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Der Chip auf einer Gesundheitskarte

Sie soll ein großer Wurf werden und den Eintritt der guten alten Plastikkarte ins digitale Zeitalter ebnen. Bis jetzt hat die elektronische Gesundheitskarte schon 1,2 Milliarden Euro an Entwicklungskosten verschlungen. Auf der eGK, elektronischen Gesundheitskarte, werden ab dem 1. Januar 2019 neben den Stammdaten wie Name, Geburtsdatum, Anschrift, Versichertennummer und Versichertenstatus auch, wenn der Patient zustimmt, Notfalldaten und ein Medikationsplan gespeichert sein.

Am Ende weiß der kleine Chip nicht wirklich viel

Im Zuge des E-Health-Gesetzes wird aber damit auch der Einstieg in die elektronische Patientenakte geebnet. Sie wird das Herzstück sein, denn in ihr sollen alle Daten, von Befunden, Laborwerte, bis zum Röntgenbild gespeichert werden. In dieser Akte wiederum soll es auch ein Patientenfach geben, wo zum Beispiel persönliche Messwerte selbst gespeichert werden können. Das Bundesgesundheitsministerium versichert, dass Patienten ihre Daten einsehen bzw. sich ausdrucken oder auch wieder löschen lassen können.

Die elektronische Gesundheitskarte ist nach wie vor nicht viel mehr als ein Mitgliedsausweis. Martin Lisch, AOK-Bundesvorsitzender

Gesundheitskarten funktionieren nicht

Die Krankenkassen wurden jetzt aufgefordert, die Versicherten zu informieren, dass sie nur noch die neueste Karte verwendet werden dürfen. Grund: viele Plastikkärtchen funktionieren in den neuen Lesegeräten in den schon jetzt angeschlossenen Arztpraxen nicht. Angeblich seien es die alten Karten, die einfach nicht lesbar seien, doch auch die neueren, wie die sogenannte G1plus oder G2 bereiteten nach Angaben vieler Ärzte Schwierigkeiten.

Fast jeder dritte Arzt verweigert Anschluss

Arztpraxen sind verpflichtet sich bis 1.1.2019 an das Telematik-System anschließen zu lassen. Ein sogenannter Konnektor soll dafür sorgen, dass die Daten sicher verpackt, verschlüsselt und verschickt werden. Nach dem vollen Ausbau der Struktur sollen Arztpraxen, Kliniken, Apotheken bis hin zu Sanitätshäuser und Krankenkassen angeschlossen sein. Eine Forsa-Umfrage im Juni hat ergeben, dass 28 Prozent der Ärzte nicht an die Telematik-Infrastruktur anschließen lassen wollen, rund ein Viertel ist bereits angeschlossen und weitere 34 Prozent planen sich anschließen zu lassen. Das E-Health-Gesetz schreibt den Arztpraxen einen Anschluss bis zum Jahresende vor. Andernfalls drohen finanzielle Sanktionen.

Es geht um Datensicherheit und der Verwertung von Daten

Wer das Telematiksystem für die eGK bis zum 01.01.2019 nicht einführt, dem droht nach dem Willen des Bundesgesundheitsministeriums eine ein-prozentige Honorarkürzung. Viele Ärzte wollen das aber in Kauf nehmen für den Schutz der Patientendaten. Mittlerweile formieren sich immer mehr Initiativen gegen die Einführung, wie zum Beispiel die Initiative "Freiheit für 1 Prozent“ des Münchner Psychiaters Andreas Meißner oder die Arzt-Initiative "Stoppt die e-Card!“. Sie verweisen darauf, dass die sensiblen Patientendaten vor Angriffen nicht sicher seien. In NRW wurden 2016 mehrere Klinik-Server gehackt – unter anderem in Arnsberg und Neuss. Aber auch die Tatsache, dass Patientendaten zentral gespeichert werden sollen lehnen die Initiatoren ab.

In der Praxis aber werden wir während der sowieso schon geringen Gesprächszeit noch mehr davon in den Bildschirm starren, elektronische Patientenfächer sortieren und damit dem Patienten unbeabsichtigt suggerieren, dass nicht er, sondern die technische Verwaltung seiner Daten wichtig ist. Andreas Meißner, "Stoppt die e-Card!“

Die Daten sind sicher

Das Bundesgesundheitsministerium sichert zu, dass durch gesetzliche und technische Maßnahmen der Datenschutz und die Datensicherheit gewährleistet seien. Der Austausch erfolge über eine sichere Datenautobahn und über eine Verschlüsselung. Das heißt, Zugriff auf die Daten wird nur ermöglicht, wenn gleichzeitig die eGK in ein Lesegerät gesteckt wird und der Arzt ebenfalls seinen Heilberufsausweis eingibt.

Krankenhäuser und Krankenkassen verhandeln

Auch Krankenhäuser sollen bis 1.1.2019 an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen sein, doch Anfang des Monats konnten sich der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen und die Deutsche Krankenhausgesellschaft gerade erst über eine Finanzierung einig.

Prinzipiell würden wir uns schon freuen auf die Telematik-Infrastruktur und das was damit zusammenhängt. Wir sehen aber derzeit sehr große Probleme diesen Termin in Sachen technischer Installation zu halten. Martin Schneider, IT-Leiter Uniklinik Erlangen

400 Mio Euro wollen die Kassen zahlen, um über Pauschalen die Ausstattung der Krankenhäuser mit Kartenterminals, Konnektoren und erforderlichen digitalen Zertifikaten abzudecken. Es seien auch Aufwandsentschädigungen vereinbart worden, um die jährlichen Betriebskosten des Systems in Höhe von rund 18 Mio Euro zu decken. Streitigkeiten gibt es noch darüber, ob, wie vorgesehen, jeder Arzt einen eigenen Kartenterminal haben muss, um persönlich signieren zu können.

Es gibt zwar inzwischen zwei Konnektoren, die für Arztpraxen zugelassen sind, in der Vereinbarung zwischen Deutscher Krankenhausgesellschaft und dem GKV Spitzenverband wird aber insbesondere für Krankenhäuser empfohlen rechenzentrumsfähige Konnektoren einzusetzen, weil wir eine andere Struktur haben als eine einfache Praxis. Da ist mir aber kein Termin für eine Verfügbarkeit bekannt.“ Martin Schneider, IT-Leiter Uniklinik Erlangen

Und es geht weiter: Die Patientenakte kommt

Spätestens bis zum 1. Januar 2021 ist dann die Einführung der elektronischen Patientenakte geplant. Sie soll nach ersten Plänen alle persönlichen Befund- und Verschreibungsdaten, Laborwerte, Röntgenbilder, Elektrokardiogramme und zum Beispiel auch die angewandte Medikation von allen niedergelassenen und Krankenhausärzten enthalten. Ziel ist es dadurch Doppeluntersuchungen zu vermeiden.

Streit darüber, wo die Daten liegen

Bis jetzt ist aber nicht klar, wo genau die Daten der Patienten überall liegen und gespeichert werden. Die AOK möchte das sowohl beim Patienten, beim behandelnden Arzt als auch bei der zuständigen Krankenkasse. Die Techniker Krankenkasse plädiert dafür die Daten auf einen Server zu legen. Das Modell wurde mit IBM entwickelt. Das Vivy-Modell möchte alles auf einer App und ebenfalls zentral gespeichert sehen. Hier sind 90 Krankenkassen und die Allianz beteiligt.