BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Deutschland-Chef des IS: Lange Haft für Abu Walaa | BR24

© ARD
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Ole Spata

Jürgen Stryjak über den IS in Syrien und im Irak

11
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Deutschland-Chef des IS: Lange Haft für Abu Walaa

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Deutschland-Chef des IS ist das Urteil gesprochen: Der Hassprediger Abu Walaa soll mehr als zehn Jahre ins Gefängnis. Auch drei weitere Männer wurden verurteilt. Sie alle haben junge Leute zum Kampf angestachelt.

11
Per Mail sharen
Von
  • Regina Wallner
  • B5 aktuell

Das Oberlandesgericht Celle hat den mutmaßlichen Deutschland-Chef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht erklärte den Iraker Abu Walaa für schuldig. Der 37-Jährige unterstützte die Terrororganisation, in der er auch Mitglied war.

Hohe Haftstrafen auch für die Mitangeklagten

Und nicht nur das: Der Hassprediger und sein Netzwerk haben nach Überzeugung der Richter junge Leute vor allem im Ruhrgebiet und in Niedersachsen radikalisiert und in die IS-Kampfgebiete geschickt. Drei Mitangeklagte erhielten Haftstrafen zwischen gut vier und acht Jahren.

Abu Walaa war Imam der Moschee des inzwischen verbotenen Vereins "Deutschsprachiger Islamkreis Hildesheim". Ein mitangeklagter Deutsch-Serbe, der acht Jahre Haft erhielt, soll seine Wohnung in Dortmund als Gebetszentrum genutzt und dort zeitweise den Islamisten Anis Amri beherbergt haben. Amri verübte 2016 einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin, bei dem zwölf Menschen starben.

Verteidigung plädierte vergeblich auf mildere Strafen

Im Verlauf des Prozesses beschäftigte sich das Gericht mit einer langen Reihe weiterer Islamisten, die von dem Dortmunder und einem mitangeklagten Mann aus Duisburg im Hinterzimmer von dessen Reisebüro radikalisiert worden sein sollen. Der Duisburger wurde zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Zwei der Rekrutierten sollen im Irak Selbstmordattentate mit zahlreichen Todesopfern verübt haben.

Für Abu Walaa hatte die Bundesanwaltschaft elfeinhalb Jahre Haft gefordert, für die übrigen Angeklagten zwischen viereinhalb und zehn Jahren. Die Verteidigung hatte dagegen auf Freispruch beziehungsweise deutlich mildere Strafen plädiert. Das jetzige Urteil ist also nahe an der Forderung der Anklage - und weit weg von den Zielen der Verteidigung. Der Vorsitzende Richter Frank Rosenow sprach heute von einem "besonderen Verfahren", das auch strafrechtlich "aus dem Rahmen" gefallen sei.

IS: "Rückkehrversuche" in Syrien

Der Fall und das Urteil sind auch deshalb interessant, weil der IS speziell in Syrien zu alter Stärke zurückzukehren will. Dazu rekrutiert er neue Anhänger, unter anderem in Deutschland.

BR-Islamismus-Experte Joseph Röhmel erklärte hierzu im B5 Thema des Tages (siehe Interview unten), derzeit würden zwar nur wenige Menschen aus Deutschland und Bayern zum Dschihad nach Syrien reisen - Grund sei die Zerschlagung des IS und seines Propaganda-Apparats. Allerdings versuche die Terrormiliz, in Syrien wieder Fuß zu fassen. Generell bleibe der Dschihadismus ein Problem, auch weil im Netz intensiv um Mitglieder und Anhänger geworben werde.

© BR
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Moawia Atrash

Rekrutierung in Bayern: BR-Islamismus-Experte Joseph Röhmel im B5 Thema des Tages

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

© BR
Bildrechte: BR

Das Oberlandesgericht Celle hat den mutmaßlichen Deutschland-Chef des IS, Abu Walaa, zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt. Der 37-jährige Iraker sei der Unterstützung und Mitgliedschaft in der Terrororganisation "Islamischer Staat" schuldig.