Von den Teilnehmern der Befragung forderten 84 Prozent die Abschaffung der Zeitumstellung.

Deutsche sind uneinig beim Thema Zeitumstellung

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey vom Dezember 2018 zeigte, dass die Deutschen gespalten sind, was das Drehen an der Uhr betrifft. Von den 5000 Befragten wünschten sich 40 Prozent durchgängig die Sommerzeit, 42 Prozent die Winterzeit. Zeitumstellungen favorisieren nur 14 Prozent - wohl auch, weil sie in den Schlaf-Wach-Rhythmus eingreifen.

In der Nacht zu Sonntag ist es erstmal wieder so weit: In der Nacht von Samstag auf Sonntag wird die Uhr wieder um eine Stunde, auf die Sommerzeit vorgestellt. Dann heißt es zunächst wieder für viele Deutsche: im Dunkeln aufstehen.