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Deutsche Einheit: Ein Denkmal für die friedliche Revolution | BR24

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Bildrechte: picture alliance/Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit haben die Spitzen von Staat und Regierung zu Mut und Zuversicht bei der Bewältigung neuer Herausforderungen in der Welt aufgerufen.

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Deutsche Einheit: Ein Denkmal für die friedliche Revolution

Die zentrale Feier zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit in Potsdam fällt etwas kleiner aus. Auch die Einheitsfeier steht im Zeichen von Corona. Bundespräsident Steinmeier regte an, eine Gedenkstätte für die friedliche Revolution zu schaffen.

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Von
  • Daniel Schmidthäussler

Der Ort für die zentrale Feier zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit ist gut gewählt. In Potsdam hatten die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs 1945 den Grundstein für die spätere Teilung Deutschlands gelegt. Darauf weist der amtierende Bundesratspräsident, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke, in seiner Eröffnungsrede hin: "Das hat uns nachhaltig geprägt. Auf beiden Seiten der Elbe. Und lange über 1990 hinaus."

"Ein langer, schwieriger Prozess"

Woidke hob hervor, dass die letzten drei Jahrzehnte "uns einiges abverlangt" hätten und die Suche nach einer gesamtdeutschen Identität "für uns Ostdeutsche ein langer, manchmal schwieriger Prozess" gewesen sei. Viele Junge seien abgewandert. Wer geblieben sei, habe sich in aller Regel neu erfinden müssen, viele seien "geparkt in ABM oder Quali-Maßnahmen" gewesen.

Trotzdem dürfe man mit Blick auf das Gesamtergebnis von 30 Jahren Deutscher Einheit, verglichen mit anderen Ländern, "ins Schwärmen geraten", sagte Woidke und sprach von einem vereinten Deutschland, das lebenswert, erfolgreich und zukunftsfähig sei. "Davon haben wir am 3. Oktober 1990 alle geträumt." Dass dieser Traum in 30 Jahren Wirklichkeit geworden sei, "ist unser gemeinsamer Verdienst".

Steinmeier: 1990 war nicht wie 1871

Auch Bundespräsident Walter Steinmeier lobt in seiner Festaktsrede vor knapp 130 Gästen die Verdienste um die Einheit: "Darauf sind wir an diesem Tag zu Recht stolz!" Keine Pandemie könne einen daran hindern.

Angesichts des bevorstehenden 150. Jahrestags der Gründung des ersten deutschen Nationalstaats zieht Steinmeier einen Vergleich mit dem Deutschen Kaiserreich. Während 1871 die nationale Einheit erzwungen worden sei, "gestützt auf preußische Dominanz, auf Militarismus und Nationalismus", sei die Wiedervereinigung 1990 anders gewesen: "Die Angst hatte die Seiten gewechselt. Eine Staatsmacht war ohnmächtig, weil die Menschen ihr nicht mehr folgten."

Den Demonstranten, die vor wenigen Wochen schwarz-weiß-rote Flaggen vor dem Bundestag geschwenkt hatten, sagt er: "Sie stellen sich in eine Tradition, die nicht für diese Republik steht, nicht für diese unsere Demokratie."

"Viel weiter, als wir denken"

Steinmeier erinnert daran, dass es auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung ein deutliches Lohngefälle zwischen Ost und West gibt und Ostdeutsche in Führungsetagen von Unternehmen, Universitäten, Ministerien und der Bundeswehr unterrepräsentiert seien. Und er fügt hinzu: "Das Gefühl dazuzugehören, auf Augenhöhe wahr- und ernst genommen zu werden, entscheidet sich nicht allein am Gehaltsstreifen." Deutschland sei nicht so weit, wie es sein sollte, aber "viel weiter, als wir denken".

Eine Gedenkstätte für die friedliche Revolution

Seine Rede schließt Steinmeier mit einer Anregung. Er spricht sich für eine Gedenkstätte für die friedliche Revolution in der DDR aus. Wenn diese heute Ermutigung sein könne, "dann schaffen wir doch auch eine Stätte, die an diesen Mut erinnert!"

Brauche Deutschland nicht auch einen "herausgehobenen Ort, mehr als ein Denkmal, der an die wirkmächtigen Freiheits- und Demokratieimpulse der friedlichen Revolutionäre erinnert?", fragte der Bundespräsident. Einen Ort, der daran erinnere, "dass die Ostdeutschen ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen und sich selbst befreit haben". Die friedliche Revolution hätte eine Diktatur zu Fall gebracht. "Das ist eine Sternstunde, die auf ewig Platz in unserer deutschen Demokratiegeschichte hat."

Vier Wochen lange Einheits-Expo

Statt eines ursprünglich geplanten großen Massenevents gab es über vier Wochen in der Potsdamer Innenstadt eine sogenannte Einheits-Expo, deren Finale an diesem Wochenende erfolgt. An den zentralen Feierlichkeiten in Potsdam nehmen neben Steinmeier auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble teil.

Die offiziellen Feierlichkeiten zum 3. Oktober werden jedes Jahr von dem Bundesland ausgerichtet, das den Vorsitz im Bundesrat innehat. Das ist in diesem Jahr Brandenburg.

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