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Deutschlands Schiiten: Trauer um den Terror-General | BR24

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Trauerkundgebung für Soleimani

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    Deutschlands Schiiten: Trauer um den Terror-General

    Anfang Januar ließ die US-Regierung den iranischen Top-General Qasem Soleimani töten. Seitdem wird er auch in deutschen Moscheen als Märtyrer verehrt. Darin zeigt sich der Einfluss des Iran - und Bundesregierung und EU helfen mit Fördergeldern.

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    Sein Bild mit Blumenschmuck steht ganz vorne in der Moschee der Islamischen Kulturgemeine der Iraner in Berlin-Tempelhof: Qasem Soleimani - Iranischer General, Chef der berüchtigten Al Kuds-Brigaden und auf Platz 15 der EU-Terrorliste, bevor er und einige Gefolgsleute bei einem US-Drohnenangriff Anfang des Jahres getötet wurden.

    "Er war ein guter Mann"

    Doch für viele Schiiten ist Soleimani ein Vorbild: "Er war ein guter Mann. Ein Held. Die Amerikaner hatten Angst vor ihm", sagt uns ein Teilnehmer vor der Berliner Moschee.

    Doch wie stark ist der Einfluss des iranischen Regimes auf die schiitische Gemeinde in Deutschland? Volker Beck saß für Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag. Er war innenpolitischer, religionspolitischer und migrationspolitischer Sprecher der Partei. Der heutige Lehrbeauftragte der Ruhr-Universität in Bochum beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema. Beck sagt, dass "ein großer Teil der schiitischen Gemeinden unmittelbar aus dem Iran gesteuert werden".

    Khameneis Vertrauter als Imam

    Das trifft wohl auch auf das Islamische Zentrum in Hamburg und die Imam Ali-Moschee als Europazentrale des Mullah-Regimes zu. Der Imam, ein enger Vertrauter des Revolutionsführers Khamenei, gilt als dessen Vertreter in Europa.

    Das Islamische Zentrum Hamburg (IZH) soll deutschlandweit die Vereinigung der schiitischen Moscheeverbände, kurz IGS, steuern. Die Moschee an der Alster wird seit Jahrzehnten vom Hamburger Verfassungsschutz beobachtet.

    "Wir wissen, dass das Islamische Zentrum Hamburg sich nach außen moderat gibt, nichtsdestotrotz repräsentiert es seit je her das Teheraner Regime. Es propagiert die islamische Revolution und es verkörpert damit ein Regime, dass eine Gesellschaftsordnung propagiert, dass mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung überhaupt nicht zu vereinbaren ist." Marco Haase, Verfassungsschutz Hamburg

    Der Prediger sieht sich diffamiert

    Nachfrage bei Mohammad Hadi Mofatteh: Für ein Interview steht der Imam und Leiter des IZH nicht zur Verfügung.

    In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem ARD-Politmagazin report München beklagt er sich aber, dass Wissen über Schiiten in Deutschland "sehr diffamierend diskriminierend und ausschließlich unter Beachtung sicherheitspolitischer Aspekte des Westens und mit Bezug auf den Iran vermittelt wird".

    Förderung durch Bund und EU

    Volker Beck sieht das anders. Seit langem würde der Iran über schiitische Moscheen mobilisieren und über seine Geheimdienststrukturen "weiche Ziele" ausspähen. Beck kann nicht verstehen, dass trotz dieser, seit langem bekannten, Umstände die IGS von EU und deutscher Regierung gefördert werde. Nach Recherchen von report München betrug die Fördersumme bis Ende 2019 fast 400.00 Euro. Auf Nachfragen werden uns diese Zahlen vom Bundesfamilienministerium und vom Bundeskriminalamt bestätigt.

    Zurück in Berlin-Tempelhof. Fast zwei Stunden gedenken Männer, aber auch Frauen und Kinder, des iranischen Generals. Wie überall in Deutschland in diesen Tagen. Eine Machtdemonstration des Iran? Der Verfassungsschutz sieht immerhin über 1.000 schiitische Gefährder in Deutschland.

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