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Zahlreiche Menschen gehen auf dem Krupowki, einer Einkaufsstraße in Zakopane, spazieren und feiern die Lockerungen.

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Der Ischgl-Moment für Polen? Nach der Großparty in Zakopane

Polen lockert immer weiter. Die Menschen hätten gelernt, mit Corona umzugehen, sagt der polnische Gesundheitsminister. Doch die Bilder aus den Skigebieten zeigen das Gegenteil: Party Nonstop – ohne Masken und Abstand, aber mit viel Alkohol.

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Von
  • Ines Schneider
  • Jan Pallokat
  • BR24 im Radio

Polen lockert – und die Menschen feiern, hemmungslos und ohne Schutz. Touristen, die die Skigebiete rund um Zakopane stürmen ebenso wie Einheimische, die nachts die Einkaufsmeile "Krupowki" zu Partyzone erklären. Bilder und Filme davon wurden ins Netz gestellt und gelangten auch ins Fernsehen - Szenen wie aus einem Lehrfilm, wie man es eben nicht macht zu Corona-Zeiten.

Ansturm auf das Einkaufszentrum in Zakopane

Im gerade erst wieder eröffneten Skiort Zakopane drängte sich am Wochenende eine wachsende Besuchergruppe vor einem Einkaufszentrum um einen Gitarristen und schunkelte im Takt. Viele hatten noch Pistenschnee auf der Mütze. Die Menschen standen dicht an dicht, oft ohne Schutzmaske und sangen den Text eines bekannten polnischen Schlagers. Die Aufnahmen davon sendeten Schockwellen durch Polen. Alle Nachrichtensendungen brachten sie.

Politiker und Ärzte reagieren entsetzt

Gesundheitsminister Adam Niedzielski, der die jüngsten, vorsichtigen Lockerungen auch damit begründet hatte, dass die Polen vorsichtig seien und gelernt hätten, mit der Pandemie umzugehen, fehlten die Worte.

"Was wir am Wochenende beobachtet haben, vor allem die Bilder aus Zakopane, das ist schwer zu kommentieren. Ich möchte nicht, dass Zakopane und die Krupowki-Straße den Anfang der dritten Welle in Polen bedeutet." Polens Gesundheitsminister Adam Niedzielski

Aus dem ersten Lockdown nichts gelernt: Ein Rückfall zeichnet sich ab

Schon im Sommer, als Politiker der regierenden PiS-Partei verfrüht behaupteten, Corona sei besiegt, fielen die Menschen in den Urlaubsorten an der Ostsee durch Sorglosigkeit auf. Das bereitete womöglich den Boden für die zweite, auch in Polen viel heftigere Corona-Welle – mit so vielen Toten, dass gegen Jahresende doppelt so viele Menschen ins Sterberegister Eingang fanden wie im Durchschnitt der letzten Jahre.

Nach Schließung von Restaurants, Hotels und Fitnesszentren im Herbst fielen die Zahlen wieder: Auf eine 7-Tage-Inzidenz von aktuell gut hundert. Erst in den letzten Tagen stieg die Zahl der gemeldeten Fälle wieder leicht, aber doch erkennbar, an.

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Touristen feiern in Zakopane den Valentinstag

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Menschenansammlungen in Zakopane nach den Lockerungen

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Skifahrer stehen an einem Lift in Zakopane

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Party auf den Straßen von Zakopane

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Skifahren in Zakopane

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Caravans auf einem Parkplatz im Skigebiet von Zakopane

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Skitouristen in Zakopane

Vorsichtige Öffnung unter Auflagen – die nicht eingehalten werden

Zuvor hatte die Regierung vorsichtige Öffnungsschritte gewagt. Einkaufsparadiese und Museen etwa sind seit Anfang des Monats wieder auf. Nun eben auch Kinos, Theater oder Skilifte – unter Auflagen. Für deren massenhafte Nichteinhaltung wurde nun aber das Geschehen rund um die Zakopane-Ausgehmeile Krupowki zum Symbol. Die Polizei schritt ein, es gab mehrere Festnahmen und Dutzende Bußgeldbescheide.

Michal Sutkowski, Vorsitzender der Warschauer Hausärztekammer, sagte, er sei "angewidert und traurig. Der Karneval von Rio wurde abgesagt, also sollte es auch keinen Karneval von Krupowki geben. Das zeugt von äußerst unverantwortlichem Verhalten. Vielleicht werden die Menschen nicht selbst krank, aber sie schleppen das Virus nach Hause und stecken ihre Eltern und Großeltern an."

Sozialpsychologin: "Man hätte es kommen sehen können"

Im Sender TOK FM wandte die Sozialpsychologin Krystyna Skarzynska ein, dass man es hätte kommen sehen können.

"Ich habe mich nicht besonders gewundert. Man muss erst die Situation und dann die Menschen beurteilen. Und die war so: Etwas hat sich plötzlich geändert, man konnte auf einmal wieder legal reisen, Skifahren und übernachten. Die Menschen sind hungrig nach Kontakten. Hinzu kam: Die Studenten haben Semesterpause, der Winter ist schön weiß, die Finanzlage ist nicht tragisch, und es war Valentinstag." Krystyna Skarzynska, Sozialpsychologin

Konsequenzen nach den ausufernden Partys zeichnen sich ab

Michal Dworczyk, Kanzleichef beim Ministerpräsidenten und eine Art Sonderbeauftragter für den Anti-Corona-Kampf in Polen, erinnert daran, dass die Lockerungen nur testweise probiert worden seien und bei erneuter Verschärfung der Lage sofort wieder zurückgenommen werden könnten.

Wohl nur eine Frage der Zeit.

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