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Deutsches Flüchtlingsschiff auf Konfrontationskurs mit Salvini | BR24

© Deutsches Flüchtlingsschiff auf Konfrontationskurs mit Salvini

Deutsches Flüchtlingsschiff auf Konfrontationskurs mit Salvini

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Deutsches Flüchtlingsschiff auf Konfrontationskurs mit Salvini

Wieder ist ein deutsches Rettungsschiff im Mittelmeer Richtung Lampedusa in Italien unterwegs. 65 Migranten sind an Bord der "Alan Kurdi". Innenminister Seehofer kündigte an, einen Teil der Menschen aufzunehmen.

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Das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" von Sea-Eye mit 65 aus dem Mittelmeer geretteten Flüchtlingen an Bord dürfte am Morgen die italienischen Hoheitsgewässer vor der Insel Lampedusa erreichen. Nur vier Tage nach der Freilassung der Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete aus dem Hausarrest droht damit eine erneute Konfrontation zwischen Deutschland und Italien.

"Wir lassen uns von einem Innenminister nicht einschüchtern, sondern steuern den nächsten sicheren Hafen an." Erklärung von Sea-Eye aus Regensburg.

Das Seerecht gelte, auch wenn manche Regierungsvertreter das nicht wahrhaben wollten.

Viele minderjährige Flüchtlinge an Bord

Die "Alan Kurdi" hatte nach eigenen Angaben in internationalen Gewässern vor Libyen 65 Migranten von einem überladenen Schlauchboot aufgenommen. 39 von ihnen hätten angegeben, noch minderjährig zu sein. Der Jüngste sei erst zwölf Jahre alt, berichtete Sea-Eye. Insgesamt 48 der Geflüchteten stammten aus Somalia in Ostafrika, zwei seien Libyer.

Salvini: Seehofer soll Verantwortung übernehmen

Italiens Innenminister Matteo Salvini erklärte, das Schiff dürfe nicht nach Italien fahren, auch nicht im Fall einer späteren Weiterverteilung der Migranten auf andere Staaten. Das hatte er jedoch auch schon im Fall von Racketes Rettungsschiff "Sea-Watch 3" verkündet - ohne Erfolg.

"Italien (...) beabsichtigt nicht, weiterhin der einzige 'Hotspot von Europa' zu sein", Matteo Salvini, Italiens Innenminister

Eine Verschlechterung der Situation an Bord werde ausschließlich auf Deutschland als Flaggenstaat, auf den Kapitän und die Crew der "Alan Kurdi" zurückfallen, warnte er. Zugleich drängte Salvini Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in einem Brief, Verantwortung für das Schiff zu übernehmen.

Deutschland will Teil der Flüchtlinge aufnehmen

Seehofer kündigte unterdessen an, dass Deutschland bereit sei, einen Teil der Menschen aufzunehmen. "Auch im Fall der 'Alan Kurdi' und der 'Alex' sind wir im Rahmen einer europäisch-solidarischen Lösung bereit, einen Teil der aus Seenot Geretteten aufzunehmen", sagte Seehofer. Dies habe er bereits am Freitagvormittag der Europäischen Kommission mitgeteilt und um Koordinierung gebeten. Die "Alex" ist ein Schiff der italienischen Hilfsorganisation Mediterranea Saving Humans. Sie hat 54 Migranten an Bord.

Bundesweite Demonstrationen und Kundgebungen

Heute finden bundesweit Demonstrationen und Kundgebungen für die zivile Seenotrettung im Mittelmeer statt. Anlass sei eine fortwährende Behinderung und Kriminalisierung der zivilen Seenotretter, teilte die internationale "Seebrücke"-Bewegung in Hamburg mit. Veranstaltungen sind in mehr als 80 Städten geplant, darunter in Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Frankfurt am Main, Leipzig und München. Mit den Aktionen unter dem Motto "Notstand der Menschlichkeit" soll auch der Einsatz der Kapitänin der "Sea-Watch 3", Rackete, gewürdigt werden. Sie war mit 40 Flüchtlingen an Bord ohne Erlaubnis der italienischen Behörden in den Hafen der Mittelmeerinsel Lampedusa eingelaufen und verhaftet worden. Mittlerweile ist sie wieder auf freiem Fuß, muss sich aber weiter vor Gericht verantworten.