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Deutscher Alpenverein feiert 150. Geburtstag | BR24

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Der Deutsche Alpenverein feiert Geburtstag: 150 Jahre. Mit knapp 1,3 Millionen Mitgliedern ist der DAV nicht nur der größte Bergsportverband der Welt, sondern auch die größte Naturschutzorganisation in Deutschland.

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Deutscher Alpenverein feiert 150. Geburtstag

Der Deutsche Alpenverein hat Geburtstag: 150 Jahre wird er alt. Mit 1,3 Millionen Mitgliedern ist der DAV nicht nur der größte Bergsportverband der Welt, sondern auch die größte Naturschutzorganisation in Deutschland.

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Zu seinem Geburtstag hat sich der Alpenverein selbst ein kleines Geschenk gemacht. "Berge150" heißt die Jubiläumsfilmtour, die Bergfilmklassiker der letzten 90 Jahre in den nächsten Wochen in ganz Deutschland zeigt. Natürlich darf da "Der Berg ruft" nicht fehlen, mit dem unvergessenen Luis Trenker vor und hinter der Kamera. 1938 gedreht, spielt er im Jahr 1865, als sich der Italiener Jean-Antoine Carrel und der Engländer Edward Whymper einen dramatischen Wettlauf um die Erstbesteigung des Matterhorns lieferten. Wie alle anderen Filme des Jubiläumsprogramms erzählt "Der Berg ruft" vom großen Abenteuer in grandioser Landschaft. Um das zu erleben, sind die Menschen von Beginn an in den Alpenverein eingetreten.

Die Gratwanderung zwischen Bergsport und Naturschutz

Der Alpenverein hat beides seit seiner Gründung im Jahr 1869 unterstützt. In den ersten Jahrzehnten hat er vor allem Hütten und Wege in den Bergen gebaut und seine Mitglieder ausgebildet. Lange Zeit stand diese Unterstützung der Menschen beim Besuch der Alpen im Vordergrund der öffentlichen Wahrnehmung. Dass sich der Verein bereits frühzeitig nicht nur die Förderung des Bergsports als Aufgabe in die Satzung geschrieben hat, sondern sich am gleichen Tag im Jahr 1911 auch satzungsgemäß zum Naturschutz in den Alpen verpflichtete, ist dagegen weniger bekannt.

Da diese beiden Vereinsziele immer wieder miteinander konkurrieren, war und ist es für den DAV und seine Mitglieder oft nicht ganz einfach, beiden selbst gesteckten Zielen gerecht zu werden. Denn je mehr Menschen - begeistert von landschaftlicher Schönheit und sportlicher Herausforderung - im Gebirge unterwegs sind, desto größer sind zwangsläufig auch Belastung und Störung der unberührten alpinen Natur.

Kritiker bescheinigen DAV Bewusstseinswandel

In den vergangenen Jahren bekam der Alpenverein immer wieder zu hören, er sei eigentlich nichts anderes als ein "Alpen-ADAC" und fördere letztlich nur den Massentourismus. Einen Vorwurf, den langjährige Kritiker heute so nicht mehr äußern.

"Mittlerweile wird wirklich darauf geachtet, die Leute gut zu kanalisieren, aber eben auch politische Forderungen wie am Riedberger Horn gegen diese Skischaukel massiv nach außen zu tragen und somit führen wir mittlerweile die eine oder andere Demonstration auch schon gemeinsam durch." Michael Pröttel, Vorstandsmitglied Mountain Wilderness Deutschland

"Wir lieben die Berge"

Mit seinem großen und letztlich erfolgreichen Engagement gegen die Skischaukel am Riedberger Horn im Allgäu hat der DAV ein viel beachtetes Zeichen gesetzt. Und er will auch im Jubiläumsjahr weiter aktiv sein. "Wir lieben die Berge, wir schützen die Natur" lautet das Motto der Kampagne, mit der er sich insbesondere gegen den Neubau geplanter Superskischaukeln in Österreich wendet. Dort drohe, so der Alpenverein, eine regelrechte "Aufrüstungsspirale".

Im Wettbewerb um die Gunst der Gäste wollen sich weitere bekannte Skigebiete durch den Neubau von Pisten und Liftanlagen zusammentun. Die geplante Erschließung unberührter Gletscherflächen mit mehreren Kabinenbahnen zwischen Pitztal und Ötztal ist nur ein Beispiel für die Projekte, die der Alpenverein unbedingt verhindern will. Dabei gilt: Gegen bestehende Skigebiete hat er nichts einzuwenden. Ausbau oder gar Neuerschließungen müssten aber tabu sein.

"Wir müssen die Berge schützen, wir fühlen uns als Anwalt der Berge und deswegen werden wir dort auch in den nächsten Jahren ganz aktiv und massiv auftreten, zusammen mit unseren Nachbarvereinen aus Österreich und Südtirol." Josef Klenner, Präsident Deutscher Alpenverein

DAV wächst und wächst

In der schrumpfenden deutschen Vereinslandschaft ist der DAV eine echte Ausnahme. Denn gegen den allgemeinen Trend legt er bei den Mitgliederzahlen jedes Jahr kräftig zu. 2018 betrug das Plus immerhin vier Prozent, wie in den Vorjahren auch traten etwa 30.000 Menschen in eine der vielen Sektionen ein. Am stärksten wachsen übrigens immer noch die Mitgliederzahlen in Ostdeutschland. Dort verzeichnete man mit fast acht Prozent die größten Zuwächse. Gründe dafür gibt es viele.

Schon lange ist das Bergsteigen, anders als in den Zeiten, als noch der Berg mit Luis Trenker rief, keine Männerdomäne mehr. Frauen stellen inzwischen knapp 43 Prozent der Mitglieder. Der Boom neuer Sportarten sorgt für kontinuierlichen Zulauf. Und das eben nicht nur in den gebirgsnahen Regionen. Gerade die vielen Kletterhallen, die es mittlerweile in ganz Deutschland gibt, haben diese alpine Sportart ins Flachland gebracht.

Neue Bergsportarten - neue Herausforderungen

Ähnlich ist die Entwicklung beim Mountainbiking. Das Radfahren im Gebirge ist mittlerweile so beliebt, dass es bereits wieder zu Konflikten zwischen Bergsport und Naturschutz kommt. Die unterschiedlichen Interessen zwischen Radlern, Wanderen, Naturschutz und anderer Nutzergruppen wie Forst- und Almwirtschaft hat der DAV längst erkannt. Im vergangenen Herbst hat er deshalb mehrere Modellprojekte gestartet. Unter dem Titel "Bergsport Mountainbike - nachhaltig in die Zukunft" will er beweisen, dass ein Interessenausgleich möglich ist. Mit anderen Vorhaben wie "Skibergsteigen umweltfreundlich" hat der Alpenverein in der Vergangenheit durchaus bewiesen, dass solch schwierige Gratwanderungen durchaus erfolgreich zu meistern sind.