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Deutschland übernimmt EU-Ratspräsidentschaft: Baustelle Grenzen | BR24

© picture alliance/dpa

Einsatzkräfte der Bundespolizei kontrollieren die Ein- und Ausreise am Grenzübergang Kleinwalsertal während der Corona-Krise

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    Deutschland übernimmt EU-Ratspräsidentschaft: Baustelle Grenzen

    Am 1. Juli beginnt die deutsche EU-Ratspräsidentschaft. In einer Serie beschreiben wir die größten Herausforderungen der nächsten Monate. Heute: die EU-Grenzproblematik in Folge der Corona-Krise - am Beispiel des Kleinwalsertals.

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    In Zeiten von Corona schien die EU plötzlich geteilt, die Grenzen dicht, das Schengen-Abkommen obsolet. Das hat tiefe Spuren hinterlassen.

    Zum Beispiel im Kleinwalsertal, der österreichischen Enklave in den Bergen, die nur von Oberstdorf, also von Deutschland aus, erreichbar ist. Die Menschen dort erwarten von Europa, dass sich eine solche Teilung wie während des Shutdowns nicht wiederholt.

    Abhängig von den Touristen - doch die kamen nicht

    Roman Schuster steht an der Maschine und macht Kaffee für seine Gäste. Er freut sich, dass jetzt wieder hungrige und durstige Bergsportler an seinen Tischen sitzen und die Gästezimmer belegt sind. Die Leere in den Wochen ab Ende März war für ihn bedrückend.

    "Die Situation nach dem schnellen Shutdown war natürlich besorgniserregend, vor allem weil man nicht wusste, wann der Start dann wieder erfolgen kann. Es gab im Walsertal viele finanzielle Ängste, weil wir zum Großteil vom Tourismus leben." Roman Schuster, Gastwirt im Kleinwalsertal

    Plötzlich im "Fünf-Sterne-Gefängnis"

    Die Natur rundherum ist ein Touristenmagnet. Da die Grenze zu war und es keine direkte Verbindung nach Österreich gibt, konnten die Kleinwalsertaler ihr malerisches Tal aber nicht mehr verlassen - ein Fünf-Sterne-Gefängnis quasi.

    Nur für Pendler, Gewerbetreibende, für wichtige Arztbesuche und Rettungskräfte gab es Ausnahmegenehmigungen. In den ersten Wochen konnten sich die rund 5.000 Kleinwalsertaler mit der plötzlich geschlossenen Grenze noch arrangieren. Dann aber nahmen die Beschwerden bei Bürgermeister Andi Haid stetig zu.

    Grenzverkehr mit Katzenkorb

    "Einen kleinen Handwerkermarkt haben wir hier, aber mehr nicht. Einige hatten die Sommerreifen irgendwo im Allgäu beim Händler eingelagert. Oder es gab das Thema mit den Haustieren, wo wir dann mit Speziallösungen gearbeitet haben. Die Tierärztin kam an die Grenze und holte an der Grenze den Katzenkorb ab", berichtet der Bürgermeister.

    Die Unzufriedenheit über all diese Widrigkeiten wurde nach und nach immer größer. Zu sehr hängen die Kleinwalsertaler von offenen Grenzen und der europäischen Freizügigkeit ab.

    "Wir wollen nicht wieder in so eine Situation kommen"

    Ende April gab es schließlich eine Sonderlösung und sie durften für Erledigungen wieder nach Deutschland. Ab Mitte Mai durften sie dann auch ihre Restaurants wieder öffnen. Das Problem nur: Die Gäste aus Deutschland durften weiterhin nicht einreisen.

    Eine verzwickte Situation. Wenn es in der Zukunft zu ähnlichen Situationen kommen sollte, dann dürfe die Grenze für die Kleinwalsertaler nicht wieder so ein massives Problem werden, fordert Bürgermeister Andi Haid.

    "Wir arbeiten jetzt mit dem Innenministerium zusammen und bereiten eine Vereinbarung vor, die wir dann mit den bayerischen Behörden diskutieren. So dass wir künftig genau wissen, was passiert mit der Grenze. Wir sind intensiv an der Sache dran, um nicht wieder in so eine Situation zu kommen." Andi Haid, Kleinwalsertaler Bürgermeister

    Vorübergehend bayerisch?

    Sein Ziel wäre es, dass die Grenze zu der Enklave bei einer erneuten Pandemie offen bleibt und dass im Kleinwalsertal dann zeitweise dieselben Bestimmungen gelten wie in Bayern.

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