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Die Jagd nach dem Impfstoff gegen Covid-19 | BR24

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Das Rennen zum Impfstoff und der Wahlkalender

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Die Jagd nach dem Impfstoff gegen Covid-19

Die USA sind nach wie vor das Land, das am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen ist. Verständlich also, dass dort auch der Wunsch nach einem Impfstoff besonders groß ist. Vor allem seitens des Präsidenten.

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Der US-Präsident Donald Trump hofft, dass schon vor dem Wahltermin im November ein neuer Impfstoff gegen Corona gefunden wird. Gesundheitsexperten fürchten allerdings, dass Trump nicht nur auf einen Impfstoff hofft, sondern ihn auch zulassen könnte, bevor Sicherheit und Wirksamkeit erwiesen sind.

Trump zeigt sich zuversichtlich

Freitagmittag im Oval Office: US-Präsident Trump sitzt mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić und dem Premierminister des Kosovo, Avdullah Hoti, zusammen. Es geht um die Verbesserung der Beziehungen. Auf eine Reporter-Frage ist Trump ganz schnell bei einem seiner Lieblingsthemen: einem Impfstoff gegen Covid-19: "Ich glaube, die Impfstoffe werden schon sehr bald angekündigt werden."

Gerade erst habe er mit dem Chef des Pharmakonzerns Pfizer telefoniert, auch mit Johnson & Johnson und mit Moderna sei er ständig in Kontakt. Alle drei US-Firmen haben einen potentiellen Impfstoff in der letzten und entscheidenden Phase der klinischen Studien. Bei einer Pressekonferenz am Abend wird Trump konkreter: Irgendwann im Oktober könnte es soweit sein.

Der Präsident drängelt, und seine oberste Seuchenbehörde, die Centers for Disease Control (CDC), springt. Diese Woche forderte die CDC die Gesundheitsbehörden im ganzen Land dazu auf, dringend Pläne für die Verteilung eines Impfstoffs zu machen. Und zwar bis zum 1. Oktober. Das sei der frühestmögliche Termin für die Freigabe eines Impfstoffs.

Ein Impfstoff schon in einem Monat?

Amerikas Top-Virologe Anthony Fauci, Mitglied in der Pandemie-Taskforce des Präsidenten, ist da skeptisch: "Das ist unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Die meisten gehen davon aus, dass es November oder Dezember wird."

Gesundheitsexperten fürchten: Das Weiße Haus könnte die Arzneimittelbehörde FDA zwingen, eine Notzulassung für einen Impfstoff zu erteilen bevor die Studien abgeschlossen sind. Amy Compton-Phillips, ärztliche Direktorin des Krankenhaus-Konzerns Providence, sagte bei CNN: "Die Leute hier machen sich große Sorgen, dass der Prozess unterminiert wird aus politischen Gründen."

Die Sorge scheint begründet: Im Frühjahr hatte Trump das Rheuma-Medikament Hydroxychloroquin als Mittel gegen Covid-19 wärmstens empfohlen. Die FDA erteilte erst eine Notzulassung, um sie kurz darauf zurückzuziehen - und stattdessen vor der Therapie zu warnen. Auch für die Behandlung mit Plasma mit den Antikörpern von Genesenen erteilte die FDA jetzt eine Ausnahme, obwohl auch hier Experten die Wirksamkeit bezweifeln.

Impfstoff entscheidend auch für die Wahl

Beim Impfstoff aber werde Politik keine Rolle spielen, verspricht Behördenchef Stephen Hahn bei CNN. Aber er macht auch klar, unter welchem Druck er steht: Gefragt, ob er notfalls auch zurücktreten werde, sagt Hahn: "Alle Optionen sind auf dem Tisch. Aber wir hoffen nicht, dass es dazu kommt."

Top-Virologe Fauci bemüht sich, den Amerikanern die Sorge zu nehmen, dass beim Thema Impfstoff der Wahltermin eine größere Rolle spielen könnte als die Wissenschaft. Laut einer Umfrage fürchten das fast 80 Prozent der Bevölkerung. "Ich würde annehmen und gehe auch davon aus, dass kein Impfstoff zugelassen wird, der nicht sicher und effektiv ist."

Und selbst der Chef des Pharma-Unternehmens Pfizer, Albert Bourla verspricht: "Die Zulassung wird erst beantragt, wenn der Konzern überzeugt ist, dass der Impfstoff sicher und wirksam ist". Aber auch er rechnet schon im Oktober mit entsprechenden Ergebnissen.

Über 600 Millionen Dosen sind geordert

Die Trump-Regierung hat schon für fünf Milliarden Dollar Impfstoff bei verschiedenen Herstellern in aller Welt vorbestellt: über 600 Millionen Dosen. Für die Auslieferung soll das Militär eingespannt werden.

Und Trump brüstet sich schon jetzt: Die Pharma-Chefs hätten ihm alle gesagt, wenn es ein typischer Präsident wäre, dann würden solche Zulassungen zwei oder drei Jahre dauern. "Aber wenn es nach uns geht, dann sind sie kurz davor, richtige große Neuigkeiten zu verkünden", so Trump.

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