Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Der Papst ein Götzendiener? Kritiker distanzieren sich von Brief | BR24

© BR

Der Papst und Pachamama

49
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Der Papst ein Götzendiener? Kritiker distanzieren sich von Brief

Der Papst soll öffentlich Buße tun – das fordert eine internationale Gruppe konservativer Katholiken. Bei der Amazonas-Synode in Rom habe er die Kultfigur Pachamama angebetet. Damit habe er die Kirche des Apostels Petrus entweiht, so der Vorwurf.

49
Per Mail sharen
Teilen

Die Vorwürfe wiegen schwer: Gotteslästerung, Götzendienst und Verstoß gegen die heiligen Gesetze der Kirche. Der Beschuldigte: Das Kirchenoberhaupt höchstpersönlich, Papst Franziskus. Die Ankläger: Der oder die anonymen Verfasser eines Protestbriefes im Netz und knapp einhundert Unterzeichner, darunter einige bekannte Stimmen aus dem reaktionären katholischen Spektrum. Stein des Anstoßes: Eine schlichte Holzfigur. Genauer, die Darstellung einer nackten schwangeren Frau.

Stein des Anstosses: Pachamama

Vertreter der indigenen Bevölkerung Amazoniens hatten sie im Oktober mit nach Rom gebracht, zur Synode, bei der die Bischöfe über die Zukunft der Kirche im bedrohten Amazonasgebiet berieten. Indem Franziskus diese Figur würdigte, so seine Kritiker, habe er eine "heidnische Göttin" angebetet, die Mutter-Erde-Figur Pachamama.

"Diese Skulpturen sind Götzen in meinen Augen." Alexander Tschugguel

Der 26-jährige Österreicher Alexander Tschugguel hat den Protestbrief zwar nicht unterschrieben, unterstützt den Inhalt aber voll und ganz. Während der Synode hatte er für Schlagzeilen gesorgt. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hatte er die Skulptur aus einer römischen Kirche entwendet und in den Tiber geworfen.

"Vor diesen Statuen hat man sich niedergeworfen in den vatikanischen Gärten. Das ist etwas, was wir ganz entschieden ablehnen müssen und solche Statuen sind ein ganz klarer Verstoß gegen das 1. Gebot, was eben sagt, du sollst keine anderen Götter haben und in der Langform auch sagt, man soll sich vor allem vor den anderen Göttern nicht niederwerfen. Genau das ist geschehen und genau deshalb war es der richtige Schritt diese Statuen aus der Kirche zu entfernen." Alexander Tschugguel

Viel Lärm um nichts, meint dagegen Regina Reinart, Brasilien-Referentin des Hilfswerks misereor. Sie hat an der Amazonas-Synode teilgenommen und stellt klar: Die Behauptung Franziskus habe eine Pachamama-Figur verehrt, sei schlicht falsch.

"Diese Holzfigur war Teil einer Amazonien-Szene, die vor Ort dann dargestellt worden ist. Es handelt sich also um keine Pachamama und es ist somit auch gar kein Götzendienst, das muss auch mal klipp und klar gesagt werden. Es handelt sich um ein Symbol des Lebens und der Hoffnung, des Lebens und um keine Pachamama." Regina Reinart, Brasilien Referentin des Hilfswerks misereor

Kirche muss indigene Völker schützen

Papst Franziskus habe auf der Synode klargemacht, dass die Kirche Verantwortung übernehmen müsse, für den Schutz der indigenen Völker und der Natur im Amazonasgebiet. Der Papst beziehe sich hier auf das zweite Vatikanische Konzil, auf längst verabschiedete Dokumente, so Reinart. Ihm gehe es um den Dialog mit verschiedenen Kulturen, um die Evangelisierung. Ihm sei es ein Anliegen, die Andersartigkeit und die Vielseitigkeit auch zu erfahren, so Reinart weiter.

Von der Protestaktion gegen Franziskus distanziert, hat sich auch der Regensburger Bischof Rudolph Voderholzer. Dieser wird in dem offenen Protest-Brief im Netz nämlich als Gewährsmann für die Kritik am Papst genannt, neben den deutschen Kurienkardinälen Gerhard Ludwig Müller und Walter Brandmüller sowie dem US-Kurienkardinal Raymond Burk – alle drei routinierte Papstkritiker. Bischof Voderholzer hatte sich zuletzt in einer Predigt Ende Oktober kritisch über den Kurs von Franziskus geäußert: In einem Statement, das dem BR vorliegt, schreibt Voderholzer nun:

"Die (…) Vorwürfe gegen Papst Franziskus weise ich entschieden zurück. Mit meiner Predigt beteilige ich mich an dem Ringen um den richtigen Weg der Kirche. Das übergeordnete Ziel dabei ist die Einheit der Christen (…). Vorwürfe, Anschuldigungen oder gar Verurteilungen des Heiligen Vaters mit Internetaktionen gehen an der Sache vorbei und sind nicht der Weg, der zu diesem Ziel führt. Sie sind deshalb auch nicht mein Weg." Rudolph Voderholzer, Bischof

Thurn und Taxis zieht Protest zurück

Einen Rückzieher machte daraufhin auch Gloria von Thurn und Taxis, die den in der Kritik stehenden Protest-Aufruf gegen Franziskus als eine der Ersten namentlich unterzeichnet hatte. Gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung sagte die bayerische Fürstin, sie sehe sich genötigt ihre Unterschrift zurückzuziehen - angesichts der Reaktion ihres Regensburger Ortsbischofs Voderholzer.

Ursprünglich habe sie aus "echter Besorgnis" heraus gehandelt. Diese formulierte sie im Interview mit einem katholischen US-Internet-Blog recht drastisch. Sie sprach darin von "geschmacklosen Hula-Hula-Tänzen" im Vatikan, die "etwas Teuflisches" an sich gehabt hätten. Regina Reinart von misereor sieht den Aufschrei im erzkonservativen Spektrum gelassen. Darin zeige sich zwar die Angst vor einem Wandel in der Kirche. Doch den hätte die Mehrheit der Synoden-Teilnehmer im Vatikan eingeleitet.