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Deutschland erstmals unter den Top Drei bei Klimaschäden | BR24

© ARD

Extremwetter trifft nicht nur Entwicklungsländer – im vergangenen Jahr waren Japan, die Philippinen und Deutschland am stärksten von Hitze, Stürmen und Überschwemmungen geplagt. Das zeigt der Klima-Risiko-Index der Organisation Germanwatch.

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Deutschland erstmals unter den Top Drei bei Klimaschäden

Extremwetter trifft nicht nur Entwicklungsländer – im vergangenen Jahr waren Japan, die Philippinen und Deutschland am stärksten von Hitze, Stürmen und Überschwemmungen betroffen. Das zeigt der Klima-Risiko-Index der Organisation Germanwatch.

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Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch hat ihren Klima-Risiko-Index auf dem Klimagipfel in Madrid vorgestellt. Der Bericht zeigt, dass Deutschland erstmals zu den am meisten von Klimaschäden betroffenen Ländern zählt.

Und dabei ist eines neu: "Wir sehen in diesem Index zum ersten Mal in seiner 15-jährigen Geschichte, dass zwei Industrieländer auf den Top Drei gelandet sind, dass weltweit alle Länder betroffen sind, so auch Deutschland", sagt Laura Schäfer, eine der Autorinnen des Berichts. "Gleichzeitig sehen wir aber auch: Die Philippinen sind auf Platz zwei. Das ist ein Entwicklungsland und solche Länder sind viel existentieller von den Schäden durch Extremwetterereignisse betroffen."

Germanwatch: 1.200 Todesopfer durch Klimaschäden in Deutschland

Die Schäden auf den Philippinen wurden 2018 vor allem durch Taifun Mangkhut verursacht, der den nördlichen Teil der Philippinen mit voller Wucht traf. Mindestens 59 Menschen wurden getötet. Über Japan wütete ebenfalls ein Wirbelsturm, der große Schäden anrichtete. Dazu kamen schwere Regenfälle und eine Hitzewelle. Rekordtemperaturen verzeichnete auch Deutschland - 2018 war das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

"In Deutschland gab es eine starke Hitzewelle im Sommer und Stürme. Die Hitzewelle hat über 1.200 Todesopfer gefordert", erklärt Laura Schäfer. Durch Hitze, Dürre und vor allem Stürme seien in Deutschland im Jahr 2018 ökonomische Schäden in Höhe von fünf Milliarden US-Dollar entstanden - also umgerechnet gut 4,5 Milliarden Euro.

Extremwetter trifft Entwicklungsländer besonders hart

Nach Angaben von Germanwatch werden Hitzewellen laut den jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen wegen des Klimawandels immer häufiger und heftiger, in Europa zwischen 10- und 100-mal wahrscheinlicher als vor einem Jahrhundert. Auf lange Sicht trifft Extremwetter aber Entwicklungsländer besonders hart – über die vergangenen 20 Jahre kamen sieben der zehn am stärksten betroffenen Länder aus dieser Gruppe - darunter Pakistan, Vietnam, Myanmar, Haiti und die Philippinen.

"Es gibt Länder, die von sehr starken Wirbelstürmen betroffen sind, die schwere Schäden verursacht haben - Haiti, Myanmar - das ist eine Kategorie und die zweite Kategorie sind Länder wie die Philippinen, die immer wiederkehrend von Ereignissen betroffen sind und dann kaum Zeit für den Wiederaufbau haben, bevor das nächste Ereignis kommt", sagt Schäfer.

3,2 Billionen Euro Schaden durch Extremwetter

An der Spitze des 20-Jahre-Rankings steht Puerto Rico wegen der Verwüstungen, die 2017 der Hurrikan Maria angerichtet hatte. Insgesamt verzeichnet der Klima-Risiko-Index von Germanwatch für die vergangenen 20 Jahre 12.000 Extremwetterereignisse. Mehr als 495.000 Menschen seien dabei getötet worden. Die wirtschaftlichen Schäden: umgerechnet etwa 3,2 Billionen Euro. Schäden und Verluste, die arme Länder alleine kaum bewältigen können – ihnen dabei zu helfen, darüber wird auch beim Klimagipfel in Madrid diskutiert.

Index-Mitautorin: "Wissenschaftliche Grundlage wird besser

Index-Mitautorin Vera Künzel sieht den Bericht als Diskussionsgrundlage: "Wir hoffen, dass dadurch deutlich wird, dass die Länder, die am stärksten und existentiellsten betroffen sind, unterstützt werden beim Umgang mit Schäden und Verlusten, denn wir sehen, dass auch die wissenschaftliche Grundlage immer besser wird zu sagen, dass Extremwetterereignisse und der Klimawandel eng miteinander zusammenhängen."

"Die Häufigkeit und die Intensität von Extremwetterereignissen wird schlimmer durch den Klimawandel und das sollten nicht die Länder bezahlen müssen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben." Index-Mitautorin Vera Künzel

Zusammenhang ja, aber wie groß der Einfluss des Klimawandels auf Schäden und Verluste durch Stürme oder Hitzewellen exakt ist, lässt sich nicht sagen. Allerdings zeigt der Index laut Germanwatch, wie verwundbar Länder sind und welche sich besonders auf extreme Wetterereignisse vorbereiten müssen. Grundlage des Berichts sind Daten des weltgrößten Rückversicherers MunichRe und des Internationalen Währungsfonds.