BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

Deutscher Engagementpreis für "Soko Tierschutz" | BR24

© pa/dpa/Ralf Zwiebler

"Soko Tierschutz"-Gründer Friedrich Mülln

23
Per Mail sharen
Teilen

    Deutscher Engagementpreis für "Soko Tierschutz"

    Ihre Einsätze gleichen denen von Agenten – die Mitglieder der "Soko Tierschutz" schleichen sich nachts in Gebäude, um dort undercover zu filmen. Ihre Mission: Missstände in der Tierhaltung aufdecken. Dafür wird der Planegger Verein nun ausgezeichnet.

    23
    Per Mail sharen
    Teilen

    Anfang Juli hatte die "Soko Tierschutz" Verstöße gegen das Tierwohl in einem großen Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach publik gemacht. Aufnahmen dokumentieren, wie Kühe mit Hüftklammern und Traktoren durch den Stall geschleift und kranke Tiere nicht ausreichend versorgt werden. Die Staatsanwaltschaft schaltete sich ein und ermittelt inzwischen gegen zwei weitere Rinderhalter im Ort. Erst vor wenigen Wochen veröffentlichte die "Soko Tierschutz" Bilder aus einem Tierlabor bei Hamburg. Zu sehen sind Versuche an Katzen, Hunden und Affen. 13.000 Menschen demonstrierten daraufhin, Ende Februar soll das Labor geschlossen werden.

    Der Gründer der Soko Tierschutz, Friedrich Mülln, lebt vegan, seit er 13 Jahre alt ist. Sein Vater arbeitete in der Fleischindustrie und hatte ihm des Öfteren von Gammelfleisch erzählt. Mülln engagiert sich früh für das Tierwohl und arbeitet nach seinem Studium der Politikwissenschaften für eine große Tierschutzorganisation. Die habe sich aber vor allem auf "niedliche" Tiere konzentriert.

    Fokus auf der Massentierhaltung

    Um Puten etwa habe sich dagegen niemand gekümmert, sagt Mülln. Also gründete er 2013 mit der "Soko Tierschutz" einen eigenen Verein, der den Fokus vor allem auf die Massentierhaltung legt. Bei den Einsätzen setzt Mülln immer wieder die eigene Gesundheit aufs Spiel. So wurde er beispielsweise in Ungarn von einem Mann mit einer Axt verfolgt.

    Hin und wieder greifen aber auch militante Tierschützer die Halter an oder bedrohen sie. Derartige Gewalt lehnt die "Soko Tierschutz" kategorisch ab. Man wolle die Ziele auf legalem Wege erreichen, betont Mülln. Kritik an seinem Vorgehen gibt es aber. Viele Landwirte werten heimliche Aufnahmen in ihren Ställen als Einbruch. Mülln sieht darin eher eine Form des zivilen Ungehorsams, denn anders könne man bestimmte Fälle gar nicht dokumentieren, die Gerichte urteilen ähnlich.

    Die "Soko Tierschutz" bemängelt eine zu große Nähe zwischen Landwirten und Landratsämtern, die für die Kontrolle der Halter zuständig sind. Der Verein fordert deshalb Instanzen ähnlich dem Landeskriminalamt, die auf der Ebene des Freistaats angesiedelt sind.