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Der Handwerksmeister soll auch "Bachelor Professional" heißen | BR24

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Schreinermeister Ghulum Ali Hazara aus Förrenbach

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Der Handwerksmeister soll auch "Bachelor Professional" heißen

Geht es nach dem Willen der Bundesbildungsministerin, sollen sich Handwerksmeister ab Januar 2020 zusätzlich "Bachelor Professional" nennen dürfen. Das führt zu heftigem Streit. Am 29. November wird der Bundesrat endgültig darüber entscheiden.

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Ziel war es, das Handwerk aufzuwerten: Abschlüsse sollen künftig die Bezeichnungen "Geprüfte/r Berufsspezialist/in" (Geselle), "Bachelor Professional" (Handwerksmeister) oder "Master Professional" (Fachwirt) tragen. Nachdem der Bundestag dem Vorhaben zugestimmt hatte, wurde es im Bundesrat aber abgelehnt. Nun berät der Vermittlungsausschuss darüber.

An diesem Freitag wird in einer Bundesratssitzung endgültig darüber abgestimmt. Das neue Gesetz soll bereits am 1. Januar 2020 in Kraft treten.

Aufwertung für das Handwerk

Die Gleichwertigkeit von beruflicher Fortbildung und Studium werde dadurch verdeutlicht, argumentiert die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek. Eine Verwechslung mit hochschulischen Abschlüssen werde durch den Zusatz "Professional" ausgeschlossen, so die CDU-Ministerin.

"Die Entscheidung zwischen beruflicher Aus- und Fortbildung oder Studium ist keine Frage eines Mehr oder Weniger. Es ist eine Auswahl zwischen zwei gleichwertigen Wegen zum beruflichen Erfolg." Bundesbildungsministerin Anja Karliczek

Weil die neuen Bezeichnungen international verständlich seien, würden sie die Mobilität für berufliche Aufsteigerinnen und Aufsteiger fördern. Zur Umsetzung hat Karliczek eine Novelle für das Berufsbildungsgesetz, BBIG, eingebracht.

"Die berufliche Bildung in Deutschland gehört zu den erfolgreichsten Qualifizierungssystemen weltweit. Mit der BBiG-Novelle werden wir ihre Attraktivität weiter steigern. Das sichert die Fachkräfteausbildung in unserem Land." Bundesbildungsministerin Anja Karliczek

Bayern lehnt Zusatzbezeichnung ab

Der Vorschlag der Bundesbildungsministerin stößt nicht überall auf offene Ohren. Die Kultusministerkonferenz hat sich gegen die neuen Zusatzbezeichnungen ausgesprochen. Auch Bayerns Minister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler (CSU), lehnt die neuen Titel, wenn auch mit freundlichen Worten, ab.

"National wie international werden die Begriffe 'Bachelor' und 'Master' mit einem Hochschulabschluss assoziiert. Aus Sicht des Wissenschaftsministeriums sollte darauf geachtet werden, dass die unterschiedlichen Profile von in hochschulischer und beruflicher Bildung erworbenen Kompetenzen nicht eingeebnet werden und Unsicherheiten oder Unklarheiten entstehen." Sprecher des bayerischen Wissenschaftsministeriums gegenüber dem BR

Eine Gleichstellung von handwerklicher und akademischer Ausbildung findet die Handwerkskammer Mittelfranken grundsätzlich gut. Beim Verbraucher führe das jedoch eher zu Verwirrungen, wenn sich ein Handwerksmeister plötzlich "Bachelor Professional" nennen würde. Der Titel "Meister" sei ein Garant für eine gute Leistung. "Jeder kennt die hohen Ansprüche, die bei einer Meisterprüfung abverlangt werden", so Matthias Braun von der Handwerkskammer Mittelfranken.

Akademiker zeigen sich skeptisch

Skeptisch zeigen sich auch die Hochschulrektorenkonferenz und der Verein Deutscher Ingenieure: "Die neuen Bezeichnungen werden nicht die vom Gesetzgeber beabsichtigten Transparenz bringen. Vielmehr werden sie zu Verwirrung führen, denn die Begriffe 'Bachelor' und 'Master' werden in Deutschland eindeutig mit dem akademischen Bildungsweg assoziiert," heißt es.

Christine Degenhart, Präsidentin der bayerischen Architektenkammer, lehnt die Umbenennung ebenfalls ab: "Interessierte junge Menschen und Arbeitgeber werden wegen der ähnlichen Darstellung völlig unterschiedlicher Kompetenzen erheblich verunsichert. Das gleiche gilt für den Verbraucher."

Dass eine Umbenennung nur in bestimmten Fällen wirklich die Attraktivität des Berufs steigere, zeige sich dagegen am Beispiel der Automechaniker, die jetzt "Kfz-Mechatroniker" heißen. Innerhalb eines Jahres (2017 zu 2018) sei die Zahl der Auszubildenden bayernweit wieder um 400 gestiegen. Der Mechatroniker ist auf Platz 2 der beliebtesten Ausbildungsberufe (2018), so die Auswertung des Statistischen Bundesamtes. Die Umbenennung der Verkäuferin zur Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk habe hingegen nichts gebracht, so Braun weiter. In der Beliebtheit rangiert die Ausbildung auf Platz 8. Die Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk Fleischerei liegt in der Beliebtheit sogar nur auf Platz 13.

Angestrebt wird das Abitur und der Uniabschluss

Der Druck auf Kinder und Eltern ist hoch. Viele versuchen ihren Sprösslingen ein Abitur zu ermöglichen. Die Schülerzahl mit diesem Abschluss hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die Hauptschule wird immer mehr abgehängt.

In Deutschland beginnt eine steigende Zahl an Menschen hochqualifizierte Bildungsgänge. Laut Statistischem Bundesamt haben 2017 sechs von zehn Menschen eines Altersjahrgangs ein Hochschulstudium oder ein hochqualifiziertes Bildungsprogramm, wie die Meisterausbildung, aufgenommen. Seit 2006 hat sich diese Quote bundesweit von 43 Prozent auf 60 Prozent erhöht.

"In den Sechzigern haben 65.000 Menschen in Westdeutschland Abitur gemacht. Seit 2011 haben wir zwischen 470.000 und 500.000 Abiturienten. Wir haben einen großen Bildungsaufstieg, aber wir müssen uns mit den Kindern unten, auch mit einem Teil der Zuwandererkinder, befassen, damit wir ihnen Mindestchancen geben", erklärt Bildungsjournalist Christian Füller.

Die Zahl der Auszubildenden geht bundesweit immer weiter zurück. Innerhalb von zehn Jahren sank sie um rund 300.000. Traten im Jahr 2008 noch rund 1,6 Millionen junge Menschen eine Ausbildung an, so waren es in Deutschland 2018 noch rund 1,3 Millionen.

💡 Duales und Triales Studium

Schon heute ist es möglich eine Berufsausbildung und ein Studium gleichzeitig zu absolvieren. Bei einem dualen Studium wird sowohl eine Ausbildung als auch ein Bachelor-Abschluss in einem Studienfach kombiniert. Bei einem trialem Studium erlangt derjenige gleich drei Abschlüsse: einen handwerklichen Abschluss, den Meisterbrief und einen betriebswirtschaftlichen Bachelor. Der Vorteil eines solchen trialen Studiums ist es, dass die Abschlüsse nicht wie normal in acht bis neun Jahre erlangt werden können, sondern in der Regel in viereinhalb bis fünf Jahren.

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