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Die langsame Rückkehr zur Meisterpflicht | BR24

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Vor einigen Jahren hat die Bundesregierung den Meisterbrief für viele Handwerksberufe abgeschafft - um die Konjunktur anzukurbeln. Heute nun die Rolle rückwärts. Ab sofort gilt in zwölf Berufen wieder die Meisterpflicht.

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Die langsame Rückkehr zur Meisterpflicht

Die Bundesregierung will die Meisterpflicht in zwölf Berufsgruppen wieder einführen. Handwerksverbände fordern das schon seit Jahren. Nun hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier einen Gesetzentwurf durchs Kabinett gebracht.

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Es geht etwa um Fliesenleger, Parkettleger und Orgelbauer. Viele Handwerksberufe haben derzeit keine Meisterpflicht. Das will die Große Koalition für einige Berufsgruppen ändern, um das Handwerk aufzuwerten. Außerdem soll dadurch das Nachwuchsproblem gelöst werden. Das Kalkül: Mehr Meister würden wieder mehr Lehrlinge ausbilden. Für die Auswahl der zwölf Gewerke gab es zwei Kriterien.

Erstes Kriterium: Gefahr für Leben und Gesundheit

Es muss sich um ein Handwerk handeln, dessen unsachgemäße Ausübung eine "Gefahr für Leben und Gesundheit“ bedeutet. Beispielhaft dafür steht aus Sicht des Bundeswirtschaftsministeriums der Fliesenleger. Der Mitarbeiter selbst sei Gefahrstoffen wie Asbest ausgesetzt. Zudem könnten seine Fehler an Orten wie Operationssälen, Schwimmbädern oder Seniorenunterkünften schlimme Konsequenzen haben.

Zweites Kriterium: immaterielles Kulturgut

Es sollten auch Handwerke berücksichtigt werden, die als "immaterielles Kulturgut“ anzusehen seien – wie etwa die Arbeit der Orgelbauer oder Holzspielzeugmacher. Dabei umfasse der Tätigkeitsbereich außerdem die "Restaurierung historischer Möbel oder Bauteile, von Kunstgegenständen in Kirchen, historischen Bauten und Museen“, erklärt das Wirtschaftsministerium.

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Die Bundesregierung will die Meisterpflicht in zwölf Berufsgruppen wieder einführen. Handwerksverbände fordern das schon seit Jahren. Nun hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier einen Gesetzentwurf durchs Kabinett gebracht.

Lob aus dem Handwerk

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte nach der Entscheidung des Kabinetts: "Der Qualitätsstandard ‚Meister‘ steht im deutschen Handwerk für Qualitätsarbeit, Verbraucherschutz, Leistungsfähigkeit und Innovationskraft. Die Meisterpflicht macht Handwerksberufe zudem attraktiv für junge Menschen und ist die Voraussetzung für duale Ausbildungsleistung und Nachwuchsförderung.“

Dass die Meisterpflicht in einige Berufsgruppen wieder zurückkehren soll, dafür gab es überwiegend Lob. Vor allem von den Handwerksverbänden.

"Es ist wichtig, dass die Politik diese Fehlentwicklung erkannt hat und bereit ist, sie zu korrigieren." Präsident des Bayerischen Handwerkstages, Franz Xaver Peteranderl

Kritik kam von der Monopolkommission. Die Mitglieder beraten die Bundesregierung. Sie sehen keinen Zusammenhang zwischen Qualität und Meisterzwang.

Handwerksverbände klagen über Pfuscher

Vor 15 Jahren hatten 53 von 94 Handwerksgewerken die Meisterpflicht verloren. Mit der Reform wollte die Regierung damals - in Jahren hoher Arbeitslosigkeit - Anreize zur Selbstständigkeit setzen. Das hat zwar funktioniert. Allerdings klagten zuletzt die Handwerksverbände, dass auch – so wörtlich – Pfuscher einen Betrieb gründen könnten und die Qualität deshalb gesunken sei.

Selbstständige müssen Meisterprüfung nicht nachholen

Im Gesetzentwurf steht eine wichtige Ausnahmeregelung für Selbstständige: "Sie dürfen auch weiterhin ihr Handwerk selbstständig ausüben und erhalten insoweit Bestandsschutz." Wenn also zum Beispiel ein Fliesenleger von der Abschaffung der Meisterpflicht profitiert und sich selbstständig gemacht hat, muss er die Meisterprüfung nicht nachholen.

💡 Die Zulassungspflicht wird in folgenden Handwerken wieder eingeführt:

  1. Fliesen-, Platten- und Mosaikleger
  2. Betonstein- und Terrazzohersteller
  3. Estrichleger
  4. Behälter- und Apparatebauer
  5. Parkettleger
  6. Rollladen- und Sonnenschutztechniker
  7. Drechsler und Holzspielzeugmacher
  8. Böttcher
  9. Raumausstatter
  10. Glasveredler
  11. Orgel- und Harmoniumbauer
  12. Schilder- und Lichtreklamehersteller

Der selbstständige Betrieb eines künftig zulassungspflichtigen Handwerks ist dann nur noch zulässig, wenn ein Betriebsleiter in der Handwerksrolle eingetragen ist. Eingetragen in die Handwerksrolle wird, wer die Voraussetzungen der §§ 7 ff. der Handwerksordnung erfüllt, d.h. insbesondere die Meisterprüfung in dem Handwerk bestanden oder eine sonstige Ausübungsberechtigung für das Handwerk erhalten hat. Für die bestehenden Betriebe, die die künftigen Voraussetzungen nicht erfüllen, gilt ein Bestandsschutz.