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Das Bayerische Donaumoos soll renaturiert werden, um den Klimaschutz und die Artenvielfalt zu fördern und Hochwassergefahren zu reduzieren. Denn Moore speichern herausragend viel Kohlendioxid, sind Hotspot der Biodiversität und nehmen Starkregen auf.

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Der Weg zu mehr Klimaschutz in Bayern führt über die Moore

Das Bayerische Donaumoos soll renaturiert werden, um den Klimaschutz und die Artenvielfalt zu fördern und Hochwassergefahren zu reduzieren. Denn Moore speichern ausnehmend viel Kohlendioxid, sind Hotspot der Biodiversität und nehmen Starkregen auf.

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Von
  • Ursula Klement

Moore, in Bayern auch "Moos", "Filz" oder "Ried" genannt, speichern herausragend viel Kohlendioxid, bieten einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten Raum und können und können Starkniederschläge aufnehmen wie ein Schwamm – unter der Voraussetzung, dass sie nicht entwässert und intensiv genutzt werden. Daher kann auch das Bayerische Donaumoos Klimaschutz und Artenvielfalt fördern.

Das größte Niedermoor in Süddeutschland

Ministerpräsident Markus Söder, Umweltminister Thorsten Glauber und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber stellen heute Nachmittag in Langenmoosen die Zukunft des Niedermoores zwischen Ingolstadt, Neuburg an der Donau und Pöttmes vor. Das bayerische Donaumoos ist das größte Niedermoor in Süddeutschland, doch es wird immer kleiner. Die 500 Kilometer Entwässerungsgräben, die das Niedermoor durchziehen, legen die Böden trocken. Sie zersetzen sich - das zum Teil seit Jahrtausenden darin gespeicherte Kohlendioxid entweicht in die Luft.

Mit dramatischen Folgen: Das Donaumoos war ursprünglich einmal 20.000 Hektar groß, inzwischen ist es auf 14.000 Hektar geschrumpft. Und auch die Mächtigkeit des Moorkörpers geht zurück: Der Boden sackt jedes Jahr um ein bis drei Zentimeter ab. So entstehen nach Berechnungen der Hochschule Weihenstephan klimaschädliche Emissionen in Höhe von 400.000 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr.

Oder anschaulicher: Ein Hektar entwässerter Moorboden schadet dem Klima im gleichen Maß wie sechs bayerische Durchschnittsbewohner – mit allem: Heizung, Spazierfahrten, Flugreisen, Trauben aus Südafrika und PC im Dauerbetrieb. Der als "Moorpapst" geltende Wissenschaftler Michael Succow hat vor fünf Jahren gesagt, dass "keines der vielen deutschen Moore heute noch auf so drastische Trockenlegung" ausgerichtet sei wie das bayerische Donaumoos.

Was bringt eine Wiedervernässung?

Naturnahe Wasserverhältnisse - das heißt, das Grundwasser reicht bis ungefähr eine Handbreit unterhalb der Bodenoberfläche – nutzen der Umwelt vielfach. 25 bis 30 Tonnen Kohlendioxid pro Hektar oder noch größere Einsparungen seien möglich, wenn man Niedermoore komplett renaturiert, also wiedervernässt und möglichst extensiv nutzt, so Matthias Drösler, Professor an der Hochschule Weihenstephan. Dabei steigt innerhalb von Monaten und Jahren auch die Artenvielfalt: Es wächst zum Beispiel wieder mehr Wollgras und die Sumpfstendelwurz, eine Orchideenart. Man hört wieder Vögel wie Wasserrallen, Blaukehlchen oder Bekassinen.

Wiedervernässte Moorflächen sind darüber hinaus sehr effiziente Hochwasserspeicher, weil sie Starkniederschläge wie ein Schwamm aufnehmen können. Doch eine Wiedervernässung bringt auch große Herausforderungen für die Landwirtschaft mit sich. Die Bauern müssen umsteigen, mehr Grünland bewirtschaften, können keine Mooskartoffeln und keinen Biogasmais mehr anbauen. Alternativen könnten die Kultur von Dämmstoffen, Papiergras oder zum Beispiel Torfersatz sein.

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Das Bayerische Donaumoos soll renaturiert werden, um den Klimaschutz und die Artenvielfalt zu fördern und Hochwassergefahren zu reduzieren. Denn Moore speichern herausragend viel Kohlendioxid, sind Hotspot der Biodiversität und nehmen Starkregen auf.

Auch die Weidehaltung von Rindern, Pferden und Schafen, die auf nasse Standorte angepasst sind wie zum Beispiel Hochlandrinder, Wasserbüffel und Exmoorponies, kommt in Frage. Zusätzlich zu den Moorschnucken, Murnau-Werdenfelser Rindern und den Wisenten, die bereits im bayerischen Donaumoos grasen. Diese Varianten der Landnutzung haben, so unterschiedlich sie sind, eine Gemeinsamkeit: Sie rentieren sich bislang nicht. Doch eigentlich gibt es keinen Grund, weshalb Bauern, die das Klima schützen und die Artenvielfalt fördern, weniger Geld verdienen sollten als ihre Kollegen, die Zuckerrüben anbauen.

Will die bayerische Politik mehr Moor wagen?

Bis 2004 wurde in Bayern an einzelnen Standorten Torf im industriellen Rahmen abgebaut. Bayerische Naturschutz- und Forstbehörden führen schon seit den 1980er Jahren auf Teilflächen in einzelnen Mooren Renaturierungen durch. Zuerst ging es dabei vor allem um den Artenschutz. Den Klimaschutz hatte man damals noch nicht im Blick. Heute weiß man: Die Moore, die weltweit insgesamt nur drei Prozent der Landfläche ausmachen, speichern doppelt soviel Kohlendioxid wie alle Wälder der Erde.

Das bayerische Klimaschutzprogramm KLIP, erstmals 2007 beschlossen, sieht vor, dass die Emissionen aus Mooren reduziert werden und ihre Funktion als CO2-Senken erhalten wird. Fachleute bemängeln jedoch, dass die finanzielle und personelle Ausstattung ungenügend ist. So heißt es zum Beispiel in einer Veröffentlichung der Bayerischen Akademie für Naturschutz von 2020, dass beim Personal die nötige Kontinuität fehle, aufgrund von "schwierigen Dienstverhältnissen mit kurzfristigen Verlängerungen".

Vielleicht ändert sich das in Zukunft, nachdem der Klimaschutz im Wahlkampf eine größere Bedeutung bekommen hat.

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Weniger CO2 in Bayern dank der Moore! Was jahrelang unterschätzt wurde: Moore leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zum Erhalt der Artenvielfalt. Stattdessen wurden sie trockengelegt und verkleinert. Aber Bayern will umsteuern.

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