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Der Zaun der Weißen Rose – ein bedrohter Erinnerungsort | BR24

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Bildrechte: BR/Axel Mölkner-Kappl

Eines der bekanntesten Bilder der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" wurde an einem Zaun am Münchner Ostbahnhof aufgenommen. Der Zaun steht immer noch, allerdings wohl nicht mehr allzu lange. Er soll einem Bauvorhaben weichen. Es regen sich Proteste.

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Der Zaun der Weißen Rose – ein bedrohter Erinnerungsort

Ein alter, rostiger Zaun neben dem Münchner Ostbahnhof: Bald wird er verschwinden. Doch für die Erinnerung an die Widerstandsgruppe "Die weiße Rose" hat er eine große Bedeutung – hier ist eines der wichtigsten Fotos der Widerstandskämpfer entstanden.

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Von
  • Axel Mölkner-Kappl

Es ist vielleicht das bekannteste Foto der Mitglieder der "Weißen Rose". In Militäruniformen warten die jungen Männer am 23. Juli 1942 in der Nähe des Ostbahnhofs auf ihren Zug an die Ostfront. Dort werden die Medizinstudenten Hans Scholl, Raimund Sammüller und Alexander Schmorell als Sanitätssoldaten eingesetzt. Im Hintergrund steht – an einen Zaun gelehnt - Sophie Scholl, die ihren Bruder und die anderen verabschiedet. Fotografiert hat der Medizinstudent Jürgen Wittenstein. Sieben Monate später wird die Weiße Rose bei einer ihrer Flugblattaktionen in der Münchner Universität entdeckt. Und die Nationalsozialisten ermorden die Widerstandskämpfer.

Das historische Foto der entspannt wirkenden Gruppe in Verbindung mit dem Zaun an der Orleansstraße hat eine große Bedeutung, denn Foto und Zaun sind erhalten und eine lebendige Erinnerung an die Widerstandsgruppe "Weiße Rose". Für Hildegard Kronawitter, Vorsitzende der Weiße-Rose-Stiftung wirken die jungen Menschen vor dem Zaun dem Leben zugewandt, obwohl sie wussten wie dramatisch die Situation ist.

© George (Jürgen) Wittenstein / akg-images
Bildrechte: George (Jürgen) Wittenstein / akg-images

Das bekannteste Foto der Mitglieder der "Weißen Rose" (23. Juli 1942)

Die Baukräne sind angerückt - der Zaun wird bald verschwinden

Erst vor wenigen Jahren rückten der Zaun und seine Bedeutung ins Bewusstsein. Und dennoch wird der Zaun hier bald verschwinden. Denn neben dem Münchner Ostbahnhof sind die Baumaschinen und Baukräne angerückt. In den nächsten Jahren soll auf dem riesigen Grundstück, das der Zaun umgibt, ein neues Wohnquartier mit mehr als 400 Wohnungen entstehen. Schritt für Schritt wird das Areal bebaut und der mehrere hundert Meter lange Zaun wird hier verschwinden.

Hildegard Kronawitter und auch Jörg Spengler (Bündnis 90/Die Grünen), Vorsitzender des zuständiger Bezirksausschusses Au-Haidhausen, suchen nach einer Lösung für den Zaun und wünschen sich zugleich einen weiteren Erinnerungsort an die Weiße Rose in München. Denn davon gibt es nicht viele in München. Der wichtigste Ort ist die "DenkStätte Weiße Rose" am Lichthof der Ludwig-Maximillians-Universität München. Dort hatten Hans und Sophie Scholl am 18. Februar 1943 das sechste Flugblatt der Weißen Rose gegen die Nazi-Herrschaft verteilt. Dabei wurden sie verhaftet und vier Tage später zum Tode verurteilt und ermordet. Auch die Gräber von Mitgliedern der Weißen Rose kann man auf dem Friedhof am Perlacher Forst in München besuchen.

Grünen-Politiker: "Ein weiterer Erinnerungsort ist sehr wichtig"

In einer Zeit, in der es kaum noch Zeitzeugen gibt und in der der Nationalsozialismus verharmlost wird, so Jörg Spengler, sei ein weiterer Erinnerungsort sehr wichtig. Deswegen freut er sich, dass der Investor des großen Bauprojekts mit ein oder zwei Elementen des Zauns einen zentralen Erinnerungsort auf seinem Gelände errichten will. Und die restlichen 160 Zaunelemente sollen Bildungseinrichtungen und Schulen zur Erinnerung zur Verfügung gestellt werden. Viele Schulen in Deutschland tragen den Namen der Geschwister Scholl oder der Weißen Rose.

Bislang ist der historische Ort in München wenig bekannt. Lediglich eine kleine Gedenktafel mit dem historischen Foto von 1942 erinnert an der Fassade des Hauses in der Orleansstraße 61 gegenüber dem Zaun an die Besonderheit des Ortes. Doch das könnte sich ändern, wenn in einigen Jahren der neue Erinnerungsort fertig gestellt und bekannt ist.

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