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Deutsche Bischofskonferenz: Wer wird Nachfolger von Marx? | BR24

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Der bisherige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in der katholischen Kirche, Kardinal Reinhard Marx, tritt aus Altersgründen keine weitere Amtszeit mehr an. Seinem Nachfolger hinterlässt er eine Menge Herausforderungen.

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Deutsche Bischofskonferenz: Wer wird Nachfolger von Marx?

Der bisherige Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, verzichtet aus Altersgründen auf eine weitere Amtszeit. Auf seinen Nachfolger warten große Herausforderungen.

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Sie haben Führungsqualität, können gut im Reformprozess der deutschen katholischen Kirche vermitteln und scheuen sich nicht vor der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals? So könnte die Stellenausschreibung für den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) lauten - wenn es denn eine gäbe.

Bei der Besetzung dieses Postens wird wohl ein Hauch von Konklave in der Luft liegen. Der neue Vorsitzende wird nämlich hinter verschlossenen Türen gewählt, bei der Vollversammlung der DBK in Mainz, die am zweiten März begonnen hat. Einen öffentlichen Wahlkampf oder offizielle Kandidaturen gibt es nicht. 

Eine der Baustellen: Der Missbrauchsskandal

Der neue Vorsitzende sollte auf jeden Fall einige Begabungen mitbringen, denn er übernimmt die Führung in schwierigen Zeiten. Matthias Katsch, der Sprecher der Missbrauchs-Betroffenen-Initiative "Eckiger Tisch", weiß, wie groß die Erwartungen vieler Betroffener sind.

"Die Kirche soll und muss die Verantwortung dafür übernehmen, was sie im Leben der Opfer fahrlässig und manchmal auch schuldhaft angerichtet hat, da kann man jetzt nicht mehr dahinter zurück." Matthias Katsch

Katsch fordert auch eine echte Entschädigung der Opfer. Im Herbst 2019, bei der letzten Vollversammlung der Bischofskonferenz, konnten sich die Bischöfe aber nicht auf ein Entschädigungsmodell einigen. Das Thema kommt bei der jetzigen Vollversammlung laut dem Osnabrücker Bischof Franz Josef Bode auf jeden Fall wieder auf den Tisch.

Eine weitere Baustelle: Der Synodale Weg

Auch der gemeinsame Reformprozess von Bischöfen und Laien stellt den neuen Vorsitzenden vor große Herausforderungen. Die 39-jährige Münchnerin Gudrun Lux ist Mitglied der Synodalversammlung. Sie wünscht sich einen Vorsitzenden, der die Forderungen der Laien ernst nimmt.

"Ich erwarte mir einen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, der dazu bereit ist, die heißen Eisen anzugreifen, gemeinsam mit uns Beschlüsse zu fällen und diese dann auch in den Ortskirchen durchzufechten, aber auch nach Rom weiterzugeben." Gudrun Lux, Synodalversammlung

Auch Karin Kortmann geht als Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken den Synodalen Weg mit. Geht man nach ihrer Bewertung des katholischen Reformprozesses, dann wächst das Anforderungsprofil an den Nachfolger von Kardinal Marx noch weiter: persönliche Authentizität als Bischof ist ihrer Einschätzung nach auch gefragt.

"Entweder es gelingt uns jetzt, zu einer ehrlichen, reformorientierten Kirche zurück zu kommen, die alle Gläubigen mitnimmt oder die Kirche wird weiter schrumpfen und in der Bedeutungslosigkeit versinken, was wir alle nicht wollen." Karin Kortmann, Zentralkomitee der Katholiken

Marx bringt die jüngere Generation ins Gespräch für die Nachfolge

Wer also soll die Deutsche Bischofskonferenz in diesen schwierigen Zeiten zusammenhalten, sie führen und sie nach außen repräsentieren? Laut dem bisherigen Vorsitzenden Kardinal Marx, der am Ende einer möglichen zweiten Amtszeit 72 Jahre alt gewesen wäre, sei nun die jüngere Generation an der Reihe.

"Alle, die unter 66 sind, sind jetzt im Rennen oder auch über 66, ich habe keine Vorgabe gemacht. Schauen wir mal. Jeder bringt seine Begabungen mit - ich denke, da ist genug Potenzial da, es können neue Dinge getan werden." Kardinal Reinhard Marx

Drei der möglichen Kandidaten

60 Jahre oder jünger: Damit kämen zumindest drei der bayerischen Bischöfe in Frage:

Der Würzburger Bischof Franz Jung. Bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals sucht er immer wieder das persönliche Gespräch mit Betroffenen. Aber wie steht er zum Reformprozess? Etwa der Forderung vieler katholischer Frauen nach dem Weiheamt?

"Als Bischof muss ich zunächst das Lehramt vertreten und sehe auch die ernste Sorge, die der Papst und auch die Bischöfe haben - auch um die Einheit der Kirche - und dazu gehört, die Anliegen der Frauen ernst zu nehmen und diese Diskussion wirklich zu führen." Bischof Franz Jung

Der Passauer Bischof Stefan Oster ist gelernter Journalist und auch in seiner Rolle als Bischof ist er ein guter Kommunikator geblieben. Er ist theologisch konservativ, aber volksnah und smart. Im Herbst demonstrierte er sogar zusammen mit "Fridays for future".

"Ich habe durch die jungen Leute gelernt, wie dringlich dieses Anliegen ist, und die Dringlichkeit ist mir dadurch deutlicher geworden, dass es so eine große Bewegung gibt und dass die Jugendlichen da angefangen haben, und deswegen gehe ich mit." Bischof Stefan Oster

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer gilt als einer der Konservativsten in der Bischofskonferenz. Er steht dem synodalen Weg skeptisch gegenüber. In Bezug auf die Missbrauchsskandale wehrt er sich dagegen, den Zölibat und die katholische Sexualmoral als Risikofaktoren zu bewerten, wie es die Missbrauchsstudie tut.

"Solche Schlussfolgerungen müssen so lange als unwissenschaftlich und Projektionen gelten, als nicht durch vergleichende Studien mit vergleichbaren Institutionen bewiesen wird, dass es diese katholischen Spezifika sind, die zu den fürchterlichen, beschämenden und viele Kinder und Jugendliche traumatisierenden Taten geführt haben." Bischof Rudolf Voderholzer

Auch ein rotierender Vorsitz wäre denkbar

Für die Leitung der Bischofskonferenz hatte Voderholzer zuletzt einen Vorsitz im Rotationsverfahren vorgeschlagen. Demnach sollen sich die Erzbischöfe alle drei Jahre als Vorsitzende abwechseln, etwa in alphabetischer Reihenfolge der Bistümer – das wäre neu, eine Wahl wäre überflüssig. Allerdings würde das Amt an Gewicht verlieren.

Am Dienstag soll sich herausstellen, wer der Bischofskonferenz in Zukunft vorsteht.

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