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Die Boeing 737 – eine Frage des Typs? | BR24

© pa/dpa

Boeing 737-Max 8

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    Die Boeing 737 – eine Frage des Typs?

    Die Boeing 737 ist das meistgebaute Kurzstreckenflugzeug und gilt als sicher und zuverlässig. Doch nach den Flugzeugunglücken verhängen immer mehr Luftfahrtbehörden Flugverbote für den neuen Typ 737 MAX 8. Was bedeutet das für die früheren Modelle?

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    Die 737 ist ein Klassiker in der Verkehrsluftfahrt. Seit 1964 die ersten Pläne auf den Tisch der Boeing-Konstrukteure kamen. Die Maschine sollte vor allem eins sein: eine Kampfansage an die damaligen Marktführer für Kurz-und Mittelstreckenflugzeuge: McDonnell-Douglas und DAC.

    Die Merkmale: Ein kurzer, aber breiter Rumpf mit großem Volumen mit zwei Strahltriebwerken unter den Flügeln, ausgelegt auf Wirtschaftlichkeit – ein Kompromiss aus scharfer Kalkulation, Komfort für die Reisenden und Geschwindigkeit.

    1969 gingen die ersten 21 Maschinen des Typs 737-100 an die Deutsche Lufthansa. Seitdem wurde die "Bobby", so der Spitzname der 737, zum meistgebauten Kurzstreckenflugzeug der Welt – und auf Grundlage des "Urtyps" immer weiterentwickelt: "grandfathering" nennt sich dieses Prinzip.

    737 ist nicht gleich 737

    "Die Konstrukteure nehmen immer weitere evolutionäre Anpassungen vor, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die grundlegenden Eigenschaften müssen aber bestehen bleiben, um die Zulassung als Typ 737 zu behalten", sagt Prof. Florian Holzapfel vom Lehrstuhl für Flugsystemdynamik der TU München.

    So wurde beispielsweise in der Baureihe "Next Generation" 737-700 bis 900 das Cockpit ab Ende der 1990er Jahre komplett digitalisiert. Trotzdem lässt sich das Flugzeug statt der heute üblichen "fly-by-wire"-Technologie noch manuell und mechanisch steuern, per Handeinsatz. "Allerdings mit erheblichem Kraftaufwand im Cockpit", sagt Florian Holzapfel.

    Neues Triebwerk, neue Probleme

    Mit den sogenannten "Geared Turbofan"-Triebwerken kam ab 2013 ein neuer, spritsparender Turbinentyp auf den Markt, zum Beispiel in den Maschinen der A320-Neo-Reihe von Boeings Hauptkonkurrenten Airbus. Das Problem für Boeing: Die neuen Triebwerke sind größer als frühere Turbofan-Turbinen, das Fahrwerk der 737-Reihe zu kurz, um die Turbinen am Flügel hängend verbauen zu können.

    "Deshalb hat sich Boeing mit einem Trick beholfen und die Triebwerke nach vorne verlagert", sagt Florian Holzapfel. Diese Gewichtsverlagerung aber erschwert den Piloten die Kontrolle über die Fluglage und macht einen Strömungsabriss wahrscheinlicher. Abhilfe sollte ein neues automatisches Trimmsystem, genannt MCAS, schaffen. Es greift bei extremen Fluglagen ein und soll einen Absturz verhindern. Fehlfunktionen dieser MCAS stehen nun in Verdacht, für die Abstürze der beiden 737 MAX 8-Maschinen verantwortlich zu sein.

    Allerdings sollte man keine vorauseilenden Beschuldigungen aussprechen, sagt Florian Holzapfel von der TU München. Flugverkehrsbehörden und Hersteller müssten erst auswertbares Material auf den Tisch legen. Die vermuteten Fehler bei der 737 MAX 8 hätten auch nichts mit früheren Modellen zu tun, sagt Florian Holzapfel von der TU München: "Passagiere müssen keine Angst haben, in eine 737 einzusteigen. Sie ist bisher ein tolles und zuverlässiges Flugzeug gewesen."

    Zwischenfall in Memmingen mit Boeing 737-800

    Am Sonntag, den 18. März meldete der Pilot einer Boeing 737-800 der irischen Billig-Airline Ryanair ein technisches Problem beim Allgäu Airport in Memmingen. Die Integrierte Leitstelle Bayern löste daraufhin Alarm aus. 135 Feuerwehrleute aus Memmingen und Umgebung waren mit insgesamt 20 Fahrzeugen im Einsatz. Vom Technische Hilfswerk und Rettungsdienst wurden weitere 100 Hilfskräfte angefordert. Bis zur Landung der RyanAir-Maschine standen die Einsatzkräfte zunächst im sogenannten Bereitstellungsraum. Das Flugzeug sei aber ganz normal gelandet und anschließend in die Parkposition gefahren. Die Passagiere konnten regulär über die Treppe aussteigen, ein Eingreifen seitens der Rettungskräfte war zu keinem Zeitpunkt von Nöten, so der zuständige Memminger Kreisbrandrat Alexander Möbus.

    Ryanair steigt künftig auf 737-MAX um

    Die Airline Ryanair hat bislang ausschließlich Maschinen vom Typ 737-800 in ihrer Flotte. Durch dieses vereinfachte "Flottenmanagement" kann das Unternehmen Kosten für Wartung, Einkauf und Schulung des Flugpersonals sparen – allerdings wird das Unternehmen künftig auch auf Maschinen vom Typ 737-MAX 200 umsatteln – 200 Exemplare sollen an Ryanair ausgeliefert werden, wie das Fachportal "aero TELEGRAPH" schreibt.