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Der Gesundheitsminister rät: Fragen Sie Dr. Google | BR24

© picture alliance/Wolfgang Kumm/dpa

Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister, und Philipp Justus (l), Vice President Google Zentral-Europa.

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    Der Gesundheitsminister rät: Fragen Sie Dr. Google

    Wer im Internet nach Krankheiten sucht, landet schnell auf dubiosen Seiten. Aus leichten Bauchschmerzen wird Krebs, andere sogenannte "Experten" raten zur Selbstheilung. Ändern soll dies eine Kooperation von Bundesgesundheitsministerium und Google.

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    Von
    • Anita Fünffinger

    Nahezu jeder Hausarzt rät davon ab, und dennoch hat es fast jeder Patient schon einmal getan: im Internet nach Krankheiten oder Symptomen gegoogelt. Die Antworten sind nicht immer befriedigend, manchmal sogar gesundheitsschädlich.

    Google soll Gesundheitsportal des Bundes hervorheben

    Suchanfragen funktionieren immer nach dem gleichen Prinzip: was ganz oben steht, wird am meisten geklickt. Kein Mensch arbeitet sich durch dutzende Links. Diese Art von Windhundprinzip hat das Gesundheitsministerium erkannt. Künftig soll in Deutschland beim Googeln von Krankheiten das Gesundheitsportal www.gesund.bund.de prominent zu sehen sein.

    Die Seite informiert derzeit über 160 Krankheiten. Gesundheitsminister Jens Spahn nennt bei der Vorstellung des Portals häufiger das Beispiel Migräne. Wer dieses Stichwort googele, erhalte "ab sofort hervorgehoben verlässliche und objektive Informationen".

    Link zum Gesundheitsportal erscheint in den Infokästen

    Der Google-Algorithmus hat also bestimmte Stichwörter für Krankheiten aufgenommen, damit er auf das Gesundheitsportal des Bundes verweisen kann. So erscheinen bei der Suche nach dem Stichwort "Migräne", bei den Links weiterhin zuerst Webseiten von Aspirin oder Netdoktor. Die Seite www.gesund.bund.de ist rechts in den Infokästen zu finden und nicht, wie der Gesundheitsminister bei der Vorstellung anpreist, "ganz oben" bei den Suchergebnissen.

    Datenschutz? Googeln ist nie privat

    Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat keinerlei Sorgen, dass der Milliardenkonzern Google aus den Suchbegriffen Kapital für sich schlagen könnte. "Google ist keine Patientenakte", sagt der CDU-Minister. Wer heute das Stichwort Migräne googele, gebe genauso viele Informationen von sich preis wie vorher, als es das Portal des Bundes noch nicht gab. Welche Begriffe in die Suchmaschinen eingegeben werden, entscheiden immer noch die Nutzer, nicht die Internetkonzerne.

    Der Vizepräsident von Google Zentral-Europa Philipp Justus, betont, es würden keine personenbezogenen Daten weitergegeben. Jens Spahn sagt, andere Suchmaschinenanbieter seien herzlich eingeladen, auch mitzumachen. Die Kooperation sei nicht auf Google beschränkt.

    Spahn: Zu viele Gesundheitsdaten sickern in WhatsApp

    Der Bundesgesundheitsminister verspricht, Gesundheitspolitik werde auch weiterhin nicht Konzernen wie Google überlassen. Formate wie eine elektronische Patientenakte zum Beispiel müssten anderweitig entwickelt werden.

    Spahn klagt aber auch, dass zwar viele Menschen ihrer WhatsApp-Gruppe ohne Sorge Persönliches mitteilten wie: "Ich hab' heute Grippe." Sobald in Deutschland aber beispielsweise ein Forschungsdatenzentrum entwickelt werden soll, werde skandalisiert und auf den Datenschutz verwiesen.

    Was hat Google davon?

    Der Internetriese Google lebt davon, Geld mit Daten zu verdienen. Das eigentliche Geschäftsmodell soll bei dieser Kooperation jedoch keine Rolle spielen. Philipp Justus sieht den Mehrwert für seine Firma darin, "dass wir unseren Nutzern relevante und vertrauenswürdige Informationen zur Verfügung stellen wollen." Gleichzeitig betonte er, es gebe "bei Billionen von Webseiten im Netz unendlich viel, was wenig vertrauenswürdig ist."

    Google versuche daher, im Gesundheitsbereich Seiten im Ranking nach oben zu bringen, deren Inhalte auf Forschung beruhen. Tatsache bleibt aber auch: Gerade beim Suchwort "Migräne" erscheinen zunächst Verweise auf Aspirin und die Apotheken-Umschau, also kommerzielle Anbieter.

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