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Deutschland lehnt WLAN als Standard im Verkehr ab | BR24

© dpa-Bildfunk

Deutschland lehnt WLAN als Standard im Verkehr ab

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Deutschland lehnt WLAN als Standard im Verkehr ab

Sind Autos im Straßenverkehr miteinander vernetzt, soll es in Zukunft weniger Unfälle auf den Straßen geben. Doch wie Autos miteinander kommunizieren sollen, ob über WLAN oder Mobilfunk, darüber wird gestritten.

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Soll WLAN oder Mobilfunk, also 4G beziehungsweise LTE, die Sprache eines vernetzten Verkehrs sein? Die EU-Kommission hatte sich in einem sogenannten Rechtsakt auf WLAN als die Sprache des Verkehrs festgelegt. Doch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) stellte sich quer. Er hat sich durchgesetzt und Deutschland hat WLAN als Standard-Verkehrs-Sprache abgelehnt. Auch andere EU-Staaten folgten dem Veto.

Dabei geht es nicht darum, WLAN zu verhindern, sondern die generelle Festlegung auf einen Standard. Formal müssen noch die Minister der Mitgliedsländer zustimmen. Die EU-Kommission soll dann ihren sogenannten Rechtsakt überarbeiten. Wahrscheinlich ist, dass beide Technologien zugelassen werden: WLAN und Mobilfunk. Mithilfe der Technologien sollen Autos, Ampeln, LKW und Busse miteinander kommunizieren können.

Droht ein Sprachwirrwarr im Verkehr?

Doch kommen mehrere Technologien zum Einsatz, droht ein Sprachgewirr im Verkehr. Denn WLAN und Mobilfunk können technisch nicht miteinander kommunizieren. Das bedeutet: Durch verschiedene Sprachen würde der vernetzte Verkehr zur Utopie. Volkswagen warnt deshalb vor einer "Fragmentierung im europäischen Binnenmarkt", wenn die 28 EU-Staaten eigene Regelungen treffen sollten.

Volkswagen setzt auf WLAN: Die Technologie ist einsatzbereit

Die Warnung kommt nicht von ungefähr. Denn die Geschäftsmodelle der Autobauer sind betroffen. Volkswagen scharrt schon mit den Hufen. Bereits im kommenden Jahr will VW den neuen Golf und alle E-Autos mit WLAN-Technologie anbieten. Dabei werden Informationen sowohl zwischen Fahrzeugen als auch zwischen Autos und dem gesamten Verkehr ausgetauscht. Somit können beispielsweise Stauinformationen, Unfälle und andere verkehrsrelevante Situationen dem lokalen Umfeld im Bereich von 500 Metern zur Verfügung gestellt werden.

Volkswagen spricht sich auch deshalb für die WLAN-Technologie aus, weil sie bereits besser ausgebaut sei und schon jetzt umgesetzt werden könne, heißt es in Wolfsburg. Das WLAN-Veto in Brüssel sieht man kritisch. "Ohne Rechtsrahmen kann nicht garantiert werden, dass Fahrzeuge miteinander kommunizieren können", sagt ein Volkswagen-Sprecher dem BR. "Das heißt, am Ende kommuniziert ein VW mit VW und Toyota mit Toyota."

WLAN-Technologie schon weiter als Mobilfunk

Auch die Grünen kritisieren, dass WLAN als primärer Standard im Verkehr abgelehnt wurde. Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Stephan Kühn, schimpft, das werfe das vernetzte Fahren um Jahre zurück und sorge für hohe und unnötige Kosten. "Die WLAN-Technologie ist startklar, doch Scheuer opfert die schon getätigten Investitionen ohne Not für die Profite von BMW und Co." Der Vorwurf steht im Raum, BMW, das auf die Mobilfunktechnologie setzt, wolle diese für eigene Bezahldienste nutzen. Im WLAN ist das nämlich nicht möglich.

BMW setzt auf Mobilfunk: Die Technologie ist die Zukunft

Der Münchner Autobauer BMW widerspricht vehement: "Die BMW Group verfolgt keine Ansätze, kostenpflichtige BMW ConnectedDrive Angebote in diesem Frequenzband umzusetzen." Der Autohersteller setzt aus strategischen Gründen auf die Mobilfunkkarte.

Sollte sich eine Technologie etablieren, wäre es schwierig, eine andere einzuführen. Hier kommt der neueste Standard der Mobilfunkgeneration ins Spiel: 5G. In einem gemeinsamen Brief von BMW und der Telekom an Bundesverkehrsminister Scheuer steht: "Führende Automobilhersteller wie die BMW Group, Daimler, Ford und PSA sowie die Chip-Hersteller (Intel, Qualcomm, Samsung) bilden eine Allianz mit den Telekommunikationsunternehmen. Sie sind geschlossen gegen den delegierten Rechtsakt und sehen den Ausbau von 5G in Gefahr."

Fußgänger und Radfahrer über Mobilfunk einbinden

Der jetzt abgelehnte Rechtsakt der EU-Kommission, der eben WLAN zunächst zum Standard im Verkehr machen wollte, führe Europa in eine technische und politische Sackgasse, steht in dem Brief, der dem Bayerischen Rundfunk vorliegt. Achim Berg, Präsident des Digitalverbandes Bitkom, freut sich über die Ablehnung des EU-Plans. Denn die Mobilfunk-Technologie komme auch über große Entfernungen zum Einsatz, was auch gut für die Sicherheit im Verkehr sei. "So können insbesondere schlecht geschützte Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer perspektivisch über ihr Smartphone im intelligent vernetzten Verkehr sicher eingebunden werden."

Sprachbarrieren zwischen den Marken

Selbst wenn WLAN nicht der Standard im Verkehr werden soll, will Volkswagen an seiner Strategie festhalten. Schließlich sei man mit WLAN bald im Markt, der 5G-Ausbau sei davon in keiner Weise berührt. Aber 5G sei eben noch in der Testphase. Auch viele Experten rechnen noch mit einigen Jahren, bis 5G als neuer Mobilfunkstandard voll ausgebaut ist und beim autonomen Fahren zum Einsatz kommen wird. Sollte die EU-Kommission tatsächlich mehrere Technologien parallel zulassen, stellt sich die Frage, was es hilft, wenn nur die Autos einer Marke miteinander kommunizieren können. Unfallzahlen werden so wohl kaum sinken.