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Deutsche Bischofskonferenz erstmals digital

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Die grössten Baustellen der katholischen Kirche

Die Deutsche Bischofskonferenz schließt heute ihre Vollversammlung ab. Erstmals in der Geschichte war das Treffen eine Online-Konferenz. Schwerpunkte: sexueller Missbrauch, massenhaft Kirchenaustritte und die Forderung nach mehr Macht für Frauen.

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Von
  • Regina Wallner
  • Irene Esmann
  • BR24 im Radio

Die Themen der Beratungen waren unter anderem der Reformprozess Synodaler Weg und die Welle von Kirchenaustritten. Auch die Auseinandersetzungen mit dem Vatikan um eine Annäherung an die evangelische Kirche wurde thematisiert. Vor allem die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester war ein zentraler Punkt auf der Tagesordnung. Viele Baustellen beschäftigen die Verantwortlichen. In der Öffentlichkeit wurden diese Themen jedoch durch die Vertrauenskrise im größten Bistum Köln überlagert.

Bischof Woelki hält Gutachten unter Verschluss

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hält ein von ihm selbst in Auftrag gegebenes Gutachten unter Verschluss, das den Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs untersucht. Woelki führt dafür rechtliche Bedenken an. Er will stattdessen am 18. März ein neues Gutachten veröffentlichen lassen.

Auch andere Bischöfe haben diese Vorgehensweise scharf kritisiert. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sagte, er habe keine Handhabe gegen Woelki: "Ich muss es tolerieren, weil ich keine Möglichkeit habe, in Köln reinzugrätschen."

Gudrun Lux fordert mehr Macht für Frauen

Gudrun Lux ist 40 Jahre alt, kirchlich sozialisiert, seit ihrer Kindheit aktiv in katholischen Gruppen und Verbänden. Inzwischen ist sie Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken und auch im Reformprozess der katholischen Kirche. Auch beim Synodalen Weg engagiert sie sich. Inhaltlich steht sie für viele Menschen, die zwar gläubig sind, aber immer mehr Zweifel daran haben, ob diese Kirche noch eine Zukunft hat.

Ich sehe, dass selbst Leute wie ich sich sehr schwer tun, das an die Kinder weiterzugeben und diese Gemeinschaft weitertragen. Es ist eine Gemeinschaft mit so vielen Fallen und Fallstricken, mit soviel Problemen. Gudrun Lux, Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Zahllose Fälle von sexuellem Missbrauch

Seit 2010 kommen unzählige Fälle von Missbrauch und Gewalt in kirchlichen Einrichtungen ans Licht. Nach dem ersten Schock innerhalb der Institution gab es zahlreiche Entschuldigungen seitens der Bischöfe. Leitlinien und Präventionskonzepte wurden aufgesetzt. Auch eine bundesweite wissenschaftliche Untersuchung, die sogenannte MHG-Studie, wurde in Auftrag gegeben.

Kritik: Katholische Kirche lässt Missbrauchsopfer im Stich

Das Ergebnis: Eine Ahnung von der Dimension und den Ursachen für Missbrauch in der katholischen Kirche. Beanstandet wurde allerdings, dass den Wissenschaftlern ein direkter Zugang zu den Akten verwehrt blieb. Die Hauptkritik: die katholische Kirche tut sich schwer damit, Namen von Verantwortlichen zu benennen. Von Tätern und von denjenigen, die vertuscht haben.

Und sie lässt die Betroffenen hängen. Jüngstes Beispiel: Kardinal Rainer Maria Woelki. Der Erzbischof von Köln hatte schonungslose Aufklärung versprochen. Ein unabhängiges Gutachten hält er nun aber seit Monaten unter Verschluss, angeblich wegen juristischer Mängel. Ein neues Gutachten soll nun Mitte März erscheinen. Für Gudrun Lux zeigt nicht zuletzt dieser Fall, dass die Katholische Kirche mit großen Problemen zu kämpfen hat.

Einheitliche Aufarbeitung gefordert

Es braucht eine einheitliche Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der Kirche. Und das heißt über alle Bistümer hinweg. Das kann nicht sein, dass jeder Bischof wie ein Lokalfürst für sich irgendwie entscheidet, wie er es macht. Und im Moment läuft es nicht gut. Das sehen inzwischen etliche Bischöfe so. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing etwa bezeichnete die Aufarbeitung im Erzbistum Köln zuletzt als wörtlich Desaster. Er sieht aber dennoch Aufklärungswillen bei seinem Bischofskollegen. Trotzdem sind die Auswirkungen des Skandals spürbar.

Massenhaft Kirchenaustritte

Die Menschen in der größten deutschen Diözese treten derzeit scharenweise aus der katholischen Kirche aus. Bätzing geht davon aus, dass das auch auf die anderen Diözesen ausstrahlt. Immer dann, wenn etwas richtig schiefläuft in der Kirche, dann hat das Auswirkungen weit über den engeren Kreis der Verantwortlichen und eines Bistums hinaus. Das hat Auswirkungen auf die ganze katholische Kirche. Doch nicht nur der Missbrauchsskandal alleine bringt die Menschen dazu, der katholischen Kirche aktiv den Rücken zu kehren.

Gleichberechtigung von Frauen gefordert

Als Christen zweiter Klasse fühlen sich viele Frauen in der katholischen Kirche. Der Grund: Sie sind von allen Weiheämtern und damit auch von Machtpositionen ausgeschlossen. Die letzte Entscheidung liegt in einer Pfarrgemeinde immer beim Pfarrer. In einem Bistum liegt diese immer beim Bischof. Ein Zustand, den die Reformbewegung Maria 2.0 anprangert. Zuletzt am Sonntag sehr öffentlichkeitswirksam: Zwei Frauen haben - frei nach Martin Luther- sieben Thesen an die Kirchentüren geschlagen.

Wenn da jetzt nichts mehr rauskommt, dann können wir es auch sein lassen. Gudrun Lux

Die Frauenbewegung Maria 2.0 setzt sich für eine moderne Kirche ein, eine Kirche mit flachen Hierarchien und Gleichberechtigung. Alles Forderungen, die auch Gudrun Lux seit vielen Jahren unterstützt.

© B5 aktuell
Bildrechte: BR/Julia Müller

Sabine Strasser im Interview mit Tilmann Kleinjung, BR-Kirchenexperte

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