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Der Fake-Klassiker vom geplünderten Weihnachtsbaum | BR24

© Screenshot/BR

Unter dem Titel "Muslime zerstören Weihnachtsbaum" verbreitet sich das Fake-Video in diesen Tagen rasant.

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    Der Fake-Klassiker vom geplünderten Weihnachtsbaum

    Zerstören Flüchtlinge einen Weihnachtsbaum im Einkaufszentrum? Das zumindest soll ein Video beweisen, das derzeit in sozialen Netzwerken herumgereicht wird. Journalisten machten bereits seit 2016 darauf aufmerksam, dass das Video ein Fake ist.

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    Pünktlich zur Weihnachtszeit taucht das Video wieder auf: In einem Einkaufszentrum klettern mehrere Menschen auf einen Weihnachtsbaum. Sie entfernen die Dekoration und werfen sie den umher stehenden Menschen zu, darunter auch Frauen mit Kopftüchern. Es sind laute Geräusche im Hintergrund zu hören, Schreie und Pfiffe. Eine Frauenstimme aus dem Off beschreibt angeblich "dramatische Szenen in einem Kaufhaus in Europa" und will vermitteln: Flüchtlinge würden Weihnachtsartikel zerstören, weil sie mit dem Islam nicht vereinbar seien.

    Schon vor Jahren als Fake entlarvt

    Das Video wird derzeit auf Facebook, WhatsApp und YouTube verbreitet - auch wenn es Journalisten schon vor Jahren als Fälschung entlarvt haben. Darunter die US-amerikanischen Faktencheck-Seiten Snopes und Truth or Fiction, die französische Zeitung Le Monde, die Faktenprüfer vom Recherchezentrum Correctiv und einige mehr.

    Ist das Video aktuell?

    Von wann das Video stammt, kann man relativ einfach feststellen. Wir machen dafür Screenshots von einigen Videoeinstellungen und suchen die Standbilder über eine Bildersuche, zum Beispiel über Google oder TinEye.

    © Screenshot/BR

    Unter images.google.com suchen wir nach Bildern aus dem Fake-Video.

    Die früheste Version, die wir im Internet finden, wurde am 4. Januar 2016 auf Youtube hochgeladen. Die Aufnahmen können demnach nicht aktuell sein, sie stammen mindestens von Anfang 2016 - oder davor.

    © Screenshot/BR

    Die vermutlich erste im Internet veröffentlichte Version des Videos ist datiert auf den 4. Januar 2016.

    Wie die Faktenprüfer von Mimikama herausgefunden haben, gibt es einen weiteren Hinweis darauf, dass das Video älter sein muss. In der derzeit herumgereichten Version ist es mit einem Logo, "Thesen24.com", versehen. Die Webseite habe allerdings nur von 2015 bis 2016 existiert.

    Wo ist das Video entstanden?

    In den Kommentaren unter dem vermutlich ersten veröffentlichten YouTube-Video erhalten wir mehrere Anhaltspunkte, wo der Weihnachtsbaum stehen könnte. Die Rede ist von Saudi-Arabien, Schweden oder Ägypten - hier ganz konkret die "Mall of Arabia" in Kairo.

    Wir suchen den Ort auf Google Maps und werden fündig: Die dort hinterlegten Fotos und 3D-Aufnahmen von Nutzern beweisen, dass es sich tatsächlich um das genannte Einkaufszentrum in Kairo handelt. Der Boden, die Decke mit der Beleuchtung und die Zara-Filiale stimmen überein.

    © Screenshot/BR/Google/TripAdvisor/www.mallofarabia.com.eg

    Links ein Ausschnitt aus dem Original-Video, rechts der Abgleich mit Aufnahmen von Google-Nutzern und der Karte der "Mall of Arabia"

    Die Szene aus der Kairoer Shoppingmall musste schon für viele und offensichtlich widersprüchliche Behauptungen herhalten: Im Jahr 2016 sollte sie sich angeblich in Hamburg abgespielt haben, dann in der Dresdner Altmarkt-Galerie, ein Jahr später sollte es der Weserpark in Bremen sein. Die Aussagen wurden vielfach widerlegt, doch diejenigen, die das Video alle Jahre wieder verbreiten, scheint das nicht zu stören. Auch viele Nutzer in den sozialen Medien machen darauf aufmerksam, dass eine kurze Suchanfrage für Aufklärung sorgen könnte.

    Auf Youtube wurde ein Video mit der Überschrift "Muslime zerstören Weihnachtsbaum" (diesmal in Dortmund) innerhalb von zwei Tagen über 1.500 Mal abgerufen. Mittlerweile wurde es wieder entfernt. Auf Facebook spielten Nutzer dasselbe Video über 17.000 Mal ab.

    Was ist in dem Video zu sehen?

    Darüber, was in dem Video tatsächlich passiert, gibt es unterschiedliche Interpretationen. Im vermutlich ersten Weihnachtsbaum-Video auf YouTube vermutete ein Kommentator und danach viele andere, dass es sich um einen Brauch koptischer Christen handele, bei dem die Leute den Weihnachtsbaum nach versteckten Geschenken durchsuchen. Das sogenannte Christman Tree Plundering ist eine schwedische Tradition und wird dort am 13. Januar gefeiert.

    Die Faktenprüfer von Mimikama haben in der Shopping-Mall nachgefragt und eine Facebook-Nachricht geschickt. Die Antwort: Es habe sich weder um einen Angriff noch ein Spiel gehandelt. Tatsächlich seien "Kids" auf dem Weihnachtsbaum herumgeklettert und hätten nicht gewusst, dass das verboten sei. Ein Sicherheitsteam habe sich umgehend darum gekümmert.