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Der Skandal um das Hormonpräparat Duogynon | BR24

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Duogynon

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    Der Skandal um das Hormonpräparat Duogynon

    Sie haben Herzfehler, Wasserköpfe, offene Rücken. In den 60er und 70er Jahren wurden in Deutschland hunderte missgebildeter Kinder geboren. Allen war gemeinsam, dass ihre Mütter Duogynon als Schwangerschaftstest verwendeten. Von Christian Stücken

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    Auch die Mutter von André Sommer nahm das Hormonpräparat im Jahr 1975. Duogynon, ein Medikament der Firma Schering. Hoch konzentrierte Hormone, als Spritze oder Dragees. Es war auf den Markt gekommen als Mittel gegen Menstruationsstörungen und als Schwangerschaftstest.—

    Wenn eine Frau nach der Einnahme keine Blutung bekam, war sie schwanger. Soweit, so gut. Doch was mit den Föten im Bauch geschah, darüber dachte niemand nach. André Sommer kam 1976 mit einer sogenannten Blasenextrophie auf die Welt.

    "Keine wissenschaftlichen Erkenntnisse bekannt"

    15 Mal wird Sommer operiert. Bis heute leidet er unter den Missbildungen. Wie viele Betroffene kämpft er seit Jahren um Anerkennung - gegen einen riesigen Pharma-Konzern, die Schering AG und ihren Nachfolger BAYER. Der Konzern stellt sich auf den Standpunkt, dass ein Zusammenhang zwischen der Einnahme von Duogynon und den Missbildungen niemals bewiesen wurde. Schriftlich teilt Bayer mit, es seien keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse bekannt, die die Gültigkeit der damaligen Bewertung in Frage stellten.

    Doch vieles deutet darauf hin, dass es sich um einen der größten Pharma-Skandale der Bundesrepublik handelt. Denn jetzt sind Akten aufgetaucht, die zeigen: Schering wusste, dass Duogynon möglicherweise zu Missbildungen führt. Doch der Konzern verdient Millionen mit Duogynon und vertreibt das Präparat weiter. Nachdem 1967 Studien auf einen Zusammenhang zwischen Duogynon und Missbildungen hinweisen, wird das Mittel in England als Schwangerschaftstest verboten. In Deutschland geschieht nichts. Schering bekommt Hilfe von einer Behörde, die damals eigentlich für Arzneimittelsicherheit zuständig ist, das Bundesgesundheitsamt (BGA). Das enthüllen Recherchen des BR-Politikmagazins Kontrovers.

    Mittlerweile haben sich bei Sommer Hunderte Betroffene gemeldet. Sie sind vor Gericht gegangen. Bislang aber muss niemand Verantwortung für diesen Pharmaskandal übernehmen.