BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

Der Fall Assange: Was die USA ihm vorwerfen | BR24

© pa/dpa/Dominic Lipinski

Julian Assange

2
Per Mail sharen
Teilen

    Der Fall Assange: Was die USA ihm vorwerfen

    Vor einem Londoner Gericht hat der Auslieferungsprozess gegen den Wikileaks-Gründer Julian Assange begonnen. Die US-Justiz dringt auf seine Überstellung. Aber was werfen die Amerikaner ihm genau vor?

    2
    Per Mail sharen
    Teilen

    Für die Auslieferung hatte sich das US-Justizministerium zunächst nur auf einen einzigen Vorwurf konzentriert: Verschwörung. Julian Assange habe der Computeranalystin und Informantin Chelsea Manning geholfen, ein Passwort zu knacken. Mittlerweile ist der Wikileaks-Gründer aber in 18 Punkten angeklagt worden. 17 davon fallen unter ein Gesetz gegen Spionage.

    Die Trump-Administration stellt damit die Arbeit von investigativen Journalisten grundsätzlich in Frage. US-Politiker, wie der frühere Minister für Heimatschutz, Jeh Johnson, erklären dagegen: Assange sei gar kein Journalist.

    "Es gibt die Behauptung, dass sein Handeln einer legitimen journalistischen Tätigkeit entsprach", so Johnson." Aber was einen Journalisten ausmacht, ist eine komplexe Frage in Zeiten des Internets. Also für mich ist er kein Held." Jeh Johnson, früherer US-Heimatschutzminister

    Kriegsdokumente und Clinton-E-Mails

    Die US-Justiz will Assange zur Verantwortung ziehen, ohne dabei die eigene Blamage zu sehr aufzurollen: 2010 veröffentlichte die Internet-Plattform Wikileaks Dokumente über die Gräuel der US-geführten Kriege im Irak und in Afghanistan.

    Es folgten Unterlagen über die Abhörpraxis der Geheimdienste, über den systematischen Bruch der Privatsphäre. Und schließlich stellte Wikileaks im US-Wahlkampf 2016 die besagten E-Mails von Hillary Clinton und anderen Demokraten ins Netz.

    Trump war - zumindest in einem Fall - Wikileaks-Fan

    Bei Assanges Festnahme im vergangenen Jahr in London hatte US-Präsident Trump zunächst ungewohnt zurückhaltend reagiert: "Ich habe gesehen, was mit Assange passiert ist. Aber die Entscheidung liegt, glaube ich, größtenteils beim Justizminister. Ich weiß nichts darüber. Das beschäftigt mich nicht", so der Präsident damals.

    Das Gegenteil ist der Fall: Im Wahlkampf 2016 zitierte Trump ausführlich aus den Veröffentlichungen von Wikileaks. Wie eine Fundgrube seien die E-Mails seiner Kontrahentin Hillary Clinton, rief Trump damals begeistert. Ein Sonderermittler musste später sogar dem Verdacht nachgehen, das Trump-Wahlkampfteam sei an der Veröffentlichung der E-Mails beteiligt gewesen.

    Bestätigt hat sich der Vorwurf nicht. Eine Sprecherin des Weißen Hauses wies zudem vergangene Woche die Anschuldigung zurück, Trump habe Assange Amnestie zugesichert und im Gegenzug verlangt, dass der Wikileaks-Gründer erklärt, Russland habe mit den E-Mails der US-Demokraten nichts zu tun.