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Deutschland und Frankreich: Man kommt sich wieder näher | BR24

© dpa/picture-alliance/Stephanie Lecocq

Der französische Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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    Deutschland und Frankreich: Man kommt sich wieder näher

    Deutschland und Frankreich haben viel gemeinsam erreicht. Doch geht es um militärische Stärke, klaffen die Positionen weit auseinander. In der Corona-Krise waren es aber dann gerade wieder Merkel und Macron, die den Wiederaufbaufonds initiierten.

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    Beim Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf. Komischerweise kamen sich die deutsche und die französische Regierung über das Geld aber wieder näher. Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise ziehen Paris und Berlin an einem Strang – endlich, sagen viele.

    Corona-Krise als Einheitsmotor

    Im Mai sprachen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron dafür aus, dass die EU im großen Stil Schulden macht und diese als nicht-rückzahlbare Zuschüsse an Mitgliedsstaaten verteilt, die besonders unter der Krise leiden. Vorher eigentlich undenkbar - aber die Corona-Krise erfordert besondere Maßnahmen.

    750 Milliarden Euro - so groß ist der Wiederaufbaufonds, auf den man sich in der Europäischen Union einigte. Und dieser geht zum Großteil auf eine deutsch-französische Initiative zurück. Evelyne Gebhardt ist gebürtige Französin mit deutschem Pass und sitzt seit 26 Jahren für die SPD im Europaparlament. "In meiner Brust schlägt ein französisches und ein deutsches Herz", sagt sie. Dass so ein großer Wurf wie der Wiederaufbaufonds gelingen konnte, habe vor allem damit zu tun, dass beide Regierungen in der Vergangenheit voneinander gelernt hatten, sagt sie:

    "In den Verhandlungen hat Frankreichs Finanzminister auch sehr darauf geachtet, bestimmte Begriffe wie Eurobonds nicht zu benutzen, wohl wissend, dass das für Deutschland ein großes psychologisches Problem bedeuten kann. Ich denke, dass diese gegenseitige Rücksichtnahme dazu geführt hat, dass wir heute sehr viel weiter gekommen sind in der europäischen Politik." Evelyne Gebhardt, EU-Parlamentarierin (SPD)

    Macron für Merkel oft zu stürmisch

    In der Vergangenheit sei das oftmals anders gewesen. Immer wieder war der junge, energische französische Präsident Macron mit Initiativen an der abwartenden deutschen Regierungschefin abgeprallt.

    "Lange Zeit ist Deutschland, ist Frau Merkel, schlicht und einfach still geblieben, hat keine Antwort gegeben auf die vielen Möglichkeiten, die Macron europäisch geboten hat - Vorstöße, auf die Macron schlicht keine Antwort bekommen hat und das war auch keine gute Sache. Und deswegen ist es gut, dass jetzt das Gespräch wieder gefunden wird zwischen den beiden. Denn Europa braucht die Zusammenarbeit von Deutschland und Frankreich, um voranzukommen." Evelyne Gebhardt, EU-Parlamentarierin (SPD)

    Große Unstimmigkeiten in Sachen Verteidigung

    In anderen Bereichen wiederum scheinen Deutschland und Frankreich nicht auf der selben Linie. In der Außenpolitik zum Beispiel. Frankreich hat nach den USA, Russland und China das größte Atomwaffenarsenal der Welt, die größte konventionelle Streitmacht in der EU und modernes militärisches Gerät.

    In Frankreich sagen einige politische Beobachter, Deutschland mag zwar ökonomisch vorne liegen, aber der Nachbar bleibe ein militärischer Zwerg. Und Frankreich mischt sich ein: Luftschläge in Syrien, Kampf gegen die Dschihadisten in der Sahelzone oder der Streit um die Erdgasvorkommen im Mittelmeer mit der Türkei. Dort schlug sich die Macron-Regierung auf die Seite Griechenlands. Deutschland tritt da wesentlich reservierter auf.

    Frankreich forciert europäisches Vorgehen

    Der französische Diplomat Jean-Marie Guéhenno bestreitet, dass es Frankreich dabei um Großmachtgehabe ginge. Das sei eine "Karikatur", meint er. Vielmehr ginge es der französischen Regierung darum, das weltpolitische Vakuum zu gestalten, das die USA hinterlassen haben:

    "Wir müssen eine Kultur der Macht und der Stärke in Europa schaffen. Nicht wegen irgendwelcher angeblicher Träume von französischer Größe, sondern weil dies die Realität ist. So funktioniert die Welt." Jean-Marie Guéhenno, französischer Diplomat

    Guéhenno, der ehemalige stellvertretende UNO-Generalsekretär, bedauert vor allem die Haltung der europäischen Partner, wenn es um französische Engagements in der Sahelzone oder im Mittelmeer geht.

    "Die europäischen Diplomaten drehen sich dann häufig zu den französischen Kollegen, weil sie denken, es handele sich nicht um ihre Angelegenheit. Und das ist schade. Es ist eine Angelegenheit Europas. Wenn die Sahelregion oder Libyen vor dem Kollaps stehen, leidet ganz Europa darunter und eben nicht nur Frankreich." Jean-Marie Guéhenno, französischer Diplomat

    Insofern gab es in der Vergangenheit Annäherungen zwischen den beiden Nachbarn. Unverständnis für so manche Positionen bleiben aber noch immer.

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