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Archivbild - Ein Flugzeug startet.

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Deutschland stoppt weitgehend Flüge aus Großbritannien

Wegen der Coronavirus-Mutation wird die Bundesregierung die Reisemöglichkeiten mit Großbritannien einschränken. Das ging am Sonntag aus einer Verfügung des Bundesverkehrsministeriums hervor. Zuvor hatte Markus Söder (CSU) Abschottung gefordert.

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Von
  • Elsbeth Bräuer
  • BR24 Redaktion

Wegen der neuen Variante des Coronavirus schränkt Deutschland die Reisemöglichkeiten von und nach Großbritannien weitgehend ein. Das ging am Sonntag aus einer Verfügung des Bundesverkehrsministeriums hervor. Ab Mitternacht sind demnach Landungen aus Großbritannien untersagt. Ausnahmen gelten etwa für Frachtflüge, Flüge mit medizinischem Personal oder wenn Maschinen nur mit Crews an Bord nach Deutschland zurückkehren wollen. Zunächst hatte die "Bild"-Zeitung über entsprechende Pläne berichtet.

Einschränkung bis 31. Dezember

Die Einschränkung soll demnach vorerst bis zum 31. Dezember gelten, an weiteren Regelungen werde noch gearbeitet. So sind nach Angaben der Bundesregierung auch Einschränkungen für den Reiseverkehr nach Südafrika beabsichtigt.

Mutierte Variante wohl noch nicht in Deutschland

Nach ersten Erkenntnissen britischer Wissenschaftler ist die kürzlich entdeckte Mutation des Virus um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form. Der deutsche Infektiologe Christoph Spinner sagte dem BR, dass es dafür aber bislang noch keine Beweise gebe. Es seien noch genauere Analysen nötig, so der Mediziner vom Münchner Klinikum rechts der Isar im Bayerischen Fernsehen. Die neue Mutation habe nach aktuellem Kenntnisstand "keinerlei Einfluss auf die Wirksamkeit der Impfung." Dies hatte am Samstag bereits Premierminister Boris Johnson erklärt.

Spinner geht genau wie der Virologe Christian Drosten davon aus, dass die jetzt auf den britischen Inseln entdeckte, mutierte Variante des Coronavirus noch nicht nach Deutschland gelangt sei. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte, es gebe bislang in Deutschland noch keinen nachgewiesenen Infektionsfall mit der neuen Corona-Variante.

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In Großbritannien kursiert eine Mutation des Coronavirus. Der Infektiologe Spinner vom Klinikum Rechts der Isar in München erläutert im Interview, dass damit zu rechnen war. Nach heutigem Kenntnisstand gebe es aber keinen Anlass zu besonderer Sorge.

Wegen der Mutation trat an diesem Sonntag ein neuerlicher Lockdown in London und Teilen Südenglands in Kraft.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan zeigte Verständnis für den Shutdown, bei dem nicht lebensnotwendige Geschäfte und Einrichtungen schließen müssen. Zugleich kritisierte er die Regierung, die noch vor wenigen Tagen an den geplanten Weihnachts-Lockerungen festgehalten hatte. "Es ist das Hin und Her, das zu so viel Angst, Verzweiflung, Trauer und Enttäuschung führt", sagte Khan der BBC. "Wenn wir unsere Meinung immer wieder ändern, macht es das Leuten wie mir wirklich schwer, die Menschen zu bitten, uns zuzuhören." Premier Johnson hatte noch vor kurzem an den geplanten Lockerungen über Weihnachten festgehalten.

Nun ergriff seine Regierung strenge Maßnahmen. Mehr als 16 Millionen Menschen sind betroffen, die ihre Häuser nur noch zur Arbeit und in Ausnahmen wie Arztbesuchen oder Lebensmitteleinkäufen verlassen dürfen. "Wir opfern die Möglichkeit, unsere Lieben dieses Weihnachten zu sehen, damit wir eine bessere Chance haben, ihr Leben zu schützen, damit wir sie bei zukünftigen Weihnachten sehen können", so Johnson.

In London und anderen Regionen höchste Corona-Warnstufe

In London und in anderen Regionen gilt nun die neue höchste Corona-Warnstufe 4. Einwohner dürfen das Gebiet nicht verlassen. Nach Bekanntgabe der schärferen Maßnahmen machten sich zahlreiche Menschen noch am Samstagabend spontan auf den Weg, um aus London abzureisen. Fotos und Videos zeigten volle Bahnhöfe. Minister Hancock schloss nicht aus, dass die schärferen Maßnahmen "in den kommenden Monaten" in Kraft blieben, bis flächendeckend gegen Corona geimpft worden sei.

Ersten Analysen britischer Wissenschaftler zufolge verfügt die neue Variante über ungewöhnlich viele genetische Veränderungen, vor allem im Spike-Protein. Dieses Protein benötigt das Virus, um in Zellen einzudringen. Der in Großbritannien eingesetzte Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer erzeugt eine Immunantwort gegen genau dieses Protein.

Bundesregierung prüft Schutzvorkehrungen im Luftverkehr

Neben der Bundesregierung verhängten unter anderem die Niederlande, Belgien und Frankreich bereits ein Verbot für Flüge von und nach Großbritannien. Italien erwägt ähnliche Schritte.

Das Bundesgesundheitsministerium hob die bestehende Pflicht zu Corona-Tests bei der Einreise aus ausländischen Risikogebieten hervor. "Wir gehen davon aus, dass angesichts der Meldungen an allen Flughäfen mit direkten Verbindungen aus Großbritannien diese Testpflicht nunmehr verstärkt kontrolliert wird", sagte ein Sprecher der "Süddeutschen Zeitung" mit Blick auf die zuständigen Länder.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums schrieb zudem auf Twitter, die Bundespolizei sei angewiesen, systematische Einreisekontrollen durchzuführen - Reisende müssten mit längeren Wartezeiten an den Grenzen rechnen.

Markus Söder hatte zuvor Abschottung von Großbritannien gefordert

Mit Blick auf die neue Coronavirus-Variante in England hatte sich zuvor bereits Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für eine vorübergehende Abschottung von Großbritannien ausgesprochen.

"Solche Meldungen machen schon große Sorge", sagte Söder dem Bayerischen Rundfunk. Die Virus-Mutation könnte dem Ministerpräsidenten zufolge ein gesteigertes Risiko darstellen: "Deshalb finde ich, sollte Deutschland das Gleiche tun wie andere europäische Länder. Wir sollten die Einreise und die Landung aus Großbritannien aussetzen, bis die Sachlage gut geklärt ist."

EU plant gemeinsame Strategie

Aus Angst vor einer möglichen Ausbreitung der neuartigen Corona-Variante im eigenen Land haben bereits mehrere EU-Staaten die Einreise aus dem Vereinigten Königreich gestoppt, darunter Belgien und die Niederlande. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen und Charles Michel, Präsident des Europäischen Rates, erörterten derweil in einem Telefonat die neue Corona-Lage.

Die EU plant dabei einen gemeinsamen Ansatz. "Wir sind in Kontakt mit den Mitgliedstaaten, um den Informationsaustausch zu steigern, und um zu prüfen, wie sie sich koordinieren können", sagte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel am Sonntag auf Anfrage. Der Virologe Alexander Kekulé sagte dem MDR, ein Flugverbot biete "möglicherweise noch eine Chance", die Ausbreitung zu verhindern.

Massenimpfung in Großbritannien läuft bereits

Großbritannien hatte am 8. Dezember mit einer Massenimpfung begonnen. Gesundheitsminister Hancock erwartet, dass bis Sonntagabend eine halbe Million Menschen versorgt sind. Großbritannien ist bereits jetzt eines der am schwersten von der Pandemie betroffenen Länder mit insgesamt mehr als zwei Millionen Infektionen und mehr als 80.000 Todesfällen in Verbindung mit dem Coronavirus.

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