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Die Helden des Alltags in der Coronakrise | BR24

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Während sich gerade so viele Arbeitende wie möglich ins Home-Office zurückziehen sollen, gibt es Berufe, bei denen das nicht geht. Report München haben sie begleitet.

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Die Helden des Alltags in der Coronakrise

Homeoffice in der Corona-Zeit, das geht nicht in allen Berufen und Ehrenämtern. Report München hat Menschen begleitet, ohne die im Moment alles zusammenbrechen würde – die Helden der Corona-Krise.

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Von
  • Irini Bafas
  • Benedikt Nabben

Das Altenheim St. Klara in Altötting befindet sich wegen des Coronavirus seit Wochen im Ausnahmezustand. Die rund 100 Seniorinnen und Senioren verlassen nur noch selten ihre Zimmer, das Gebäude ist nahezu abgeriegelt. Besuche von Angehörigen sind verboten, die Kontakte auf das nötigste Minimum reduziert.

"Wir haben, soweit das möglich ist, mit den Bewohnern sehr viel gesprochen. Da herrscht natürlich große Sorge zum Teil. Menschen mit Demenz, die jetzt die Dimension des Ganzen nicht erfassen können, spüren, dass etwas in der Luft liegt. Und wir haben sehr viele Angehörigengespräche geführt." Georg Sigl-Lehner, Altenheim-Leiter

Auch für die Pflegerinnen und Pfleger ist diese neue Situation belastend. Sie übernehmen jetzt auch Aufgaben, die sonst die Angehörigen erledigen, etwa die verstärkte psychologische Betreuung. Außerdem müssen die Pflegekräfte auch im privaten Umfeld extrem vorsichtig sein, um das Virus nicht aus Versehen ins Heim zu schleppen. Denn der gegenwärtige Vorrat an Schutzausrüstung würde bei einem Ausbruch des Coronavirus im Haus nur wenige Tage reichen. Schutzmasken etwa seien auf dem freien Markt kaum noch verfügbar, sagt Heimleiter Sigl-Lehner. Auch die passenden Schutzanzüge, Schutzhauben und weitere Materialien seien derzeit knapp.

Virtuelle Besuche im Altenheim

In Altötting ist die Zahl der Corona-Infizierten in der vergangenen Woche rasant gestiegen. In anderen Orten, etwa in Würzburg, ist das Coronavirus schon in die ersten Altenheime gelangt. Georg Sigl-Lehner rechnet mit dem Schlimmsten.

"Das ist schon eine Katastrophe, was da gerade abläuft. Umso größer müssen unsere Anstrengungen sein, hier entgegenzuwirken, soweit es geht. Wir sind uns auch fast schon sicher: Das ist nicht eine Frage des Ob, sondern des Wann. Wann haben wir den ersten bestätigten Fall hier in der Einrichtung?" Georg Sigl-Lehner, Altenheim-Leiter

Damit die Seniorinnen und Senioren im St. Klara aber nicht komplett abgeschottet werden, probiert der Heimleiter jetzt etwas Neues aus: virtuelle Besuche. Dafür hat er zwei iPads bestellt, über die die Bewohnerinnen und Bewohner per Videotelefonie aus ihren Zimmern Kontakt mit ihren Familien halten können. "Dadurch erhoffen wir uns eine große Entlastung", sagt Sigl-Lehner.

Ehrenamtliche halten die Tafel am Leben

Bei der Regensburger Tafel ist gerade so viel los wie noch nie. Die Ehrenamtlichen wissen gar nicht, wohin mit so vielen Lebensmitteln. Und das in einer Zeit, in der eine Tafel nach der anderen wegen des Virus schließt. Denn durch die vielen Hamsterkäufe bleibt kaum noch etwas für die Tafeln übrig. Außerdem ist das Personal oft älter und fällt in die Risikogruppe, sollte also zu Hause bleiben.

Auch in Regensburg stand die Tafel kurz vor dem Aus. Erst nach mehreren Aufrufen in der Lokalzeitung und über die sozialen Medien konnte sie vorerst gerettet werden. Jetzt bekommt die Tafel kistenweise Lebensmittelspenden von privaten Haushalten und Gastronomen, die schließen mussten. Zahlreiche junge Helferinnen und Helfer haben sich gemeldet, damit die älteren Ehrenamtlichen zuhause bleiben können.

"Ich habe jetzt fünf Wochen schulfrei. Und dann lese ich, die brauchen Hilfe, und keiner kommt hin und hilft denen. Und ich sitze daheim, bin jung und fit und mache nix. Das ist halt ein Schmarrn." Madeleine Hunley, Ehrenamtliche

Wie lange es allerdings so weitergehen wird, ist ungewiss. Denn sollte das Virus auch hier ausbrechen, ist Schluss. Bis dahin wollen sie aber weitermachen.

Versorgungssicherheit dank Lkw-Fahrern

In der Speditionsbranche ist die Arbeitsbelastung gerade extrem hoch. Die Spedition Wittwer in Eschenlohe beschäftigt 180 LKW-Fahrer, die täglich in die Risikogebiete aufbrechen, um Lebensmittel zu transportieren.

"Ohne Lkw und ohne Fahrer keine Versorgung, keine Nudeln im Regal, kein Toilettenpapier, keine Hygieneartikel und so weiter. Wir sind von der Versorgung abhängig und das merkt man dann erst einmal, wenn einmal die Versorgung knapp wird." Georg Wittwer, Spediteur

Die Spedition Wittwer hat ihre Fahrer mit Handschuhen, Mundschutz und Desinfektionsmittel ausgestattet. Denn die Hygienestandards auf den Rasthöfen Europas seien derzeit untragbar:

"Keine Restaurants, keine Duschen, keine Toiletten. Die hygienischen Bedingungen sind teilweise miserabel. Die Fahrer waschen sich aus dem Wasserkanister und das war es dann auch." Georg Wittwer, Spediteur

Unterwegs mit mulmigem Gefühl

Peter Buchwieser ist einer der Lkw-Fahrer und hat gerade eine Lieferung in der Nähe von Mailand geholt. Er sei momentan nur noch in der Kabine abgekapselt, erzählt er. Kontakt zu Kunden gebe es kaum noch, Papiere übergebe man über einen Schlitz, Essen müsse man sich selbst mitnehmen.

"Du bewegst dich halt nicht mehr. Weil du in deinen zwei Quadratmetern bist, da fühlst du dich sicher. Aber es ist trotzdem ein mulmiges Gefühl, was mitfährt." Peter Buchwieser, Lkw-Fahrer

Über eine Sache freut er sich trotzdem. "Jetzt wird der Lkw-Fahrer hochgeschätzt, jetzt weiß die Bevölkerung, was sie an uns hat", sagt er. Er hofft, dass das auch so bleibt, wenn sich der Alltag irgendwann wieder normalisiert.

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