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Logos am Gebäude der BBC

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    Das Diana-Interview der BBC: Der gute Ruf, schwer angeschlagen

    Die BBC ist wegen des Diana-Interview-Skandals unter Druck. Die Reputation ist schwer beschädigt und der Senderchef gibt Fehler zu. Er ruft dennoch zu investigativem Journalismus auf. Das Rundfunksystem steht von Seiten der Konservativen infrage.

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    Von
    • Thomas Spickhofen

    Fackelträger des Journalismus und Mutter aller Informationsprogramme – aber jetzt ist die BBC selbst wieder in Schwierigkeiten: wegen des Interviews mit Diana von 1995. Es sei beschämend, was da passiert sei, sagt John Whittingdale, der zuständige Staatssekretär für Medien. "Es zeigt nicht nur ein erschreckendes Versagen bei den journalistischen Standards, sondern auch den fehlenden Willen, Beschwerden nachzugehen und die Wahrheit aufzudecken."

    BBC "schwer angeschlagen"

    Der gute Ruf sei schwer angeschlagen, sagt Whittingdale. Es müsse dringend Vertrauen wiederhergestellt werden. Das sieht auch der Chef der BBC selbst so, Tim Davie, seit neun Monaten im Amt. "Wir müssen uns damit beschäftigen", sagt Davie, "es ist sehr, sehr ernst."

    Untersuchungsbericht soll kommende Woche vorliegen

    Ein Untersuchungsbericht belegte in der vergangenen Woche, dass das Interview mit Diana auf der Basis gefälschter Dokumente zustande kam. Der Reporter, Martin Bashir, legte der Prinzessin damals Bankauszüge vor, denen zufolge Geld für Informationen aus ihrem direktem Umfeld gezahlt wurde. Diese Auszüge waren fingiert. Mehr noch: In der BBC erfuhr man offenbar von dem Vorgang – und hat alles vertuscht. Martin Bashir wechselte später zum kommerziellen Konkurrenten ITV, ging danach in die USA – und wurde 2016 sogar von der BBC wieder eingestellt, diesmal in der Religionsredaktion. Warum, das kann keiner sagen. "Auch dem gehen wir nach", verspricht Tim Davie, "wir reden grade mit den Betroffenen." Nächste Woche soll der Bericht bereits vorliegen und dann auch öffentlich gemacht werden.

    BBC auch in Hinblick auf ihre gesellschaftliche Stellung unter Druck

    Der Skandal könnte kaum ungünstiger kommen für die BBC. In der Pandemie konnte sie ihren Ruf als programmliche Bereicherung im farblosen Lockdown-Alltag zwar wieder aufpolieren, aber politisch ist sie den regierenden Konservativen schon lange viel zu einseitig, zu sehr das Spiegelbild der großstädtischen, linksliberalen Programmmacher.

    Die aktuelle Gebührenperiode und Beauftragung der BBC geht noch bis 2027, jedoch wird es im kommenden Jahr eine Prüfung des Ist-Zustandes geben. Die Regierung könnte zum Beispiel der Aufsichtsbehörde Offcom zusätzliche Befugnisse geben oder möglicherweise sogar gleich eine eigene Aufsicht für die BBC einrichten.

    Diane Abbott von der oppositionellen Labour-Partei befürchtet, dass die aktuelle Diskussion dafür den Boden bereitet. "Die Sorge ist, dass langjährige Feinde der BBC den Bahsir-Skandal nutzen, um unseren nationalen Sender zu attackieren, ihm die Finanzierung zu entziehen und ihn zu zerlegen." Nein, sagt John Whittingdale, "das haben wir nicht vor". Die BBC sei an sich unbezahlbar.

    BBC als Institution gegen Desinformation aus dem Netz

    "Im Zeitalter von Fake News und Desinformation ist der Bedarf an öffentlich-rechtlichem Rundfunk mit vertrauenswürdigem Journalismus größer denn je. Die BBC war und ist da ein Leuchtfeuer. Aber hier hat sie versagt und ihre Reputation schwer beschädigt. Sie muss dringend zeigen, dass die Fehler angegangen werden und sich das nie wiederholen kann", so Whittingdale. "Stimmt", erklärt BBC-Boss Tim Davie, "aber wir dürfen auch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Wir brauchen weiterhin mutige Journalisten mit großen Geschichten." Aber es müsse eben auf dem richtigen Weg geschehen, erklärt auch der Intendant.

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