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Deutschland und das Coronavirus: Sorge vor Eskalation wächst | BR24

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Noch scheint Deutschland weit davon entfernt, im Kampf gegen das Coronavirus Maßnahmen nach italienischem Muster zu ergreifen. Doch bleibt das so? Der Bundesgesundheitsminister setzt noch auf Zwischenschritte, warnt aber auch vor neuen Lagebildern.

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Deutschland und das Coronavirus: Sorge vor Eskalation wächst

Noch scheint Deutschland weit davon entfernt, im Kampf gegen das Coronavirus Maßnahmen nach italienischem Muster zu ergreifen. Doch bleibt das so? Der Bundesgesundheitsminister setzt noch auf Zwischenschritte, warnt aber auch vor neuen Lagebildern.

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Vor knapp einem Monat hörte sich das alles noch gelassener an: Selbst als Ende Januar die ersten Corona-Fälle in Deutschland bekannt wurden, lautete die beruhigende Botschaft von Experten wie Bundesregierung: Die Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Deutschland bleibe gering. Doch jetzt, mit der Ausbreitung des Virus in Italien, habe sich die Situation zumindest für Europa verändert, befindet der zuständige Minister Jens Spahn:

"Wir haben zum ersten Mal Infektionsgeschehen-Ketten, die nicht mit China direkt in Verbindung stehen, sondern sich eigenständig entwickelt haben." Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister

Zwischenschritte statt italienische Verhältnisse

Über den Brenner hat es der Krankheitserreger geschafft – auch in Tirol gibt es zwei Infizierte. Was aber heißt das alles für Deutschland? Wird man auch hier eines Tages zu ähnlich drastischen Mitteln wie in Italien greifen müssen – das ist eine Frage, die sich angesichts der Ausbreitung des Coronavirus in Europa und auch hierzulande aufdrängt. Die italienische Regierung ist nicht zimperlich, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen, hat ganze Regionen und Ortschaften von der Außenwelt abgeriegelt. Die Notwendigkeit dafür sieht Gesundheitsminister Jens Spahn hierzulande derzeit nicht.

"Es gibt viele Zwischenschritte, bevor man hier in Deutschland zu solch einer drastischen Maßnahme greifen müsste." Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister

Noch funktioniert das Vorgehen gegen Einzelfälle

Spahn brachte die Möglichkeit die Schließung von Kindergärten, Schulen, Schwimmbädern oder auch die Absage von Großveranstaltungen ins Gespräch. So weit ist es in Deutschland derzeit noch nicht. Derzeit gelingt hierzulande noch, was in China schon seit langem nicht mehr greift: Nämlich bei jedem einzelnen neu nachgewiesenen Fall, den Patienten zu isolieren. Nachzuforschen, mit welchen Personen er in Kontakt stand, und so die Infektionskette, wie es im Fachjargon heißt, zu unterbrechen. Auch wenn der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts, Lars Schade, im Inforadio des rbb angesichts der Fälle in Südkorea, im Iran und in Italien feststellt:

"Das zeigt, dass sich das Virus weltweit weiterverbreitet. Insofern war es zu erwarten, dass es zu weiteren Infektionsfällen auch in Deutschland kommen wird." Lars Schade, Robert Koch-Institut

Grundsätzlich aber, sagt man auch beim Robert Koch-Institut, funktioniere die deutsche Strategie noch: Fall schnell erkennen, dann isolieren, Weiterverbreitung stoppen.

Die Furcht vor einer "neuen Lage"

Auch was die europäische Ebene betrifft, sieht Gesundheitsminister Jens Spahn noch keinen Anlass für drastische Maßnahmen:

"Wir sind gemeinsam der Meinung, dass zu diesem Zeitpunkt jetzt Reisebeschränkungen oder gar das Schließen von Grenzen keine angemessene, verhältnismäßige Maßnahme wäre." Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister

Vorsorglich erklärte Spahn aber auch: Es könne sein, dass man in den nächsten Tagen und Wochen in eine "neue Lage" komme. Am Dienstag war bekannt geworden, dass nun auch in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg jeweils zum ersten Mal ein Corona-Fall aufgetreten ist. Der Mann aus NRW, aus dem Landkreis Heinsberg, soll sich in kritischem Zustand befinden und wird auf der Intensivstation behandelt. Der Patient aus Baden-Württemberg, aus dem Landkreis Göppingen, hatte sich offenbar während eines Italienbesuchs in Mailand angesteckt.

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