Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Deutschland: Millionen können nicht richtig lesen und schreiben | BR24

© pa/dpa/Andrea Warnecke

Millionen Erwachsene können nicht richtig Deutsch lesen und schreiben

Per Mail sharen
Teilen

    Deutschland: Millionen können nicht richtig lesen und schreiben

    Schon einfache deutsche Texte bedeuten für Millionen Menschen in Deutschland ein unüberwindbares Hindernis. Im Alltag und im Beruf haben sie es sehr schwer. Mehr als die Hälfte der Betroffenen sind Muttersprachler.

    Per Mail sharen
    Teilen

    6,2 Millionen Erwachsene in Deutschland können nicht richtig Deutsch lesen und schreiben. Von ihnen haben mehr als die Hälfte Deutsch als Muttersprache angegeben (52,6 Prozent). Das geht aus einer vom Bundesbildungsministerium geförderten Studie hervor, die der "Deutschen Presse-Agentur" in Berlin vorliegt. Die Studie "LEO 2018 - Leben mit geringer Literalität" soll an diesem Dienstag in Berlin vorgestellt werden.

    Viele haben eine andere Muttersprache als Deutsch

    47,4 Prozent haben einen Migrationshintergrund und als erstes eine andere Sprache gelernt als Deutsch. Von diesen Menschen sind knapp 78 Prozent nach eigenen Angaben in der Lage, in ihrer Muttersprache anspruchsvolle Texte zu lesen und zu schreiben.

    Insgesamt haben 7,3 Prozent aller Erwachsenen mit Deutsch als erster Sprache laut der Studie nur geringe Lese- und Schreibfähigkeiten. Von den Personen mit einer anderen Muttersprache sind es aber mit 42,6 Prozent anteilsmäßig weit mehr.

    Fortschritte mit dem Lesen und Schreiben

    2011 hatten insgesamt noch 7,5 Millionen Menschen nur geringe Lese- und Schreibfähigkeiten - also etwa 1,3 Millionen mehr. Zu dieser Kategorie gehören all jene, die einzelne Sätze lesen oder schreiben können, aber keine zusammenhängenden Texte verstehen, auch keine kürzeren. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) nannte den Rückgang einen "Erfolg für unser Bildungssystem", wie sie der dpa sagte.

    Arbeiten mit Lese- und Schreibschwäche

    62,3 Prozent der Betroffenen sind laut der Studie trotz ihrer Lese- und Schreibschwäche erwerbstätig. Dennoch hat mehr als jeder Fünfte keinen Schulabschluss, weitere zwei Fünftel haben nur einen geringen.

    Auch bei jenen Erwachsenen, die zwar zusammenhängende Texte verstehen, aber dennoch nicht gut lesen und nur sehr fehlerhaft schreiben können, gab es einen Fortschritt. Hier verringerte sich die Anzahl von 13,4 Millionen im Jahr 2011 auf nun 10,6 Millionen Menschen.

    Bessere Angebote um Lesen und Schreiben zu lernen

    Die Enttabuisierung von Lese- und Schreibschwäche sowie mehr und bessere Angebote zum Lernen spielen laut Bildungsministerium eine Rolle beim Rückgang der Zahlen. Studienautorin Anke Grotlüschen sagte der dpa zudem, die Fortschritte gingen mit besseren Schulabschlüssen und einer höheren Erwerbsbeteiligung einher.

    Betroffene kostet es oft viel Überwindung

    Für die Studie wurden im Sommer 2018 rund 7.200 Deutsch sprechende Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren befragt. Für die Befragung mussten die Menschen ausreichend Deutsch sprechen, um einer etwa einstündigen Befragung folgen zu können.

    Bildungsministerin Karliczek sagte trotz der Fortschritte, dass "Politik und Gesellschaft nicht nachlassen dürfen". Gerade Erwachsene koste es oft viel Überwindung, sich dem Problem der Lese- und Schreibschwierigkeiten zu stellen. Stärker beachtet werden müssten Menschen mit Migrationshintergrund.